BND: Viele Länder forschen trotz der Verbote
Massenvernichtungswaffen weiter auf dem Vormarsch

Die Herstellung und Weiterverbreitung ist durch zahlreiche Abkommen geächtet, dennoch rüsten viele Länder im Stillen auf. Eine Kontrolle ist schwer, da die Teile zur Herstellung von Waffen auch zu zivilen Zwecken genutzt werden könnten.

DÜSSELDORF. Unter den biologischen Waffen ist Anthrax, der so genannte Milzbrand, der wohl bekannteste. Er kann als Haut-, Lungen- oder Darmmilzbrand auftreten. Lungen- und Darmmilzbrand verlaufen ohne oder bei verspäteter Therapie meist innerhalb von 2-3 Tagen tödlich, erklären die Experten von Medicine-worldwide auf ihren Internetseiten.

Schottische Insel nach Versuchen vor 50 Jahren immer noch verseucht

Schon im 2. Weltkrieg experimentierten die Briten mit dem Milzbranderreger. So sei noch heute die schottische Insel Guida mit dem Erreger so verseucht, dass auch nach über 50 Jahren das Betreten lebensgefährlich und daher strikt verboten ist. Eine Reihe von Staaten besitzen vermutlich Milzbranderreger als Kampfmittel, die z.B. mit Granaten verschossen oder mit Raketen über große Entfernungen an ihr Ziel gebracht werden können. Auch terroristische Anschläge, z.B. über das Trinkwassersystem einer Großstadt seien vorstell- und durchführbar. Die Aktualität dieser Gefahr haben insbesondere die USA erkannt und damit begonnen, ihre Soldaten gegen Milzbrand zu impfen, so die Mediziner von Medicine-worldwide.

Wissenschaftler im Irak weiterhin verfügbar

Neben Anthrax verfügte beispielsweise der Irak nach eigenen Angaben zeitweise auch über andere biologische Kampfstoffe, wie Botulinustoxin, ein nerven- und blutwirksames giftiges Stoffwechselprodukt des Bakteriums Clostridium botulinum, nach Angaben des Bundesnachrichtendienstes (BND) eines der stärksten bekannten Gifte ist.

Zudem wurde der Rotavirus, Erreger der Kamelpocken und ein Getreide befallender Pilz, gezüchtet. Auch nach den beiden Golfkriegen, bei denen zahlreiche Anlagen im Irak zerstört werden konnten, wurde in einer zivil getarnten Fabrik weiter produziert. Die Anlage konnte zwar 1995 enttarnt und 1996 endgültig zerstört werden, jedoch sind die in dieses Programm involvierten Wissenschaftler im Irak weiter verfügbar, so der BND in einer Veröffentlichung.

BND: Viele Länder forschen weiter

Trotz der Ratifizierung der B-Waffenkonvention wird in vielen Ländern nach Angaben des BND weiter an der Entwicklung biologischer Waffen gearbeitet.

Im Falle Indiens hat der Bundesnachrichtendienst zwar keine direkten Hinweise für ein B-Waffen-Programm, jedoch gibt es Anzeichen für eine Zusammenarbeit mit führenden Wissenschaftlern aus der ehemaligen Sowjetunion auf dem Gebiet der biologischen Waffenentwicklung.

In Pakistan bemühen sich einige Institutionen verstärkt um den Erwerb von biotechnologischer Labor- und Produktionsausrüstung. Hierbei werden zumeist pakistanische Zwischenhändler bzw. Handelsfirmen eingesetzt. Sie könnten zur Produktion biologischer Waffen genutzt werden.

Im Iran scheint sich das Forschungsprogramm an B-Waffen nach Angaben des BND noch in der Entwicklung zu befinden.

Das Problem der Dual-use-Güter

Die Proliferation, d.h. die Weiterverbreitung von chemischen und biologischen Waffen, sowie ihrer Trägersystemen stellt nach Angaben des BND eine der schwierigsten Aufgaben der internationalen Sicherheitspolitik dar. Problem sind hierbei die sogenannten Dual-use-Güter. So werden Güter bezeichnet, die sowohl zur Produktion von Waffen, als auch im zivilen Bereich eingesetzt werden können. Als Lieferanten für Dual-use-Güter kommen prinzipiell alle Industrieländer in Frage. Der Kauf von Endprodukten am internationalen Markt ist im Gegensatz zu Forschungs- und Entwicklungeinrichtungen deutlich leichter kontrollierbar.

Was für die biologischen Massenvernichtungswaffen gilt, kann auch auf nukleare und chemische Waffen übertragen werden. So beobachtet der BND das Wettrüsten Pakistans und Indiens ebenso mit Sorge, wie die Folgen der Auflösung der früheren UDSSR. Nicht nur die dort noch eingelagerten Waffen geben Anlass zur Sorge, sondern auch das diesbezügliche Personal, was über entsprechendes Know-how verfügt und sich teilweise in wirtschaftlicher Not befindet.

Was tun gegen die Proliferation?

Über das Verbot von ABC-Waffen existieren bereits zahlreiche von sehr vielen Staaten unterzeichnete Abkommen, wie z.B. der Kernwaffen-Nichtverbreitungsvertrag oder das Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und Toxinwaffen (BWÜ). Problematisch bleibt im Rahmen der Bekämpfung von Massenvernichtungswaffen weiterhin die Arbeit der Kontrollinstanzen. Im Falle Iraks waren die Schwierigkeiten in den Medien für die Öffentlichkeit gut nachvollziehbar. Die Kooperationbereitschaft der betroffenen Länder ist bei Überprüfungen gering.

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