Bodenbildung noch nicht in Sicht – Charttechniker sind pessimistisch gestimmt
Beim Dax und Nasdaq sind die Abwärtstrends in Takt

Eine mögliche Erholung an den Börsen sehen technisch orientierte Analysten nur als eine Konsolidierung innerhalb des ausgeprägten Bärenmarktes. Beim Dax und Nasdaq sind die Abwärtstrends intakt. Daran ändern auch kurzfristige Rallys von ein paar hundert Punkten nichts.

DÜSSELDORF. Kommt die Jahres-Anfangs- oder Winter-Rally, oder kommt sie nicht? Chartanalysten sind sich einig, dass eine mögliche Aufwärtsbewegung zunächst einmal nur eine Pause innerhalb der ausgeprägten Abwärtsbewegung ist. Diese begann im März - bei Standard- und Technologieaktien in den USA und in Europa.

Die ausgeprägteste Hausse in der Geschichte der Wachstumswerte startete an der US-Hochtechnologie-Börse Nasdaq 1990. Sie führte den Index von gut 400 auf über 5 000 Punkte. Seit März 2000 hat sich der Indexstand mehr als halbiert. Nur 1973/74 gab es einen ausgeprägteren Bärenmarkt. Der langfristige Aufwärtstrend ist beim Nasdaq-Index allerdings immer noch intakt und verläuft derzeit bei knapp 2 150 Punkten. Er ergibt sich aus der verlängerten Linie zwischen den Tiefpunkten aus den Jahren 1990 und 1998.

Indikatoren sprechen für eine Erholung

Die jüngsten Einbrüche an der Nasdaq führten zu einer dramatischen Beschleunigung des mittelfristigen Abwärtstrends. Der ohnehin schon steil nach unten verlaufende Abwärtskanal wurde nach unten durchbrochen. Die Korrektur entpuppte sich als Baisse mit einer zum Teil panikartigen Ausverkaufsstimmung.

Viele technische und zyklische Indikatoren, wie Momentum und Relative Stärke, sprechen nun für eine Erholung der amerikanischen Hochtechnologiebörse. Diese könnte den Index zumindest wieder in den breiten Abwärtskanal hinein führen. "Der Bereich um 3 000 Punkte ist erreichbar", meint Klaus Deppermann von der BHF-Bank. Allerdings bedeute eine derart kräftige Erholung noch keine Trendwende. "Erst dann lässt sich feststellen, wie überzeugend die Erholung ist", meint der Charttechniker. Faktoren wie Umsatzvolumen, Marktbreite und-technik, aber auch fundamentale Daten wie die Gewinnentwicklung der Unternehmen und der Zustand der US-amerikanischen Wirtschaft spielen hierfür eine wichtige Rolle.

Bodenbildung dauert viele Wochen

"Die erste Woche im kommenden Jahr wird sehr entscheidend", glaubt Deppermann. Sollte der Markt erneut einbrechen, wäre dies ein Signal zur Zurückhaltung für all jene Anleger, die über genügend Liquidität verfügen. Viele Investoren erhöhten in den letzten Dezemberwochen ihren Barbestand, weil sie sich aus steuerlichen Gründen von "Verliereraktien" trennten. Bei Fonds kommt der kosmetische Aspekt hinzu: Niemand möchte sich gern mit Aktien schmücken, die in dem ohnehin enttäuschenden Jahr 2000 zu den Top-Verlierern gehören. Dadurch wurde bei vielen Technologiewerten der Abwärtstrend verstärkt.

"Seit zehn Jahren läuft der Markt nach oben. Das Korrigieren der Hausse dauert jetzt länger als es sich die Anleger wünschen. Jede künftige Rally ist zunächst nur eine Rally innerhalb der intakten Abwärtsbewegung", löscht Achim Matzke von der Commerzbank jeden Funken Euphorie.

Eine mögliche Zwischenerholung - Bärenrally - kann sogar mehrere Monate dauern, ehe die Kurse plötzlich wieder nach unten gehen und damit den Abwärtstrend bestätigen. Ein Beispiel hierfür sind die Frühlings- und Sommermonate in diesem Jahr. Nach der Korrektur seit März erholten sich die Kurse von Mai bis September, ehe der Nasdaq-Index jäh abstürzte und am 21. Dezember den (vorläufigen) Tiefpunkt erreichte.

Matzke rät dem Anleger zur Geduld. Denn nach der ausgeprägten und sehr dynamisch verlaufenden Baisse müsse der negative Trend erst umgekehrt werden. "So weit sind wir aber noch nicht. Das dauert Wochen. Jetzt gibt es nur eine Stabilisierungschance, indem der Abwärtstrend zur Seite hin verlassen wird. Danach muss sich ein Boden bilden. Eine Bodenformation liegt aber noch nicht vor", warnt Matzke die Anleger vor einem zu frühen Einstieg. Charttechnisch gesehen ist eine Bodenbildung die erste und wichtigste Voraussetzung für eine Trendumkehr in Richtung Aufwärtsbewegung.

Weniger dynamisch, allerdings ebenfalls abwärts bewegt sich der Deutsche Aktienindex (Dax). Das Hoch lag im März bei 8 136 Punkten. Inzwischen hat der Index um fast 25 % korrigiert. Die nächsten Unterstützungslinien machen Charttechniker bei 6 100, 6 000 (psychologische Marke) und dann erst wieder bei 5 570 Punkten aus. In diesem Bereich würde der Dax an die langfristige Aufwärtslinie stoßen.

Auch bei den Standardaktien mahnt die Analystenzunft zur Geduld. Solange jeder Tiefpunkt den vorangegangenen unterschreitet, behalten die Bären gegenüber den Bullen die Oberhand. Charttechnisch gesprochen: Der Abwärtstrend ist intakt. Anleger dürfen nach Meinung der technisch orientierten Strategen auf Grund der überverkauften Situation lediglich auf Zwischenerholungen setzen. Eine nachhaltige Trendumkehr ist aber nicht in Sicht.

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