Böge verteidigt Übernahmeverbot – Eon hat Veto aus Bonn offenbar erwartet
Kartellamt um deutschen Gasmarkt besorgt

Das Kartellamt macht Eon einen Strich durch die Rechnung: Die Übernahme von Ruhrgas führt nach Ansicht der Bundesbehörde zur marktbeherrschenden Stellung bei Gas und Strom. Nun setzt Eon auf die Ministererlaubnis, sonst müsste die Neuordnung des Energiemarktes erneut aufgerollt werden.

ews/jsn BONN. Das Bundeskartellamt hat Eon den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am Ruhrgas Gelsenberg AG-Gesellschafter untersagt. Damit verbot die Behörde den ersten Akt der Übernahme der Ruhrgas durch den zweitgrößten deutschen Stromversorger. Ulf Böge, Präsident der Wettbewerbsbehörde, kritisierte in Bonn, die Beteiligten seien "vergleichsweise wenig ausgeprägt" bemüht gewesen, die Freigabe des Zusammenschlusses mit Auflagen zu erreichen. Eon wollte sich nur von Anteilen an Bayerngas, der Gasag und VNG trennen. Allerdings wäre dann die Ruhrgas weiterhin an diesen Unternehmen beteiligt.

"Die Verbindung von Eon und Ruhrgas in einer Phase beginnender Liberalisierung auf den Gasmärkten würde die marktbeherrschende Stellung der Ruhrgas zementieren", sagte Böge. Er skizzierte die Position von Europas größten privaten Gashändler: Auf dem gesamten deutschen Ferngasmarkt hat Ruhrgas einen Anteil von 58 %. Mit den wichtigsten Erdgasförderern im In- und Ausland bestehen langfristige Verträge. Zudem hält Ruhrgas am weltgrößten Förderer, der russischen Gazprom, eine Beteiligung von 5 %. Hinzu kommen wichtige nationale Einflüsse bei der ostdeutschen Ferngasgesellschaft VNG und mehrheitlich an der Ferngas Bayern.

Eon ist wiederum eines der beiden mit Abstand führenden deutschen Stromunternehmen. Zusammen mit RWE habe es marktbeherrschende Stellungen auf dem Strommarkt, stellte Böge fest. Im Gas sei Eon in der Regionalverteilung und bei Endkunden teilweise marktbeherrschend. Da Erdgas auch die wichtigste Wachstumsenergie im Strommarkt sei, komme der Beteiligung von Eon an Ruhrgas eine überragende strategische Bedeutung zu. Unabhängige Kraftwerksbetreiber könnten benachteiligt werden.

Böge weist Eon-Kritik zurück

Für Böge steht fest, dass Wettbewerbern der Marktzutritt erschwert würde. Das Eon-Argument, das Amt habe fälschlicherweise nur regionale Märkte geprüft, weist der ansonsten diplomatische Amtschef harsch zurück. "Erstens geht der Vorwurf an der Sache völlig vorbei, und zweitens ist er falsch." Wenn die Eon-These einer nur regionalen Betrachtung stimmen würde, wären die Fusionen von Veba und Viag zu Eon sowie RWE und VEW nicht genehmigt worden. Im Übrigen könne auch die Aussage von Eon "40 Mrd. Euro in der Kriegskasse" als Indiz für die herausragende Finanzkraft und damit als potenzielles Marktbeherrschungselement interpretiert werden, so Böge.

An dem Fall sei die EU-Wettbewerbsbehörde nicht beteiligt gewesen, er war nur in Bonn angemeldet. Branchenbeobachter werten dies als Indiz, dass der Düsseldorfer Konzern mit einer Ablehnung rechnete. Denn nach einer negativen Entscheidung in Brüssel wäre keine Ministererlaubnis, für die das Gesetz eine Frist von vier Monaten setzt, möglich gewesen. Dann wäre nur der langwierige Gang durch die Rechtsinstanzen übrig geblieben.

Verweigerung der Ministererlaubnis hätte weitreichende Auswirkungen

Die Übernahme der Ruhrgas-Anteile durch Eon aus dem Besitz des BP-Konzerns ist Teil der Neuordnung auf dem deutschen Energiemarkt. Nur wenn das Ruhrgas-Geschäft gelingt, hat auch der Umbau des deutschen Mineralölgeschäfts Bestand. Den Zusammenschluss von RWE-Dea und Shell sowie die Übernahme der Eon-Tochter Veba Oel/Aral durch BP hatte das Kartellamt vor Weihnachten nur unter strengen Auflagen genehmigt.

Welche Auswirkungen auf dem Ölmarkt entstünden, sollte es keine Ministererlaubnis für die Ruhrgas-Übernahme geben, dazu wollte sich Böge nicht äußern. Aus unternehmensnahen Kreisen der Eon hieß es, eine Rückabwicklung des Deals - Tausch des Ruhrgas-Pakets der BP gegen Aral/Veba Oel - sei höchst unwahrscheinlich. Auch ein RWE-Sprecher erklärte, das bleibe ein theoretischer Fall. Sollte der BP-Eon-Deal aber tatsächlich hinfällig werden, dann müssten selbstverständlich die Auflagen des Kartellamts für die Ölfusionen abgeschwächt werden. Die gleiche Forderung erhob die Shell. Denn dann würde die Konzentration auf dem Mineralölmarkt geringer ausfallen, als das Kartellamt unterstellt hatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%