Börse legt nach kurzer Verschnaufpause wieder zu
Analysten setzen in Mexiko auf Konsum- und Bankaktien

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Februar setzt die mexikanische Börse ihren positiven Trend fort. Der IPC-Index der Bolsa de Valores (BMV) durchbrach diese Woche die psychologisch wichtige Marke von 7 000 Punkten.

MEXIKO-STADT. Der Index hat inzwischen ein Niveau erreicht, das er zuletzt zur Jahresmitte 2000 gesehen hatte. Am Mittwoch endete er bei 7 154 Punkten. Der Aufschwung sei vor allem von der Erwartung getragen, die mexikanische Wirtschaft werde sich "relativ schnell und kräftig" im Windschatten der US-Konjunktur erholen, sagt Rodolfo Navarrete vom Investmenthaus Vector.

Über 80 % der Exporte Mexikos nehmen die Vereinigten Staaten im Rahmen der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta (Kanada, USA, Mexiko) ab. 20 % des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts hängen von dem Export in die USA ab. Zudem stützen die guten makroökonomischen Rahmendaten wie die niedrige Inflation, das geringe Haushaltsdefizit, die niedrigen Zinsen und der starke Peso den Markt.

Kurzfristig rechnen die Experten allerdings mit einer Seitwärtsbewegung der Börse. Eligio Esquivel vom Anlageinstitut Balmex sieht eine Konsolidierungsphase, die den IPC auf 6 750 bis 6 900 Punkte drücken könnte. Die Anleger würden nach dem steilen Anstieg der Kurse Gewinne mitnehmen, sagt Calor Sámano, Chefanalyst bei der zweitgrößten mexikanischen Bank BBVA Bancomer. Zum Jahresende halten die meisten Analysten einen Indexstand von 7 500 bis 8 100 Punkten für erreichbar. "Es wird ein gutes Börsenjahr werden", sagt Alejandro Mercado von der Finanzberatungsfirma Ecanal. Mit dem Aufschwung wird nach Ansicht der Experten ein verstärkter Konsum sowie der Anstieg der privaten, gewerblichen und öffentlichen Investitionen einher gehen. Analysten empfehlen daher schwerpunktmäßig die Papiere von Bau- und Exportunternehmen sowie Banken- und Konsumtitel. Letztere hält Analyst Navarrete sowohl für nationale als auch internationale Investoren für interessant.

Trotz eines Reingewinns von 13 % biete besonders Walmex (Wal Mart de México/ISIN-Nr.: MXP 810081010) ) weiter gute Gewinnperspektiven. Der Einzelhandelsriese hat seine Marktführerschaft durch eine aggressive Geschäftsstrategie im vergangenen Jahr und mit dauerhaft niedrigen Preisen weiter ausbauen können. Zudem komme Walmex der stabile private Konsum entgegen. Aber auch der kleinere mexikanische Einzelhändler Soriana (MXP 8728U1671) biete noch Gewinnmargen. Bankenpapiere seien interessant, weil die Geldinstitute von einer verstärkten Nachfrage nach Konsumentenkrediten profitieren würden, die durch die niedrigen Zinsen ausgelöst werde.

Von der anspringenden Konjunktur - spätestens zur Jahresmitte - profitieren den Finanzfachleuten zufolge auch die Export- und Baubranche. Alejandro Garza von NSC Asesores empfiehlt die nationalen Bauriesen GEO und ICA. Für internationale Anleger sei besonders Cemex (MXP 225611567), der drittgrößte Zementhersteller der Welt, interessant. Präsident Vicente Fox hat eine Intensivierung des sozialen Wohnungsbaus und weitere Infrastrukturmaßnahmen angeschoben, von denen diese Unternehmen profitieren würden.

Gute Aussichten werden auch den beiden dominierenden Kommunikationsunternehmen Televisa (MXP 4987V1527) und TV Azteca (MXP 740471117) eingeräumt. TV Azteca habe gute Zahlen vorgelegt und zuvor durch Zukäufe und Preiserhöhungen seine Marktposition verbessert, sagt Garza. Auch das Index-Schwergewicht Teléfonos de México (Telmex/MXP 904131325) sei ein interessanter Wert. Die Mobiltochter Telcel profitiere von dem ungebrochenen Handy-Boom. Auch die US-Investmentbank JP Morgan setzt in Lateinamerika vor allem auf mexikanische Werte und empfiehlt unter anderen Walmex, Cemex und TV Azteca zu Kauf.

Mitentscheidend für die Entwicklung der Börse wird mittelfristig auch die Frage sein, ob das mexikanische Parlament im April die Öffnung des chronisch defizitären Energiesektors beschließt. Dem Kongress liegen mehrere Gesetzesvorhaben vor, die eine unterschiedlich starke Beteiligung privater Investoren vorsehen. Deutsche Investoren zeigen sich besonders am Kraftwerksbau interessiert.

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