Bölts glaubt an saubere Kollegen
Renaissance der schwarzen Schafe

Frigo, Virenque, Botero. Prominente Radfahrer, die bisher durch positive Doping-Befunde von sich reden machten, nutzen die diesjährige Tour zur Resozialisierung.

HB CLUSES. Dario Frigo in Cluses, Richard Virenque auf dem Mont Ventoux, Santiago Botero in Lorient und Les Deux Alpes: Die Prominenz mit Doping-Vergangenheit nutzt die 89. Tour de France mit Etappensiegen zur Resozialisierung. Ob diese Erfolgs-Bilanz auf der wichtigsten Bühne des Radsports nach dem Skandal von 1998 als Wiedergutmachung reicht, bleibt zweifelhaft. Mindestens ein Zehntel der 189 vor knapp drei Wochen in Luxemburg an den Tour-Start gegangenen Fahrer gilt als einschlägig belastet. "99 Prozent der Fahrer sind sauber." Diese aktuelle Rechnung machte UCI-Präsident Hein Verbruggen auf. Dem niederländischen Juristen und Multi-Funktionär kann man wohl im Gegensatz zu Udo Bölts nicht den Vorwurf der Naivität machen. Der Telekom-Routinier hatte zum Tour-Start gesagt: "Ich habe nicht das Gefühl, gegen gedopte Fahrer zu fahren - die Kontrollen sind inzwischen zu streng."

Doch die Liste der Sünder ist lang. Neben den genannten Etappensiegern sind auch Ex-Weltmeister Laurent Brochard (Frankreich/Festina-Skandal), der zweifache Giro-Gewinner Ivan Gotti (Italien), die inzwischen ausgestiegenen Christophe Moreau (Frankreich) und Laurent Dufaux (Schweiz/beide Festina-Skandal), der Belgier Ludo Dierckxsens (Tour-Ausschluss 1999), Armstrong-Helfer Benoit Joachim (Luxemburg) sowie der Italiener Gianluca Bortolami vorbestraft. Dessen Landsmann Frigo war einer der Hauptakteure der Giro-Affäre 2001. Erst gestand der Sieger der letzten Alpen-Etappe von Cluses Doping, dann widerrief er, dann stellte sich bei ihm gefundenes Belastungs-Material zum Teil als plumpe Fälschung heraus. Eine Spritze enthielt eine harmlose Salzlösung statt das hoch gefährliche Blut-Doping-Präparat Hemasist. Frigos Doping-Sperre lief im Frühjahr aus. Virenques Vergangenheit als langjähriger Leugner und reuiger Geständiger ist fast Legende.

Botero war 1999 mit einem zu hohen Testosteron-Wert aufgefallen, was den Schluss auf Anabolika-Gebrauch nach sich zog. Anschließend konnte der Kolumbianer allerdings in einem klinischen Test beweisen, dass sein hoher Wert genetisch bedingt ist. Seine Leistungsexplosion bei der Tour vollzog sich nach einer Saison-Vorbereitung mit lediglich 16 Renntagen. Etwas fragwürdig war auch der Umgang mit dem Fall Igor Gonzalez de Galdeano, der bei der laufenden Tour sieben Tage das Gelbe Trikot getragen hatte. Der Spanier war bei mehreren Tests positiv auf das Kortekoid Salbutamol kontrolliert worden, das 2001 beim Giro auch bei Jan Ullrich moniert worden war. Galdeano wurde aber nicht belangt, weil in seinem Gesundheitspass das Asthma-Mittel sanktioniert wurde. Die Internationale Anti-Doping-Agentur WADA bezeichnete ihn dagegen als "positiv getestet". Die Tour-Organisatoren sind aber an das Reglement der UCI gebunden, und die stufte den Galdeano-Test als negativ ein.

Bisher wurden bei der Tour 369 Blut-Kontrollen vorgenommen, die alle keine Auffälligkeiten zeigten. Die Zahl der EPO-Tests der gesamten Tour wurden auf 90 im Vergleich zu 72 im Vorjahr erhöht. Damit ist die Kapazitätsgrenze des Labors Chatenay-Malabry bei Paris erreicht, in dem nach der kombinierten Urin- und Blut-Analyse EPO nachgewiesen werden kann. Außerdem werden bei den Fahrern täglich sechs bis zehn Urinproben nach Etappenende genommen. Im Vorjahr gab es mit dem inzwischen für drei Jahre gesperrten Spanier Telxa del Olmo bei der Tour nur einen offen gelegten Doping- Fall. In diesem Jahr noch keinen - nach der in diesem Fall maßgeblichen Version der UCI.

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