BMW und Mercedes-Benz soll unter Druck gesetzt werden
Renault entdeckt die lukrative Oberklasse

Der Hoffnungsträger heißt Avantime: In dieser Woche startet der Automobilkonzern Renault S.A. mit der Serienproduktion seines neuen Oberklasse-Modells. Im nächsten Jahr bringen die Franzosen in diesem Fahrzeug-Segment zudem die neue Großraum-Limousine Espace und den Vel Satis auf den Markt.

zel BERLIN. "Der Avantime ist das erste von drei Oberklasse-Modellen", erläuterte Renault-Deutschland-Chef Jacques Rivoal bei der Vorstellung des Autos in Berlin.

Renault setzt darauf, vor allem den beiden deutschen Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz künftig in der Oberklasse Paroli bieten zu können. Renault hat außerhalb Frankreichs lediglich einen guten Ruf als Hersteller von Kleinwagen und Mittelklasse-Modellen. Zudem wächst das obere Fahrzeug-Segment, wo alle Automobilhersteller von höheren Renditen angelockt werden. In den vergangenen fünf Jahren ist die automobile Oberklasse in Westeuropa um 14 % auf 1,75 Millionen Fahrzeuge angewachsen.

Der französische Hersteller weiß nur zu genau, dass er die etablierten Konkurrenten Mercedes und BMW mit einem neuen Angebot herausfordern muss. Sowohl der Avantime als auch der nächstes Jahr folgende Vel Satis fallen vor allem durch ein extravagantes Design auf. Renault propagiert den Begriff "Nonkonformismus". "Es ist schwierig, diesen Wagen in eine bekannte Kategorie einzuordnen", sagte Bernard Cambier, Marketing-Direktor für den Avantime in der Renault-Zentrale.

Die Absatzziele bleiben allerdings zunächst vergleichsweise bescheiden. Renault will von seinen drei neuen Oberklasse-Modellen von 2003 an etwa 160 000 pro Jahr absetzen. Zum Vergleich: Mercedes produzierte im vergangenen Jahr allein in Europa etwa 250 000 Exemplare seiner E-Klasse, BMW kam auf etwa 190 000 Autos seiner 5er-Baureihe. Vom sportlichen Avantime, der im Spätsommer bei den Händlern stehen soll, werden wahrscheinlich pro Jahr nicht mehr als 10 000 Stück gebaut. Renault versucht mit diesem Auto eine Mischung aus Minivan und Coupé.

Der Einstieg von Renault in die Oberklasse hat intern bereits Probleme ausgelöst: Der Avantime kommt mit einem Jahr Verspätung auf den Markt. Renault hatte das Auto fast ausschließlich von seinem französischen Partner Matra entwickeln lassen. Matra unterschätzte den Aufwand, dadurch kam die Verspätung zustande. Jean-Louis Caussin, Generaldirektor von Matra Automobiles, bezeichnete den Avantime als das "schwierigste Produkt", das Renault und Matra gemeinsam entwickelt haben. Auch die Großraum-Limousine Espace stammt aus dieser Kooperation.

Renault musste in diesem Jahr bislang einen deutlichen Rückgang beim Fahrzeugabsatz hinnehmen. Die neuen Oberklasse-Modelle sollen diesen Negativtrend umkehren. Auch die Ertragssituation hat sich bei den Franzosen verschlechtert.

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