Börse will neue Index-Segmente bilden
Neuer Markt und Smax stehen vor dem Aus

Die Deutsche Börse wird nach Informationen des Handelsblatts seine Index-Familie neu ordnen. Der Neue Markt und das Smax-Segment sollen in neuen Segmenten aufgehen.

rtr/vwd/scc FRANKFURT. Deutsche-Börse Vorstand Volker Potthoff kündigte bereits am Mittwoch eine Zweiteilung in ein Premium- und ein Risikosegment sowie eine Neuordnung der Indexfamilie an. Das wird nach Ansicht von Experten zu einem Ende der beiden Segmente Neuer Markt und Smax im kommenden Jahr führen. Für das Premiumsegment sollen die Regeln gelten, wie sie bisher am Neuen Markt galten. Für das Risikosegment sollen lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen Vorschrift sein.

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Ziel der Börse ist es nach Ansicht von Experten, möglichst viele Unternehmen in das Risikosegment aufzunehmen. Für die Aufnahme in das neue Indexkonzept können sich nur Unternehmen aus dem Premiumsegment qualifizieren.

Die großen Unternehmen sollen wie bisher im Dax zusammengefasst werden, für die Small- und Midcaps sind zwei Gruppen geplant: Eine mit den klassischen Branchen aus dem MDax und SDax, die andere mit den Technologiewerten, wie sie im Nemax derzeit vertreten sind.

Die Pläne der Börse im Einzelnen

Die bislang bekannten Details sehen nach Auskunft der Börse so aus: In Zukunft soll es ein mit hohen Zugangsvoraussetzungen ausgestattetes Segment "Prime Standard" und ein Einstiegssegment mit dem Namen "Domestic Standard" geben. Mit der Neuregelung werde man für den "Prime Standard" die höchsten Transparenzanforderungen in Europa einführen und so die Positionierung der Firmen bei Internationalen Investoren erleichtern, teilte die Börse mit.

Innerhalb des "Prime Standards" wird es die Indizes Dax, MDax und ein Börsenbarometer für Technologieaktien geben. Letzteres werde voraussichtlich ähnlich viele Unternehmen enthalten wie der Auswahlindex des Neuen Marktes, Nemax50. Den Neuen Markt, wie man ihn heute als privatrechtlich organisiertes Segment kennt, wird es nicht mehr geben. Die Zulassungsvoraussetzungen für "Prime Standard" werden Quartalsberichterstattung, internationale Rechnungslegungsstandards, die Durchführung einer jährlichen Analystenkonferenz und Berichterstattung in englischer Sprache sein.

Die Neuordnung muss als nächstes vom Börsenrat genehmigt werden. Der Neue Markt war vor fünf Jahren als Handelssegment für Wachstumsunternehmen gegründet worden. Der Index des Neuen Marktes hat seit seinem Höchststand im Frühjahr 2000 rund 95 Prozent seines Wertes verloren.

Deutsche Börse: Kontinuität der Nemax-Produkte bleibt gewahrt

In der neuen Aktienmarktsegmentierung wird es nach Angaben der Deutschen Börse auch weiterhin einen Technologiewerte-Index geben. Ob dieser einen neuen Namen bekomme oder unter Nemax weiterlaufe, stehe allerdings zur Zeit noch nicht fest, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Damit würde der Technologie-Bereich als Sektor das Segment des Neuen Markts ablösen. Wieviele Werte aus dem bisherigen Basket Nemax-50 in dem neuen Index vertreten seien, bleibe abzuwarten. Die Deutsche Börse gehe davon aus, dass sie mit dem neuen Technologie-Werte-Index ein Underlying auch für bestehende strukturierte Produkte auf den Nemax-50 schaffen werde.

DSW: Neue Aktienmarktsegmentierung grundsätzlich gut

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht die neue Aktienmarktsegmentierung der Deutschen Börse "grundsätzlich positiv". Dies sei ein richtiger Schritt in Richtung Internationalität, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker im Gespräch mit der Agentur vwd. Damit habe der deutsche Aktienmarkt eine ähnliche Segmentierung wie Frankreich und Großbritannien. Positiv wertet Hocker auch das Verschwinden des Neuen Marktes. Dort habe es einfach zu viele Skandale gegeben, so dass das Segment nachhaltig geschädigt sei.

Doch Hocker sieht nicht nur Positives. Ein Problem sei beispielsweise das geplante Segment "Domestic Standard". Hocker befürchtet, dass hieraus ein Sammelbecken für vernachlässigte deutsche Aktientitel wird. Wünschenswert sei, dass dieses Segment eine anerkannte Handelsplattform für deutsche Mittelstandsunternehmen wird. So könnten auch Mittelständler ihren Kapitalbedarf an der Börse decken.

Darüber hinaus werde es vermutlich rechtliche Probleme mit den am Neuen Markt notierten Unternehmen geben. Einige würden vermutlich gegen die Auflösung dieses Segments angehen. Die Deutsche Börse werde ausreichende Übergangsfristen einräumen müssen, daher sei das Ziel, 2003 den Neuen Markt abzuwickeln, ein sehr ehrgeiziges, so Hocker.

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