Bochumer Gericht will im Verfahren gegen den Immobilienmanager neue Zeugen hören
Prozess gegen Ernst verzögert sich

Der Immobilienmanager Roland Ernst muss sich vorerst weiter vor Gericht verantworten. Das Bochumer Landgericht sieht es nicht als erwiesen an, dass er erpresst worden ist, und trennte gestern sein Verfahren wegen Betrugs und Bestechung von dem der Mitangeklagten ab. Nun sollen neue Zeugen gehört werden.

ews/dpa BOCHUM. Der Schmiergeld-Prozess gegen den Heidelberger Baulöwen Roland Ernst ist einen Tag nach dem Start geplatzt. Das Landgericht Bochum sieht noch Fragen um Geldflüsse beim Verkauf eines Bonner Ministeriumsgebäudes ungeklärt und will weiter ermitteln lassen. Ernst hatte am Montag ein Geständnis abgelegt.

Terminnöte zwangen die 13. Strafkammer zur Abtrennung des Verfahrens gegen Ernst von dem Verfahren gegen die Mitangeklagten. Ernst wird Betrug, Bestechung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Erst im kommenden Jahr wird der Prozess neu aufgerollt. Dagegen wird das Verfahren gegen vier weitere Angeklagte vorangetrieben.

Im Prozess gegen Ernst will die Staatsanwaltschaft neue Zeugen in Sachen des Verkaufs der Immobilie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Bonn hören. Das Gebäude war von einer Ernst-Firma gebaut und Mitte der neunziger Jahre für 290 Mill. DM nach Schmiergeldzahlungen an ein Unternehmens-Konsortium verkauft worden.

Prozessbeobachter deuteten die Trennung der Verfahren auch dahingehend, dass die heutigen Mitangeklagten bei späteren Aussagen Ernst belasten könnten, weil sie als Verurteilte kein Recht auf Verweigerung der Zeugenaussage haben. Zumindest drei von ihnen - die beiden ehemaligen Bahnangestellten Prof. Alexander May, Horst-Dieter Hadergasser sowie der Makler Rolf Rietz - müssen damit rechnen, dass sie im Verfahren gegen Ernst noch einmal in Bochum aussagen müssen.

Die Wende in dem Verfahren gegen Ernst kündigte sich schon morgens an, als Richter Pamp eher beiläufig erwähnte, "dass gegen Ernst auch in anderen Richtungen als gegen May und Hadergasser ermittelt wird". Bei den vielen Zahlungen könne Ernst schon einmal den Überblick verlieren, kommentierte der Richter aufgetretene Widersprüchlichkeiten in dessen Aussagen.

Das Gericht deutete in einer Zwischenbilanz auch an, dass es die Erpressungstheorie der Ernst-Verteidiger nicht als bewiesen sehe. Denn, so argumentierte Pamp, es sei unwidersprochen geblieben, dass "der erpresste Angst geäußert hat, dass der Erpresser auffallen kann". Zudem habe Ernst noch May und Hadergasser dabei geholfen, das Schmiergeld von insgesamt 6,5 Mill. DM in der Schweiz anzulegen. Dies sei bei Erpressungen nicht gerade typisch.

Nachdem bereits gestern der Angeklagte Thomas Gatzka, ein ehemaliger Ernst-Anwalt, der schon in der Sache des BMZ-Verkaufs verurteilt worden war, in diesem Prozess freigesprochen wurde, stehen heute die anderen drei Urteile an. Da der schwerste Vorwurf der Erpressung nicht beweisen werden konnte, werden May und Hadergasser nun wegen Angestelltenbestechlichkeit und Steuerhinterziehung verurteilt werden, der Makler Rietz wegen Untreue und Steuerhinterziehung.

Rietz hatte Ernst mit Scheinrechnungen versorgt. Aus diesem Schwarzgeld hatte der Baulöwe, über dessen Imperium das Insolvenzverfahren läuft, unter anderem die Bestechungsgelder für die ehemaligen Bahnangestellten bezahlt.

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