BMX
Trendsport bei Olympia: Kamakazi im Sandkasten

Zungenpiercing und fingerdicke, silberne Stecker am Ohr: Olympia hat sich nach solchen Sportlern gesehnt. Die BMX-Fahrer zeigen tollkühne Stunts und spektakuläre Stürze - weil das IOC sich um das Interesse der Jugend sorgt, fahren sie erstmals um Medaillen.

PEKING. Kamakazi hat blonde Haare, er trägt Tolle, Koteletten, in beiden Ohren fingerdicke, silberne Stecker mit goldenem Rand, und wenn er spricht, sieht man sein Zungenpiercing. Geboren wurde er vor 27 Jahren in Brisbane, Australien, als Jamie Hildebrandt. Aber weil er schon in der Schulzeit mit seinem Fahrrad todesmutige Stunts hinlegte, verpassten ihm die Kumpels den Spitznamen Kamakazi.

Vor zehn Jahren nahm er ihn ganz offiziell an, er steht auf seiner Kreditkarte, in seinem Pass. "Damals dachte ich, es wäre eine witzige Idee." Heute nicht mehr? "Seit 9/11 ist nichts mehr ein Witz." Bei jeder Landung in Amerika verbringt er jetzt Stunden bei der Security.

Der US-Zoll mag anders denken, aber Olympia hat sich gesehnt nach Typen wie Kamakazi. Denn der gibt nicht nur den Freak, sondern macht auch immer noch spektakuläre Sachen mit dem Fahrrad. "Volles Risiko zu gehen, ist meine Philosophie." Seit gestern darf er das zum ersten Mal bei Olympia tun, zusammen mit den anderen aus der BMX-Szene. "Ein Traum wird wahr", sagt er.

BMX, das klingt nach Kalifornien und vor allem nach Achtziger Jahre, als auch in Deutschland jedes Kind mit einem der kleinen Cross-Räder durch die Gegend fuhr. Aber erstens sind die Achtziger Jahre ja wieder populär, siehe Musik und Mode. Und zweitens ist dem Internationalen Olympischen Komitee alles Recht, was seinen Spielen irgendwie den Anstrich von Moderne gibt. Denn der Zuschauerschnitt bei Olympia wird seit Jahren immer älter, 54 Prozent der TV-Fans bei den letzten Spielen waren über 45 Jahre alt. Die stärkste Altersgruppe war mit 21 Prozent die der über 65-Jährigen. Das finden die Sponsoren nicht gut, das bedroht die Zukunft von Olympia.

Also gibt es bei den Winterspielen mittlerweile Freestyle-Skifahren und Snowboard. Und folglich werden auf einem Sandkurs neben dem Velodrom die ersten BMX-Medaillen der Geschichte vergeben. "Wir sind sicher ein Schritt in die richtige Richtung", sagt der Schweizer Roger Rinderknecht, der zwar auch einen lustigen Namen hat, aber mit seinem kurz gestutztem Haar relativ normal aussieht.

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