Börse reagiert negativ
ABB-Asbest-Vergleich verzögert sich erneut

Der Abschluss des ausgehandelten Asbestvergleichs zwischen dem Elektrotechnikkonzern ABB und Tausenden von Klägern in den USA verzögert sich erneut.

Reuters PITTSBURGH/ZÜRICH. Die zuständige Konkursrichterin Judith Fitzgerald will ihr Urteil über den Vergleich im Volumen von 1,3 Mrd. Dollar nicht vor Ende Juni fällen. Den entsprechenden Beschluss fasste die Richterin am Freitag nach einer vierstündigen Sitzung. Ursprünglich war erwartet worden, dass die Richterin nach bereits zwei Verschiebungen ihr Urteil noch im Mai fällen würde.

Die Anleger reagierten negativ auf die Nachricht aus den USA. An der gehaltenen Börse verloren ABB 3,8 % auf 4,05 sfr.

Der erneute Aufschub bedeute für ABB eine weitere Vertrauenseinbusse, sagte Patrick Appenzeller von der Bank Leu. Die Verzögerung könne den Verkauf der Division Öl, Gas und Petrochemie (OGP) erschweren und erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung.

ABB braucht die Mittel aus dem OGP-Verkauf, um die hohe Verschuldung abzubauen. Ein ABB-Sprecher wiederholte, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Asbest-Problem und einer möglichen Kapitalerhöhung gebe. Die ABB-Aktionäre hatten kürzlich eine mögliche Kapitalerhöhung genehmigt. "Der Verkauf von OGP befindet sich auf Zielkurs," sagte der Sprecher. "Wenn es eine Verzögerung von einigen Wochen (wegen Asbest) gibt, wird das keine Auswirkungen auf OGP haben," so der Sprecher.

Nach der Anhörung, für die die Parteien noch einmal Unterlagen eingereicht hatten, hatte die Richterin gegenüber ABB, Versicherungen und Asbest-Klägern erklärt, sie werde die neuesten Dokumente nicht berücksichtigen; es seien zu viele davon eingereicht worden. Sie werde ihre Entscheidung frühestens Ende Juni vorlegen. "Ich habe Sie speziell gebeten, ihre Erkenntnisse so knapp wie möglich zu halten. Meine Vorstellung von knapp ist nicht 100 Seiten," sagte Fitzgerald. "Ich werde es einfacher machen und die neuen Erkenntnisse nicht berücksichtigen. Ich schaffe meine eigenen Erkenntnisse," so Fitzgerald.

David Austern, der zukünftige Kläger gegen ABB vertritt, erklärte, dass gegen Fitzgeralds Entscheid beim Bezirksgericht in Newark, New Jersey, Berufung eingelegt werden könne. US-Bezirksrichter Alfred Wolin in Newark wird den Vergleich dann abschliessend noch einmal beurteilen. Noch vor dem erneuten Aufschub hatte er erklärt, er werde allen Betroffenen Zeit geben, sich zu dem Vergleich zu äussern und Einsprüche berücksichtigen. Er hoffe, den Fall im Juli abschliessen zu können.

ABB-Konzernchef Jürgen Dormann hatte vor einigen Tagen erklärt, ABBs Schicksal entscheide sich in den nächsten Wochen. "Alles hängt nun davon ab, dass wir im Asbestverfahren den Bescheid erhalten, den wir erwarten, sonst wird es wie ein Krebsgeschwür, das alles aufisst," sagte Dormann.

Die von den Asbest-Klagen betroffene US-Tochtergesellschaft Combustion Engineering hatte am 17. Februar Konkurs angemeldet und einen Restrukturierungsplan vorgelegt, in dem die Asbest-Klagen berücksichtigt werden. ABB hatte Combustion, die früher Heizkessel für Kraftwerke hergestellt und dabei das gesundheitsschädigende Asbest verwendet hatte, 1990 übernommen. Derzeit ist Combustion praktisch stillgelegt; die Firma verfügt aber noch über Immobilien, die im Konkursverfahren verkauft werden sollen.

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