BNP Paribas hat nicht die Kontrolle
Credit Agricole lässt Credit Lyonnais nicht fallen

Die französische Großbank Credit Agricole hat am Montag auch nach dem überraschenden Verkauf des Staatsanteils der Credit Lyonnais (CL) ihr weiteres Interesse an einer engen Kooperation mit CL bekundet.

Reuters PARIS. Der mit 10,9 Prozent neue Haupt-Anteilseigener BNP Paribas habe einen Anteil an CL, aber nicht die Kontrolle, sagte der Finanzchef der Credit Agricole, Gilles de Margerie, bei einer Telefonkonferenz mit Analysten. In einer für die Finanzbranche überraschend angesetzten Auktion hatte das Finanzministerium in Paris den Anteil angeboten und am Samstag für rund 2,2 Milliarden Euro an BNP verkauft. BNP-Chef Michel Pebereau verteidigte unterdessen den hohen Aufpreis für den Kauf. Credit Agricole hält derzeit 10,5 Prozent an CL. Auch die Allianz-Tochter AGF ist an der Bank beteiligt.

Während der Aktienkurs der BNP zu Handelsbeginn in Paris um gut sechs Prozent auf 42,60 Euro einbrach, stiegen CL-Aktien um das zulässige Limit von 20 Prozent, bevor der Handel zeitweise unterbrochen wurde. Auch die Aktien der nicht zum Zug gekommenen französischen Banken kletterten.

BNP, die nach Marktwert größte Bank der Euro-Zone, hatte mit 58 Euro je CL-Aktie fast die Hälfte mehr geboten, als die 38,94 Euro, die eine Cl-Aktie am Freitag an der Pariser Börse gekostet hatte. Reuters erfuhr aus Finanzkreisen, dass Societe Generale und Credit Agricole 47 beziehungsweise 44 Euro je Aktie geboten hatten. Die französische Versicherung AGF habe für einen 3,5-prozentigen Anteil 42 Euro je Aktie zahlen wollen, hieß es weiter.

BNP rechtfertigte den hohen Aufpreis mit "exzellenten Möglichkeiten" für die Bank. "Der Preis dieser Transaktion spiegelt präzise den Wert dieser außergewöhnlichen Möglichkeit wider, die der Gruppe offen steht", sagte BNP-Chef Pebereau in fast gleich lautenden Interviews mit den französischen Tageszeitungen "La Tribune" und "Les Echos" vom Montag.

Pebereau gilt als hart arbeitende, manchmal auch autoritäre Führungspersönlichkeit. Seine Feinde sagen auch, durch seine Adern fließe Eiswasser. 1999 schaffte er es, die Aktionäre der Paribas-Bank von einer bereits vereinbarten Fusion mit der Societe Generale abzubringen. Als Chef der BNP führte er sein Institut dann mit der Paribas zusammen.

Credit Agricole war in der Branche bisher als der Favorit für eine Übernahme der CL gesehen worden, an der auch die Commerzbank Anteile hält. BNP könnte ihr in einem möglichen Übernahmekampf nun Konkurrenz machen.

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