Bodenradar seit einem Jahr defekt
Mailänder Flughafen mit schweren Sicherheitsmängeln

Nach dem schweren Unfall auf dem Mailänder Flughafen Linate mit 118 Todesopfern hat die italienische Pilotenvereinigung Anpac schwere Vorwürfe gegen die Flughafenbetreiber erhoben. Die Praxis, dass Privatflugzeuge die Startbahnen der großen Maschinen kreuzen dürften, habe die Kollision erst möglich gemacht, sagte der Anpac-Vorsitzende Menico Snider am Dienstag.

afp MAILAND. Das Fehlen eines Bodenradars habe die Verkettung unglückseliger Umstände, die zu dem Unfall führten, begünstigt. Eine startbereite Maschine der skandinavischen Linie SAS war mit einer deutschen Cessna zusammengestoßen und in eine Gepäckabfertigungshalle gerast, wo ein Feuer ausbrach. Keiner der Flugzeug-Insassen überlebte; zudem wurden vier Arbeiter in der Halle getötet.

Offiziell lautet die Ursache des Unfalls "menschliches Versagen": Der deutsche Pilot der Cessna habe die falsche Verbindungspiste zum Teil des Flughafens gewählt, wo die privaten Kleinflugzeuge starten, teilte die Mailänder Staatsanwaltschaft mit. Dies habe die Auswertung des Funkverkehrs mit dem Tower ergeben. Zum Zeitpunkt des Unfalls am frühen Morgen herrschte dichter Nebel. Der Pilot habe geglaubt, er sei auf der richtigen Piste. Weitere Ermittlungen müssten zeigen, ob der Cessna-Pilot den Zusammenprall mit der SAS-Maschine nicht noch hätte verhindern können, sagte Staatsanwalt Gerardo D'Ambrosio.

Auf dem Gebiet der Sicherheit weise der Flughafen Linate "gewisse Mängel" auf, fügte D'Ambrosio hinzu. "Es ist unglaublich, dass so etwas in Mailand passieren konnte." Anpac-Vorsitzender Snider sagte, die Pilotenvereinigung habe in den vergangenen Jahren "jede Menge Papiere" eingereicht und eine Parallel-Piste für Kleinflugzeuge in Linate gefordert. Es habe bereits mindestens einen - allerdings glimpflich verlaufenen - Unfall gegeben, weil kleine Maschinen die Startbahn kreuzen dürften.

Ein Bodenradar für die Navigation bei eingeschränkter Sicht ist auf italienischen Flughäfen nicht vorgeschrieben. In Mailand-Linate war er seit November 1999 außer Betrieb und sollte durch ein neues System ersetzt werden. Der Direktor des Flughafens, Vincenzo Fusco, bezeichnete den Radar als "nützlich", aber nicht unbedingt nötig. Auch SAS-Chef Jørgen Lindegaard sagte, der fehlende Bodenradar sei nicht schuld an der Katastrophe. Die SAS fliege viele Flughäfen ohne diese Ausstattung an. "Wir haben keinen Grund zu glauben, dass Linate nicht sicher ist", betonte er.

"Unabhängig von der Ursache des Unfalls" würden die Angehörigen jedes Opfers 25 000 Dollar (rund 54 000 Mark/27 000 Euro) von der SAS erhalten, kündigte Lindegaard an. Er sowie 72 Ärzte, Psychologen und weitere Helfer hatten die Angehörigen der skandinavischen Opfer nach Mailand begleitet.

Aus den Trümmern der beiden Flugzeuge und der Gepäckabfertigungshalle bargen die Rettungskräfte zunächst 106 Leichen. Viele Opfer waren verkohlt, so dass bis zum Mittag erst 33 identifiziert werden konnten.

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