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Bochumer Opel-Mitarbeiter unzufrieden - 'Kämpfen um jede Stelle'

Nach der Information der Kollegen in der Frühschicht stand dem Bochumer Opel-Betriebsratschef Dietmar Hahn sichtlich das Wasser in den Augen.

dpa-afx BOCHUM. Nach der Information der Kollegen in der Frühschicht stand dem Bochumer Opel-Betriebsratschef Dietmar Hahn sichtlich das Wasser in den Augen. "Wenn man 28 Jahre hier gearbeitet hat und nun mitbekommt, dass von den verbliebenen fast jeder zweite Arbeitsplatz gestrichen werden soll - das ist schon bitter", sagte der Betriebsratschef. Gleichzeitig zeigte er sich kämpferisch: "Wir verhandeln weiter und werden um jede Stelle kämpfen."

"Wir landen doch alle bei Hartz IV", meint dagegen ein Mitarbeiter beim Verlassen des Werks am Ende der Frühschicht und spricht damit aus, was viele Kollegen denken. Die Opelaner sind verunsichert und unzufrieden nach der Ankündigung der Konzernspitze, 3 600 Stellen in dem Bochumer Werk streichen zu wollen. Dass das Management dabei auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten will, macht die Sache für die Arbeiter auch nicht besser.

"Was die uns anbieten, ist doch alles wertlos", sagt eine junge Opel-Mitarbeiterin vor dem Tor 1. Die Möglichkeit, sich in einer Transfer- Gesellschaft weiter zu qualifizieren oder eine Abfindung anzunehmen, stimme sie auch nicht zuversichtlicher. "Ich nehme keine Abfindung. Was soll ich mit 10 000 Euro anfangen?" Und freiwillig wolle sie sich auch nicht für die ein Jahr dauernde Weiterbildung anmelden, die die Konzernleitung der Belegschaft anbietet.

Keine Jobs IN DER Region

"Dann stehe ich nach einem Jahr doch wieder auf der Straße. In der Region gibt es überhaupt keine Jobs." Es werde sogar noch schlimmer kommen, als es jetzt aussehe, denkt sie. "Wenn sich zu wenig Leute für die Transfergesellschaft anmelden, dann schmeißen die eben im Februar die Menschen raus", sagt sie. Viele ihrer Kollegen befürchteten wie sie, dass es doch noch zu betriebsbedingten Kündigungen kommt.

"Die Mitarbeiter sind verunsichert, sie wissen gar nicht, was auf sie zukommt", sagt ein Ehemaliger, der auch im Bochumer Opel - Betriebsrat war, am Donnerstag vor dem Werkstor 4. Eine erneute Arbeitsniederlegung hält er nicht für ausgeschlossen. "Viele haben gesagt, sie wollen erst eine Belegschaftsversammlung. Aber es kann auch in jeder Stunde ab jetzt sein, dass die Mitarbeiter die Arbeit niederlegen und, wie im Oktober ihr Informationsrecht wahrnehmen." Der wilde Streik vor zwei Monaten hatte offiziell den Titel einer Informationsveranstaltung für die Belegschaft getragen. "Und die Belegschaft hat jetzt natürlich wieder viele Fragen", sagte er.

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