Boeing kann ruhig abwarten
Dornier-Absturz ist Hiobsbotschaft für Stoiber

Der traditionsreiche Flugzeugbauer Fairchild Dornier ist abgestürzt. Die weltweite Luftfahrtkrise nach den Terroranschlägen in den USA, der kurze Atem der Finanzinvestoren als Eigentümer und die teure Entwicklung der neuen Jetfamilie 728 brachten das Unternehmen ins Trudeln. Am Dienstag stellte das deutsch-amerikanische Unternehmen Insolvenzantrag. Die Finanzkrise des Unternehmens mit Sitz im bayerischen Oberpfaffenhofen ist ein schwerer Schlag für die deutsche Luftfahrtindustrie. Zudem ist die drohende Pleite eine weitere Hiobsbotschaft für die bayerische Staatsregierung, die dem Unternehmen schon früher unter die Arme gegriffen hatte.

dpa OBERPFAFFENHOFEN. Der vorläufige Insolvenzverwalter Eberhard Braun bringt Erfahrung mit. Beim bayerischen Porzellanhersteller Winterling war der badische Anwalt ebenso tätig wie bei Flowtex. "Das Unternehmen wird uneingeschränkt fortgeführt", versprach er an seinem ersten Arbeitstag bei Dornier. Und auch Geschäftsführer Thomas Brandt sagte, er sei "aufrechten Mutes". Ohne Partner allerdings wird der letzte deutsche Hersteller von Zivilflugzeugen nicht überleben.

Die Dornier-Finanznot trifft erneut das Hightech-Musterland Bayern. Während die Dornier-Führungsspitze den Insolvenzantrag begründete, versuchten in München Gläubigerbanken und Gesellschafter, eine Insolvenz des Kerngeschäfts der Kirch-Gruppe zu verhindern. Die bayerische Staatsregierung hatte Dornier immer wieder unter die Arme gegriffen. Als vor zwei Jahren der US-Finanzinvestor Clayton, Dubilier & Rice und eine Allianz-Tochter das deutsch-amerikanische Unternehmen kauften, war Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) in den schwierigen Gesprächen mit der Familie Dornier, den alten und den neuen Eigentümern sowie den Banken Verhandlungsführer. Zudem übernahm das Land Bayern eine Bürgschaft für 80 Millionen Dollar. Auch am Dienstag ergriff die Staatsregierung schnell die Initiative und kündigte an, bei der geplanten Rettung eine aktive Rolle zu spielen. Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) dürfte eine Pleite des Unternehmens höchst ungelegen kommen.

Auch die halbstaatliche Bayerische Landesbank spielt bei Dornier, wie auch bei Kirch, eine Schlüsselrolle. Die BayernLB gewährte dem Unternehmen einen dreistelligen Millionenkredit. Zudem sitzen die HypoVereinsbank und die staatliche Förderbank KfW mit im Boot. Insgesamt versprachen sie bei der Übernahme frische Kredite über 740 Millionen Dollar, nur knapp die Hälfte ist durch die Bürgschaften von Bund und Land besichert. Auch die Allianz müsse ihr Engagement von geschätzten 100 Millionen Dollar wohl abschreiben, hieß es in Finanzkreisen.

Dornier hat in seiner wechselhaften Geschichte bisher noch jeden Sturm überlebt. Auch diesmal steht das Aus noch nicht fest. Der neue Regionaljet 728 ist weit entwickelt, zudem gelten Regionalflugzeuge als Wachstumsmarkt. Boeing könnte durch einen Einstieg bei Dornier seine Modellpalette nach unten abrunden. "Boeing kann ruhig abwarten und sich im Insolvenzverfahren bei Wunsch billig bedienen", hieß es in Finanzkreisen. Die Zeit drängt nur für Fairchild.

Dornier hat ein Stück deutscher Industriegeschichte geschrieben. Pionier Claude Dornier hatte das Unternehmen im Jahr 1914 gegründet. 1985 übernahm Daimler das Ruder. Nach horrenden Verlusten gab die Daimler-Benz-Tochter Dasa 1996 das Unternehmen an Fairchild ab. Schon wegen dieser schlechten Erfahrungen dürfte die EADS mit ihrer Tochter Airbus trotz enger geschäftlicher Bande als Retter von Dornier kaum in Frage kommen. Jürgen Schrempp werde kaum eingestehen, damals mit dem Einstieg einen Fehler gemacht zu haben, hieß es in Branchenkreisen.

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