BMW und Altana sichern das Vermögen – Stefan Quandt baut neuen Logistik-Konzern zusammen
Quandt-Familie umkurvt alle Krisen

Der Wirtschaftsflaute zum Trotz mehren die Mitglieder der Quandt-Familie kräftig ihr Vermögen. Bei ihren Investments haben sie bislang eine glückliche Hand gezeigt. Mit dem jüngsten Geschäft, der Übernahme der Luxemburger Thiel AG, will sich Stefan Quandt nun einen erfolgreichen Logistik-Konzern zusammenbauen.

hof/bef FRANKFURT/M. Der Münchener Autokonzern BMW peilt im laufenden Jahr ein neues Rekordergebnis an, der Bad Homburger Pharma- und Chemiehersteller Altana ebenfalls. Mit der am Dienstag angekündigten Übernahme des Luxemburger Logistik-Unternehmens Thiel Logistik AG wird auch die Beteiligungsgesellschaft Delton AG in eine neue Dimension hineinwachsen. Gemeinsam ist diesen Firmen: Sie mehren das Vermögen der Familie Quandt.

Das Familienoberhaupt Johanna Quandt und ihre beiden Kinder Stefan und Susanne, haben ihr Geld gut investiert. Alle drei hielten trotz wiederkehrender Verkaufsgerüchte ihre Anteile an BMW - die Aktie notiert auch heute nur unweit der historischen Höchststände - und genauso hat das Investment von Susanne Klatten bei der Altana AG der Börsentalfahrt getrotzt. Die Quandt-Tochter, die nach ihrer Heirat auf den Familiennamen Klatten hört, konnte den Wert ihrer Altana-Beteiligung in den vergangenen drei Jahren verdreifachen. Stefan Quandts Delton AG ist nicht börsennotiert und auch die Gewinne hielten sich zuletzt in Grenzen, gerade weil das Unternehmen nach Kräften investiert hat.

Die Delton AG muss nun beweisen, dass sie in die Erfolgsserie der Quandt-Familie hineinpasst. Denn die Integration von Thiel und die Fusion mit der ebenfalls zum Familienreich gehörenden Microlog AG birgt Risiken. Auch wenn Thiel nach Meinung des Delton-Vorstandsvorsitzenden Bernd-Michael Winter "hervorragend ins Portfolio passt". Damit komme Delton dem Ziel näher, eine führende Position im Bereich Logistik zu erlangen, sagte er am Dienstag in Frankfurt.

Delton hat bereits 45 % an Thiel übernommen und strebt eine knappe Mehrheit an. Verkauft hat das ThielManagement seine 3,5 % zu 7,50 Euro je Aktie. Den Rest hat Delton nach eigenen Angaben seit dem 15. Juli direkt über die Börse, mit Hilfe der Deutschen Bank und zweier anderer Geldhäuser außerbörslich erworben. Drei Tage zuvor hatten die Luxemburger die Märkte mit einer Gewinnwarnung geschockt. Statt 109 Mill. Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern werden nur noch 25 Mill. Euro bei einem Umsatz von 1,45 Mrd. Euro erwartet. Logistik-Dienste zählen als wichtige Wachstumsbranche. Thiel hat etwa die Organisation aller Logistik-Leistungen bei Burger King Deutschland übernommen und organisiert außerdem die Logistik in Krankenhäusern.

Delton plant nun, seinen Microlog-Anteil und den der beiden Großaktionäre Rolf van den Berg und Frank Jürgen Weise bei Thiel gegen Aktien oder Bargeld einzubringen und damit einen Konzern mit mehr als 1,7 Mrd. Euro Umsatz zu schmieden. Für diesen Fall soll es, wie Vorstandschef Günter Thiel betonte, ein "freiwilliges Angebot" an die übrigen Microlog-Aktionäre geben. Da es sich bei der Umschichtung um eine konzerninterne Delton-Angelegenheit handele, sei kein Pflichtangebot nötig, hieß es.

Der Einstieg bei Thiel Logistik soll das Vermögen der Familie Quandt weiter mehren. Nach Berechnungen des US-Wirtschaftsmagazins Forbes ist sie mit einem Vermögen von 18,4 Mrd. $ zur zweitreichsten Familie Deutschlands aufgestiegen sind. Vor ihnen stehen die Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht, die es auf 26,8 Mrd. $ bringen.

Allein die 46,6 %, die die Familie am Münchener Autobauer BMW hält, dürften ihr im vergangenen Jahr eine Dividende von mehr als 100 Mill. Euro vor Steuern beschert haben. Und während die meisten anderen Autokonzerne über fallende Absatzzahlen und sinkende Erträge klagen, geht es bei den Münchenern weiter aufwärts. Allerdings läuft es erst seit zwei Jahren wieder rund bei BMW, nachdem sich die Bayern von ihrer verlustreichen britischen Tochter Rover getrennt haben. Der Ausflug hatte Milliarden gekostet.

Im Deutschen Aktienindex Dax könnte BMW bald Gesellschaft von einem weiteren Quandt-dominierten Konzern bekommen. Der Bad Homburger Pharmahersteller Altana mit einer Börsenkapitalisierung von 7,3 Mrd. Euro ist erster Anwärter für einen Aufstieg. Dank des boomenden Geschäfts mit Arzneien schüttete Altana im vorigen Jahr eine Dividendensumme von insgesamt 98 Mill. Euro an seine Aktionäre aus - Susanne Quandt ist mit mehr als der Hälfte daran beteiligt. Die sprudelnde Einnahmequelle Altana wird auch in diesem Jahr nicht versiegen, denn der Konzern geht trotz der allgemeinen Krise in der Pharmaindustrie von einer Gewinnsteigerung zwischen 10 % und 20 % aus.

Als Fehlgriff hat sich bislang dagegen die Beteiligung am nach eigenen Angaben weltgrößten Anbieter von Smartcards, der in Paris und an der Nasdaq notierten Gemplus S.A., erwiesen. Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone gerutscht, der Börsenkurs eingebrochen. Erfolgreich läuft das Geschäft aus Sicht der Familie bei der US-Gesellschaft Datacard Int. Corp., die Maschinen zur Produktion von Smartcards entwickelt und die zu 100 % zum Quandt-Reich gehört.

Quelle: Handelsblatt

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