Börse feiert Boss für stabile Dividende: Analyst: Entlassene Banker kaufen keine Anzüge

Börse feiert Boss für stabile Dividende
Analyst: Entlassene Banker kaufen keine Anzüge

Der schwäbische Herrenmode-Konzern Hugo Boss hat im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang von rund 30 Prozent verzeichnet, seine nach unten geschraubte Ergebnisprognose aber übertroffen.

Reuters METZINGEN. Für 2003 geht der Herrenausstatter auch ohne ein deutliches Umsatzwachstum von einem Gewinnzuwachs von mindestens zehn Prozent aus. Die Aktionäre sollen trotz des Gewinnrückgangs die gleiche Dividende erhalten wie ein Jahr zuvor. Auf die mehrheitlich im Besitz des italienischen Strickwarenkonzerns Marzotto befindlichen Stammaktien sollen 0,75 Euro, auf die Vorzugsaktien je 0,76 Euro bezahlt werden. "Damit wollten wir ein deutliches Signal geben, wie wir die künftige Entwicklung einschätzen", erklärte Finanzvorstand Jörg-Viggo Müller am Donnerstag.

Bei Analysten und an der Börse kam die Botschaft an. "Die Dividende ist ein starkes Signal. Sie zeigt die Zuversicht bei Boss", sagte Analyst Jörg Philipp Frey von Sal. Oppenheim. Die Aktie legte zeitweise um acht Prozent auf rund 10,50 Euro zu. Der Jahresüberschuss sei 2002 auf 74,7 (Vorjahr: 107,7) Millionen Euro gesunken, teilte Boss in Metzingen mit. Im Juli hatte Vorstandschef Bruno Sälzer seine Erwartungen auf 70 Millionen Euro gesenkt, nachdem in den USA nachträglich Vorräte abgeschrieben werden mussten und die Damenmode-Sparte weiter in den roten Zahlen steckt. Das sei aber immer noch das drittbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte, hieß es bei Boss.

Der Konzernumsatz verfehlte mit 1,093 Milliarden Euro das Vorjahresniveau von 1,095 Milliarden nur um Haaresbreite. Ohne Währungsschwankungen wäre der Umsatz um 1,3 Prozent gestiegen, ergänzte Boss. Für das laufende Jahr rechnet Müller nur mit einem Umsatzzuwachs von ein bis zwei Prozent. Das Ergebnis soll dennoch mit zweistelligen Wachstumsraten steigen. In diesem Tempo soll es bis 2005 weitergehen. Dann werde Hugo Boss mehr als 100 Millionen Euro verdienen.

Die vor zwei Jahren ins Leben gerufene Damenmode-Marke Boss Woman hat den Konzern auch im vergangenen Jahr belastet. Bei einem Umsatzrückgang um 24 Prozent auf 37 Millionen Euro schlug Müller zufolge ein Verlust von 18 Millionen Euro zu Buche. Als weitere Gründe für den Gewinnrückgang nannte Boss eine geringere Rohertragsmarge, mehr Risikovorsorge für Kundenforderungen, die nachträglichen Abschreibungen auf Lagerbestände in den USA und mehr Investitionen in den Vertrieb. Gleichzeitig habe Boss sein Warenmanagement verbessert und damit einen positiven Free Cash Flow von 61 Millionen Euro generiert.

In Deutschland ging der Umsatz von Boss 2002 um zehn Prozent zurück. Der Herrenausstatter leide auch darunter, dass während der Konjunkturflaute auch Angestellte in den Büros entlassen würden, erklärte Analyst Frey. "Auf den Straßen sieht man viele Banker, die keine Anzüge mehr tragen, schilderte er die eigenen Eindrücke." In den USA setzte Boss zwölf Prozent weniger um, währungsbereinigt belief sich das Minus auf sieben Prozent. Einen Zeitungsbericht, wonach Boss sein Ladengeschäft auf der Fifth Avenue in New York schließen wolle, wies Müller zurück. Davon wisse er nichts.

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