Börse bewertet hohen Kaufpreis für britischen Strom- und Gasversorger skeptisch
RWE zahlt für Innogy acht Milliarden Euro

Der Energiekonzern RWE AG will mit dem Kauf des britischen Strom- und Gasversorgers Innogy in den kommenden Jahren seine Kundenzahl auf der Insel auf rund 25 Millionen Abnehmer verdoppeln. Doch die Börse reagiert verschnupft. Der gebotene Preis von mehr als acht Milliarden Euro gilt als zu hoch.

and LONDON. Die RWE AG bietet für die Innogy Holding Plc. 275 Pence pro Aktie. Dies entspricht einem Kaufpreis von 5 Mrd. Euro. Unter Einbeziehung der übernommenen Schulden bezahlt RWE sogar 8,2 Mrd. Euro. RWE-Chef Dietmar Kuhnt rechtfertigte gegenüber dieser Zeitung den Kaufpreis. Dieser sei "konservativ vorsichtig" berechnet worden.

Die Börse sieht das anders, die RWE-Aktie verlor zum Wochenausklang leicht. Die Ratingagentur Moody's stufte die langfristige Bonität des Konzerns zurück. Die Analysten der WestLB haben am Freitag die RWE-Aktien auf "Neutral" von "Outperform" heruntergestuft. Das Kursziel werde um zwei Euro auf 48 Euro gesenkt, teilte die WestLB weiter mit.

Die Übernahme von Innogy soll laut Kuhnt bereits im Juli abgeschlossen sein. Kuhnt sagte dem Handelsblatt weiter, dass er davon ausgehe, dass Innogy spätestens in einem Jahr vollständig im Konzern integriert sei.

Innogy könne die Kundenzahl in Großbritannien von 6,8 Millionen "ohne kartellrechtliche Probleme" auf mehr als zehn Millionen Kunden ausbauen, sagte RWE-Vorstand Richard Klein dem Handelsblatt in London. Für die Expansion sollen vor allem die Wasserkunden der RWE-Tochter Thames Water im Großraum London mit lukrativen Angeboten gewonnen werden. Die Deutschen hatten Thames Water mit 13 Millionen Kunden im vergangenen November für 11,2 Mrd. Euro gekauft.

Kuhnt schließt weitere kleinere Zukäufe nicht aus, "wenn dies zu unserem Kerngeschäft passt." An dem größten britischen Gasversorger Centrica habe RWE jedoch kein Interesse, betonte Kuhnt. "Wir brauchen jetzt vor allem erst mal eine Phase der Integration", dämpfte er weitere Übernahmephantasien.

Starke Position in Großbritannien

Der deutsche Konzern schafft sich mit Innogy eine starke Position in Großbritannien. England gilt als Schlüsselmarkt in Europa und als Vorreiter für andere Märkte, da die Versorgerbranche schon sehr stark liberalisiert worden ist. Die Branche ist bereits überwiegend in der Hand ausländischer Konzerne und RWE-Konkurrent Eon will beispielsweise gerade den britischen Versorger Powergen übernehmen.

Vor allem Erfahrungen bei der Kundenbindung und-betreuung in England seien von großem Vorteil bei dieser Akquisition, sagte Kuhnt. Versorger wie Centrica, Innogy und Powergen bieten zu Strom und Gas auch Telefon auf einer Gesamtrechnung an. RWE wird ebenfalls künftig in Großbritannien Wasser, Strom, Gas und (über Innogy) auch Telekomverbindungen aus einer Hand bieten.

Der Konzern will dieses Geschäftsmodell ("Eine Rechnung, ein Ansprechpartner") später auch in Deutschland etablieren. Konzernchef Kuhnt: "Ich bin sicher, im Laufe der Zeit werden die Vorteile davon auch in Deutschland gesehen."

RWE will in Großbritannien neben den Abrechnungssystemen auch die Call-Center von Thames Water und Innogy zusammenlegen. Es soll aber nicht zu einem Stellenabbau kommen, heißt es. Innogy hat seine Mitarbeiterzahl seit der Abspaltung von National Power im Oktober 2000 bereits von 5 000 auf 3 000 Beschäftigte reduziert.

RWE hatte zu Jahresbeginn auch den schottischen Gasproduzenten Highland Energy übernommen. Analysten in London schätzen die Synergien für RWE in England auf rund 40 bis 80 Mill Euro im Jahr.

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