Börse künftig nicht mehr selbst für Regulierung zuständig
Hongkong verschärft Regeln für Börsengänge

Mit einer klareren Trennung von Börse und Börsenregulierer will Hongkongs Regierung die Qualität notierter Unternehmen anheben und den Status der Stadt als internationales Finanzzentrum verbessern.

olm HONGKONG. In der chinesischen Sonderverwaltungszone soll in Zukunft die Finanzaufsichtsbehörde SFC Unternehmen die Erlaubnis zum Gang aufs Parkett erteilen. Diese Aufgabe hatte bisher die selbst auf dem Kurszettel notierte Börse Hongkong Exchanges & Clearing (HKEx).

Die Neuordnung soll in 18 Monaten in Kraft treten und einen Interessenskonflikt beenden, den Aktionärsschützer und Fondsmanager seit langem kritisieren: Sie sehen einen Widerspruch zwischen Anlegerschutz und dem Gewinninteresse der HKEx. Gebühren für den Gang an die Börse machten im Vorjahr 18 % des HKEx-Umsatzes aus. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Börsengänge in Hongkong um ein Drittel auf 117, während sie weltweit um 36 % zurückging. Das trug der Börse den Vorwurf ein, auf Kosten der Qualität aggressiv Kandidaten anzuwerben.

Die Reform geht auf den Vorschlag einer Expertenkommission zurück, die Mängel bei der Börsenzulassung beanstandet hatte. Als Beleg wertete die Kommission, dass 60 % der Börsenkandidaten des Vorjahres unter ihrem Ausgabekurs gehandelt wurden. Außerdem lag der durchschnittliche Ausgabekurs von Börsenneulingen 2002 bei 79 Hongkong-Cent (10 Eurocent). Damit drohe Hongkong der Ruf einer "Penny-stock Börse".

Der Finanzplatz wurde in den vergangenen Monaten von einer Reihe von Börsenskandalen geschüttelt. Neben spekulativen lokalen Nebenwerten waren davon besonders neu gelistete Privatunternehmen aus der Volksrepublik China betroffen. Diese gelten als lukrativstes Wachstumssegment für die HKEx. Mit Transparenz und moderner Unternehmensführung (Corporate Governance) steht es bei ihnen aber oft nicht zum Besten.

Zweifel an ihrem Geschick im Umgang mit der Regulierungsrolle hatte die HKEx im vergangenen Jahr auch selbst geschürt: Sie verkündete ohne Vorwarnung Pläne, Aktien vom Kurszettel zu streichen, die 30 Tage in Folge unter 50 Hongkong-Cents gehandelt werden. Der dramatische Einbruch solcher Pfennigaktien brachte Anleger innerhalb von Tagen um 10 Mrd. HK$.

Mit der Neuorganisation der IPO-Zulassung, die von höheren Zugangsvoraussetzungen und härteren Strafen für Missetäter flankiert wird, bekommt Hongkongs SFC schärfere Zähne. "Wenn sie voll umgesetzt werden, bedeuten diese Vorschläge eine große Verbesserung des Regulierungsrahmens," meint Hongkongs prominentester Aktionärsschützer, David Webb.

Vertreter der Finanzindustrie befürchten indes, schärfere Standards könnten zu einem Rückgang der Börsengänge führen. Das würde Hongkongs krisengeschüttelten Investmentbankern das Leben noch schwerer machen. Die SFC übernimmt das Personal der Zulassungsabteilung, was der Börse eine Kostenersprarnis bringt. Der Verlust des Wachstumsgeschäfts trifft die HKEx hart, denn sie leidet bereits durch den Einbruch der Handelsvolumina stark.

Zusätzlich zu den Regulierungsänderungen erhält Hongkong am 1. April ein schärferes Aktiengesetz. Es verlangt Unternehmen deutlich höhere Transparenz ab und schafft besseren Schutz für Kleinanleger und Minderheitsgesellschafter.

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