Börse reagiert mit Kursgewinnen bei Roche: Roche verliert erste Runde im Patentstreit

Börse reagiert mit Kursgewinnen bei Roche
Roche verliert erste Runde im Patentstreit

Der Pharmakonzern Roche hat im Lizenz- und Patentstreit mit der amerikanischen Biotechnologiefirma Igen die erste Runde verloren und ist zur Zahlung von 505 Mill. US-$ verurteilt worden.

Reuters NEW YORK/BASEL. Das Wachstumspotenzial der betroffenen Division Diagnostik sei trotz des Urteils intakt, sagte der Leiter des Bereichs, Heino von Prondzynski, am Freitag. Roche erklärte, das Urteil eines Gerichts im Bundesstaat Maryland in dem sich bereits mehrere Jahre hinziehenden Verfahren werde geprüft und Roche werde in die Berufung gehen. Prondzynski sagte, am Ende werde es eine Lösung geben.

Die zu zahlende Summe setzt sich aus 105 Mill. US-$ Schadenersatz und einer Strafzuschlag von 400 Mill. US-$ zusammen. Igen erhielt vom Gericht zudem das Recht, die Lizenzvereinbarung mit Roche zu beenden. Igen warf Roche einen Verstoss gegen Lizenzabkommen im Bereich von Technologien zur Blutanalyse vor und hatte 709 Mill. US-$ Schadenersatz zuzüglich eines Strafzuschlages gefordert.

Kursgewinne für Roche

Mit Kursgewinnen reagierte die Börse auf die deutlich niedriger als befürchtete Zahlung. Analysten und Medien hatten mit bis zu 1,5 Mrd. US-$ gerechnet. Der "Bon" stieg zeitweise um 1,5 % und notierte gegen 12.45 Uhr noch um 0,7 % fester bei 114,25 sfr. Der Gesamtmarkt war 0,6 % fester und der DJ Stoxx-Healthcare-Index legte 1,1 % zu.

Analysten bewerteten das Urteil unterschiedlich. "Es ist sicher positiv, dass die Sache vom Tisch ist. Und auch die Höhe (der Strafe) ist niedrig ausgefallen," sagte Patrick Burgermeister von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Roche rechne offenbar mit einer aussergerichtlichen Einigung, so der Analyst. Die Ankündigung, dass Roche die betroffenen Produkte nicht nur weiter verkaufen sondern auch weiter entwickeln wolle, weise in diese Richtung.

Analysten erwarten aussergerichtliche Einigung

Birgit Kuhlhoff von Lombard Odier verwies darauf, dass die Unsicherheit für Roche vorerst weiter bestehen bleibt. Die Analystin geht davon aus, dass Roche eine aussergerichtliche Einigung anstreben wird, um die Lizenzen zu behalten. Das werde aber auf die Margen drücken. "Es ist ein relativ wichtiges Produkt. Es ist nicht so, dass es eine Katastrophe wäre, auch wenn die Verträge wegfallen. Aber es ist auch nicht so, dass man es unter den Tisch kehren kann," so Kuhlhoff. Zudem seien weitere Rückstellungen notwendig; Lombard Odier rechnet damit dass mindestens die Hälfte der Schadenersatz- und Strafsumme nicht durch Rückstellungen gedeckt ist.

Prondzynski erklärte weiter, die vom Urteil betroffenen Elecsys-Produkte stünden für weniger als 10 % des Umsatzes der Diagnostik-Division. Das Roche-Geschäft mit immunologischen Diagnoseverfahren sei im Jahr 2001 aber um 30 % gewachsen, verglichen mit lediglich 2 % des Gesamtmarktes. Die Immunologie sei keiner der dynamischen Wachstumsmärkte in der Diagnostik. "Das Wachstumspotenzial liegt in den Bereichen Genomics und Proteomics und dort investieren wir massiv. Aus diesen Bereichen wird das Wachstumspotenzial für die Division kommen und nicht aus dem Bereich immunologischen Diagnoseverfahren," so Prondzynski.

Roche hat laut Prondzynski im vierten Quartal 2001 in den Divisionen Pharma und Diagnostik ein über dem Markt liegendes Wachstum erzielt. "Wenn man sieht, was dieses Jahr passiert ist, dann war das erste Quartal hart für Roche. Im zweiten, dritten und vierten Quartal lagen die Verkäufe in beiden Divisionen - Pharma und Diagnostik - deutlich über dem globalen Durchschnitt der Branche," sagte der Diagnostik-Chef.

Die Diagnostik-Division, die für knapp ein Viertel des Gesamtumsatzes steht, habe im vergangenen Jahr 4 Prozentpunkte Marktanteil gewonnen. Nach einem 14-prozentigen Umsatzanstieg in lokalen Währungen in den ersten neun Monaten auf 5,09 Mrd. sfr dürfte das Wachstum im Gesamtjahr in ähnlicher Grössenordnung gelegen sein, so Prondzynski.

Roche setzte im Jahr 2000 insgesamt 27,54 Mrd. sfr um, was in lokalen Währungen einem Anstieg von 2 % entsprach. Die Diagnostik war dabei um 12 % auf 6,25 Mrd. sfr gewachsen. Den Gewinn hatte Roche vor allem dank hoher Finanzerträge auf 8,65 Mrd. sfr verdoppelt.

Erste Ende November hatte die Europäische Union (EU) gegen Roche und andere Vitaminhersteller eine Buße von insgesamt 855 Mill. ? wegen illegaler Preisabsprachen verhängt. Auf Roche entfielen dabei als Initiator und Mitglied des Kartells 462 Mill. ?. Bereits 1999 stimmte Roche in den USA einer Buße von 500 Mill. US-$ wegen Preisabsprachen im Vitaminmarkt zu.

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