Boden bei einigen Medien-Aktien erreicht
Analysten erwarten düsteres Jahr für Medienaktien

Die Kirch-Krise und rückläufige Werbeerlöse haben der deutschen Medienlandschaft in diesem Jahr bislang arg zugesetzt. Obwohl eine Besserung nicht in Sicht ist, dürften einige börsennotierte Firmen nach Ansicht von Analysten von der Konsolidierung der Branche aber auch profitieren.

Reuters MÜNCHEN. Vor allem größere Gesellschaften wie Highlight oder Constantin könnten die Marktbereinigung gestärkt überstehen, sagten Analysten der Nachrichtenagentur Reuters. Insgesamt gehen die Experten jedoch von einem düsteren Jahr 2002 für die Medienbranche aus. Ein Anziehen der Werbeerlöse, von denen die Firmen direkt oder indirekt abhängig sind, werde frühestens ab dem vierten Quartal 2002 erwartet. Auch die Neuordnung des insolventen Kirch-Imperiums dürfte nicht vor Jahresende abgeschlossen sein. Zwar gebe es einige vielversprechende Firmen. Anleger sollten bei einem Einstieg in die jeweilige Aktie die Finanzlage der Gesellschaft jedoch unbedingt genau prüfen, raten die Experten.

"Bei einer Investition sollte man sich die Firma genau anschauen", sagte Isabel Geigenberger von der DZ Bank. Viele Filmproduzenten und Rechtehändler hätten mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen, da sie ihre Ware nur mit Preisnachlässen an die TV-Anstalten verkaufen könnten. Vor allem kleinere Firmen litten unter dem schwachen Werbemarkt, sagte Geigenberger. Die seit Jahresbeginn besonders stark unter Druck geratenen Medienwerte - der über 30 Werte umfassende Medien-Index des Neuen Marktes verlor seit Jahresbeginn rund 50 Prozent an Wert - böten vereinzelt aber auch wieder Chancen zu einem Einstieg. "Der Boden sollte bei einigen Firmen erreicht sein", sagte Geigenberger.

Insgesamt sieht die Lage für die deutsche Medienlandschaft in diesem Jahr alles andere als rosig aus. Es seien zwar erste Anzeichen einer Belebung des Werbemarktes in den USA zu erkennen, allerdings dürften die meisten deutschen Firmen frühestens ab dem vierten Quartal davon profitieren, sagte ING-Analyst Roland Pfänder. Davon geht auch Jan Herbst, Analyst bei Sal. Oppenheim, aus. "Mit einem Anziehen des Medienmarktes ist in diesem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen", sagte er.

WestLB-Analyst Marc Koebernick knüpft einen Aufschwung des Medienmarktes auch an die Neuordnung des insolventen Kirch-Imperiums. "KirchMedia ist nach wie vor ein wichtiger Player im Markt", sagte Koebernick, der eine Marktbelebung ebenfalls erst Anfang kommenden Jahres sieht. Investoren sollten bei einem Einstieg in Medienaktien deshalb genau prüfen, ob das ausgewählte Unternehmen über genügend Finanzmittel verfügt, die Durststrecke in diesem Jahr zu überstehen, fügte er hinzu.

Boden bei einigen Medien-Aktien erreicht

Vor allem dem Schweizer Filmrechtehändler Highlight Communications oder den beiden Filmproduzenten Constantin Film und Senator Entertainment bescheinigen die Analysten angesichts einer soliden Kapitaldecke gute Chancen, gestärkt aus der Konsolidierung des Marktes hervorzugehen. Highlight hatte im Mai angekündigt, einen 23-prozentigen Anteil an Constantin von der Kirch-Gruppe zu übernehmen.

Bei einem Anziehen des Werbemarktes dürften auch der Musiksender Viva und die TV-Senderfamilie ProSiebenSat.1 profitieren, sagte Geigenberger. ProSiebenSat.1 gehört zu gut 52 Prozent der insolventen KirchMedia, die derzeit auf Investorensuche ist. Trotz der Kirch-Krise stecke in der im Nebenwertesegment Mdax gelisteten Kirch-Tochter "noch viel Substanz", fügte sie hinzu. Nach einer Neuordnung des Kirch-Konzerns werde auch der Aktienkurs des Münchener Medienunternehmens wieder zulegen.

Auch ING-Analyst Pfänder rechnet auf mittlere Sicht mit einem Aufschwung der ProSiebenSat1-Aktie. Wenn die Handlungsfähigkeit bei KirchMedia wieder hergestellt sei und die Werbeeinnahmen anzögen, werde die Aktie sicherlich zulegen, sagte Pfänder. Allerdings dürfte es noch bis zum Jahresende dauern, bis KirchMedia eine neue Struktur habe und ihr Geschäft wieder voll betreiben könne, schränkte der Analyst ein.

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