BMW-Pilot gibt sich vor Saisonfinale gewohnt cool
Der Verlierer bleibt stark

Juan Pablo Montoya hat nach seiner Niederlage in Monza durchaus noch Chancen auf den WM-Titel in der Formel 1.

MONZA. Juan Pablo Montoya trug ja nun diesen Helm. Schade eigentlich, sonst hätte er sich in diesem Moment wahrscheinlich noch gelangweilt am Ohr gekratzt. Ist ja auch wirklich nichts Besonderes, bei einem Formel-1-Rennen bei Tempo 300 km/h den Weltmeister so hart zu attackieren, dass zwischen die Breitreifen von Montoyas BMW-Williams und Schumachers Ferrari höchstens noch die Reclam-Ausgabe von Goethes "Faust" gepasst hätte. "Ich hatte nichts Besonderes gefühlt", sagte Montoya, "man macht in dieser Sekunde seinen Job, das ist doch völlig normal." Möglicherweise hat nur ein letzter Rest von Höflichkeit verhindert, dass der Kolumbianer nach dem Rennen jenen Reporter einfach nur fassungslos anstarrte, der ihn fragte: "Treibt so ein riskantes Manöver den Puls hoch?"

Montoya gibt sich derzeit noch viel cooler, als es ohnehin schon alle wussten. Wahrscheinlich trieben ihn Ärger und Frust dazu, dies noch mal zu zeigen. Montoya kam beim Großen Preis von Italien am Sonntag in Monza nicht an Schumacher vorbei, nicht bei dieser Attacke, nicht während des Rests des Rennens. Er wurde im BMW-Williams Zweiter hinter dem Ferrari-Piloten.

"Der Juan hat es absolut drauf, Weltmeister zu werden. Nervlich ist er so stark wie Michael Schumacher", sagt Mario Theissen bloß. Der Motorsport-Direktor von BMW-Williams hat einen Fuß lässig auf eine Querstrebe vor dem BMW-Motorhome gestellt, und er redet über die Chancen, die sein Team und sein Spitzenfahrer Montoya jetzt noch haben, um den WM-Titel zu holen.

Die Nervenstärke ist auf jeden Fall da. Ohne sie hätte Montoya nun ein Problem. "Denn jetzt kann man kein schlechtes Ergebnis mehr wettmachen", sagt Theissen. Zwei Rennen stehen in der Formel-1-Saison noch aus, in Indianapolis und in Suzuka, und die Frage ist jetzt: Kommen diese Kure einem der Top-Teams entgegen. Kimi Räikkönen hat ja auch noch Chancen - mit sieben Punkten Rückstand auf Schumacher zwar, aber im silberfarbenen, leicht futuristisch wirkenden Motorhome von McLaren-Mercedes steht Sportchef Norbert Haug und sagt mit feinem Lächeln: "Es läuft auf einen Zweikampf Schumacher gegen Montoya raus, aber manchmal gibt es ja noch einen lachenden Dritten." Räikkönen zum Beispiel. "Aber es wird schwer, das muss man sagen", schiebt Haug hinterher, und bei diesem Satz lächelt er nicht mehr.

Wer hat Vorteile in Indianapolis und Suzuka? Die schlichte Wahrheit lautet: keines der drei Spitzenteams. Suzuka hat schnelle Kurven, hier muss man mit viel Haftung fahren und deshalb mit einer großen Motorenleistung den entsprechenden Widerstand wettmachen. Das spräche eigentlich für BMW-Williams. Aber seit Monza ist das Team einigermaßen ernüchtert. Monza hat auch schnelle Kurven, trotzdem jagte der Ferrari als Sieger durchs Ziel. Denn Schumachers Team, erzählt ein Insider, habe den Boliden in harter Arbeit auf nahezu 900 PS hochgezüchtet. Die Italiener tauchten bei Tests vor Monza gleich mit vier Autos auf, zwei für jeden Fahrer. Ein spektakulärer, völlig unüblicher Aufwand. Michael Schumacher mit seinem phänomenalen Fahrgefühl erledigte den Rest. Die Reifen spielten bei diesem Grand Prix keine große Rolle. "In den schnellen Kurven war der Reifenvorteil für uns kaum spürbar", sagt Theissen. BMW-Williams hat wie McLaren-Mercedes Michelins angeschraubt, Ferrari fährt Bridgestone. Möglich natürlich, dass einer aus dem Spitzentrio in Indianapolis von der Strecke rutscht, Schumacher zum Beispiel, dann sieht alles wieder anders aus. Wenn allerdings Montoya und Räikkönen vorzeitig ihren Dienst beenden müssten und Schumacher siegt oder Zweiter wird, dann steht der Ferrari-Pilot als Weltmeister fest.

So cool wie Montoya ist Schumacher allemal. Sein Puls bei der Montoya-Attacke? "Ach, das war eine ganz normale Situation. Da macht man seine Arbeit, fertig. So was wollen die Leute doch sehen."

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