Bodenbildung an den Börsen hängt vom Verlauf der amerikanischen Konjunktur ab
Hoffnung auf zügige Erholung in den USA

M. V, U oder vielleicht doch das gefürchtete L? Die Spekulationen über die Zukunft der angeschlagenen US-Wirtschaft gleichen einem Buchstabenrätsel, und von der Lösung dieses Rätsels hängt die weitere Entwicklung an den Kapitalmärkten ab. Sollten die USA wider Erwarten in eine lang andauernde Wirtschaftskrise rutschen, dann würde auch an den internationalen Aktienbörsen ein neuer Kursrutsch drohen.

HB FRANKFURT. Die einzelnen Buchstaben stehen für unterschiedliche Konjunkturszenarien. Die Anhänger der V-Hypothese, bis vor kurzem noch in der Mehrheit, hoffen, dass die amerikanische Wirtschaft nach der harten Landung und einer Wachstumspause von ein bis zwei Quartalen schnell wieder Tritt fasst und auf einen Erholungskurs einschwenkt. Doch mittlerweile wächst die Zahl der Skeptiker: Immer mehr Volkswirte rechnen mit einem U-förmigen Verlauf der US-Konjunktur. Das heißt, die Erholung wird zwar noch in diesem Jahr kommen, aber nicht vor dem Herbst. Das L-Szenario, die Wirtschaft bricht ein und bleibt - wie in Japan - am Boden, hält die große Mehrheit der Fachleute für wenig plausibel.

Dieser Meinung schließen sich auch Anlagestratege Alfred Roelli von der Deutschen Bank und DIT-Fondsmanager Johannes Day an. Allerdings befürchten beide gravierende Folgen, falls es entgegen ihrer Annahme doch zu einer längeren Rezession in den USA kommt: "Im Moment verlagert sich die Erwartung an den Märkten langsam vom V zum U", erläutert Roelli. Ein L sei bislang nicht einmal ansatzweise in den Kursen eingepreist. Day sieht das L-Szenario als eines der großen Risiken für die Börse: "Die Folgen wären deflationäre Tendenzen und damit eine harte Belastungsprobe für die Märkte mit zwei bis drei sehr schlechten Jahren für Aktien."

Flexibilät der US-Wirtschaft spricht gegen lange Krise

Bislang deutet nach Ansicht der beiden Experten aber nur sehr wenig auf diese bedrohliche Entwicklung hin. Roelli und Day beziffern die Wahrscheinlichkeit für die L-Konjunktur auf lediglich 5 bis 10 %. Gegen eine dauerhafte Krise spricht nach ihrer Meinung die Flexibilität der US-Wirtschaft. Mit den deutlichen Zinssenkungen um insgesamt zwei volle Prozentpunkte in diesem Jahr habe Notenbank-Chef Alan Greenspan bereits einen massiven Beitrag zur Stabilisierung geleistet, meint Day. Darüber hinaus könne dank der Überschüsse im Staatshaushalt - falls nötig - auch die Fiskalpolitik noch stützend eingreifen.

Deutlich skeptischer als Roelli und Day zeigt sich Anleihe-Experte Jan Holthusen von der DG Bank. Er sieht immerhin eine Wahrscheinlichkeit von "etwas mehr als 20 %" für das L-Szenario. Sorgen bereitet dem Analysten vor allem das Verhalten der amerikanischen Konsumenten. Durch die Aktienhausse der 90er Jahre hätten sich die Amerikaner so reich gefühlt, dass die Sparquote in den negativen Bereich abgerutscht sei, erläutert Holthusen und warnt:. "Sollte sich die Sparquote von Minus 1 % auf Werte von plus 1 % bis plus 2 % normalisieren, hätte das erhebliche Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt". Die Zurückhaltung der Verbraucher könne das Potenzial der US-Wirtschaft "stark begrenzen". In der Folge ist nach Meinung des DG-Analysten eine "längere Phase mit sehr schwachen Wachstumsraten" in den Vereinigten Staaten möglich.

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