Boeing rede den Markt für Großraumflugzeuge klein
EADS bleibt zuversichtlich für Airbus A 3XX

"Wir erwarten einen Markt von 1550 Flugzeugen über zwei Jahrzehnte, und davon wollen wir die Hälfte haben", sagte Co-Vorstandschef Rainer Hertrich am Donnerstagabend in Stuttgart. Der A 3XX werde für den Hersteller Airbus, an dem EADS mit 80 Prozent beteiligt ist, ein sehr profitables Geschäft sein. Mit der Zusammenführung der im Juli gestarteten EADS zeigte er sich zufrieden. Die europäischen Staaten forderte er auf, ebenfalls so stark zusammenzurücken wie es die Industrie schon getan habe.

rtr STUTTGART. Die Airbus-Partner - EADS und die britische BAe Systems Plc - hatten im Sommer den prinzipiellen Startschuss für das 3XX-Projekt gegeben und nehmen seitdem Bestellungen an. Zuletzt hatte die Investmentbank Credit Suisse First Boston aber die Einschätzung geäußert, EADS schätze den Markt für das Flugzeug mit 555 Sitzen zu optimistisch ein.

Hertrich sagte vor dem Wirtschaftspresse-Club Stuttgart, offenbar versuche der Konkurrent Boeing, den Markt kleinzureden, um sein bislang mit der 747 "Jumbo Jet" bestehendes Monopol bei Großflugzeugen zu retten. Der Markt reagiere sehr positiv auf den 3XX, dessen Entwicklung umgerechnet 24 Milliarden Mark kosten soll. Hertrich verwies darauf, dass zuletzt mit Singapore Airlines die wohl renommierteste Fluggesellschaft der Welt zehn Maschinen des Typs bestellt habe. "Das war ein ganz wichtiger Kunde", sagte Hertrich. Bislang habe Airbus 32 Bestellungen für den 3XX und verhandele mit einer ganzen Reihe von weiteren Gesellschaften darüber. Wahrscheinlich werde die australische Quantas die nächsten Kaufverträge unterzeichnen. Airbus wird voraussichtlich zum Jahreswechsel endgültig über die Produktion des 3XX entscheiden, sofern bis dahin 50 Bestellungen vorliegen. Dass das Projekt noch gekippt werden könnte, hält Hertrich für unmöglich. "Das halte ich für ausgeschlossen", sagte er.

Aussichten auf steigende Renditen sollen Aktienkurs beflügeln

Bis 2002 will die EADS, die im Sommer aus der Fusion der DaimlerChrysler-Tochter Dasa, der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen Casa entstanden ist, ihren Umsatz auf 25 (1999: 22,5) Milliarden Euro zu steigern. Danach dürfte das Wachstum wegen neuer Produkte noch zunehmen, sagte Hertrich. Zusammen mit den Aussichten auf steigende Renditen dürfte dies auch den Aktienkurs fördern. Die EADS-Aktie war im Juli für 19 Euro an die Börsen gekommen. Am Freitag wurde die Aktie für gut 20 Euro gehandelt.

Hertrich kündigte an, die EADS werde sich weiter an der Konsolidierung der Luft- und Raumfahrtbranche beteiligen. Mit der italienischen Finmeccanica gebe es Gespräche über Kampfflugzeuge, Raketen und Raumfahrt. Mit dem brasilianischen Flugzeughersteller Embraer werde über eine Kooperation bei Regionalflugzeugen verhandelt. Gleichzeitig wolle EADS seine Fühler nach USA und Asien ausstrecken. "Ein großer Teil der Baustellen wird nächstes Jahr nicht mehr existieren", sagte er. Mit den Fortschritten bei der Integration der EADS zeigte sich Hertrich zufrieden. "Wir sind sehr weit gekommen", sagte er. Es liefen 400 Projekte, die Einsparungen bringen sollten.

Hertrich kritisierte, die Industrie sei bei ihrer europäischen Integration viel weiter als die Politik. Er verwies etwa darauf, dass bei Firmenteilen, die eigentlich zusammengehörten, in jedem Staat Landesgesellschaften gegründet werden müssten. "Wir brauchen eine politische Initiative, die mit dazu beiträgt, dass die Rahmenbedingungen für solche europäische Unternehmen (wie die EADS) besser werden."

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