Börse AG weiter auf Suche nach Übernahmekandidaten

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Börse AG weiter auf Suche nach Übernahmekandidaten

Die Deutsche Börse AG(DBAG) ist auch nach der bevorstehenden vollständigen Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream weiter auf der Suche nach Übernahmekandidaten.

Reuters FRANKFURT. "Wir sind weiter auf der Jagd", sagte Börsen-Chef Werner Seifert am Freitag in einer Telefonkonferenz. Dies schließe andere Börsen ein. Zuvor hatte die Börse mitgeteilt, eine Einigung mit der Führung der Clearstream-Eigentümervereinigung Cedel erzielt zu haben. Bis zum 28. Februar werde ein entsprechendes Kaufangebot vorlegt. Derzeit besitzen Cedel und die Deutsche Börse je 50 % an Clearstream.

Die neue Unternehmens-Struktur der Deutschen Börse werde für alle Marktteilnehmer offen sein, sagte Börsenfinanzvorstand Matthias Hlubek. Er trat damit Kritik aus Bankenkreisen entgegen, die Prozesse in dem neuen Unternehmen, das Handel, Abwicklung, und Wertpapieraufbewahrung vereinen wird, werde ein geschlossenes System bilden. Zuvor hatte die Schweizer Investmentbank UBS angekündigt, Teile ihres Geschäftes mit Clearstream auf den Konkurrenten Euroclear zu übertragen. UBS und das Investmenthaus JP Morgan kritisieren, dass die Wertpapierabwicklung bei Clearstream durch die Übernahme ganz unter die Kontrolle einer Börse gerät. Seifert sagte, JP Morgan werde nicht - wie zuvor angekündigt - sein gesamtes Geschäft abziehen und mit UBS werde die Börse weitere Gespräche führen.

Er verwies darauf, das andere wichtige Kunden wie Barclays, Citigroup und ING die Entwicklung unterstützten. Außerdem habe ein Finanzinstitut Interesse angemeldet, zu Clearstream wechseln zu wollen. Einige auf Verwahrung von Aktien spezialisierte Unternehmen hätten zudem wegen der Bildung von Gemeinschaftsunternehmen nachgefragt.

Elektronische Vernetzung

Heiko Frantzen, Analyst bei Sal. Oppenheim, hält die Diskussion, ob die Abwicklungsgesellschaften bei der Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft unabhängig von den Börsen bleiben oder nicht, für überholt. Durch die elektronische Vernetzung der Systeme werde das in Zukunft kaum mehr eine Rolle spielen, sagte Frantzen. Er rechne damit, dass es in einigen Jahren nur noch drei Abwickler geben werde.

Clearstream war vor rund zwei Jahren aus der Fusion der Wertpapierabwicklungsgesellschaft der DBAG Deutsche Börse Clearing und der Luxemburger Cedel International entstanden.

Die Offerte der Börse für Clearstream sieht den Angaben zufolge eine Bewertung des Unternehmens mit insgesamt 3,2 Mrd. Euro vor. Bei Vorlage des Angebots werde es auch eine formelle Empfehlung der Cedel-Führung an die Aktionäre geben, hieß es. Mit dem Angebot werde die Börse rund das Zwanzigfache des für 2002 erwarteten Jahresüberschusses von Clearstream vor Synergien und Restrukturierungsaufwendungen bieten. Die Synergien durch die Fusion bezifferte die Börse für die nächsten zwei Jahre auf 150 bis 180 Mill. Euro. Der operative Gewinn von Clearstream für 2001 wurde mit voraussichtlich 166 Mill. Euro angegeben. Neben den Synergieeffekten stehe der Börse nun statt der Dividende der Cash-Flow von Clearstream zur Verfügung. Im Jahr 2000 seien 23,5 Mill. Euro an Dividende ausgeschüttet worden, der Cash-Flow habe 115 Mill. Euro betragen.



Die Einigung bedarf den Angaben zufolge noch der Zustimmung von zwei Dritteln der Cedel-Aktionäre und der Wettbewerbsbehörden. Von letzteren erwartet die Börse nach Seiferts Worten keine Intervention.

Die Cedel-Aktionäre würden aus der Transaktion 1,6 Mrd. Euro erlösen, teilte die Börse mit. Jeder der Aktionäre könne zwischen einer Barzahlung oder Aktien der Deutschen Börse wählen. Für den Baranteil der Gesamtsumme stünden bis zu eine Milliarde Euro zur Verfügung. Dies entspricht ungefähr dem Erlös der Deutschen Börse aus ihrem Börsengang vor einem Jahr. Den möglicherweise über eine Milliarde hinausgehenden Baranteil an der Gesamtsumme will die Börse den Angaben zufolge fremdfinanzieren. Aus dem Cedel-Umfeld hieß es, es sei damit zu rechnen, dass die meisten Anteilseigner Barmittel bevorzugen würden.

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