Börse wird vor allem von der Politik bewegt
Strategen raten zum Abwarten

Sorgenvoll blicken Börsianer auf den Krisenherd Naher Osten. Sie befürchten, dass eine weitere Eskalation dort den Ölpreis dauerhaft nach oben treibt, was die Konjunktur bremsen würde. Die politische Entwicklung könnte daher Bilanz-Vorlagen wie der Deutschen Post, MAN und der Commerzbank überschatten.

HB/DÜSSELDORF. "Ruhig bleiben und abwarten." Diesen Rat geben die meisten Strategen im Hinblick auf diese Börsenwoche. Denn im Moment blicken alle Akteure gen Naher Osten. Die Entwicklung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern überschattet das Geschehen an den Finanzmärkten und macht Prognosen sehr schwierig. Jede Verschärfung der Konfrontation führt unmittelbar zu sinkenden Aktienkursen, jede Vermittlungsversuch lässt die Börsianer wieder durchatmen.

Ihr Horrorszenario: Eine weitere Eskalation des Konfliktes führt zu einem nachhaltigen Anstieg des Ölpreises in Richtung 30 Dollar je Barrel (159 Liter). Das heizt sowohl die Inflation an und damit die Sorge vor steigenden Zinsen; gleichzeitig schöpft teures Öl direkt Kaufkraft ab und bremst damit die Konjunkturerholung.

An den Terminmärkten scheint dieses Szenario nicht wenige Anhänger zu haben. So verweist Rolf Elgeti, Stratege bei Commerzbank Securities in London, auf die hohe Zahl an Öl-Kaufkontrakten. "Da pumpt sich eine Spekulationsblase auf", meint er, "doch das wird sich wieder beruhigen." Am Freitag sank der Ölpreis tatsächlich etwas, nachdem US-Präsident Bush Israel aufgefordert hatte, sich aus den besetzten Gebieten "ohne Verzögerung" zurückzuziehen. Elgeti zeigt sich optimistisch und rechnet nicht damit, dass die Lage in Nahost zu anhaltenden Preiserhöhungen an den Ölmärkten führen wird. Behält er Recht, müssten die Hausse-Spekulanten ihre Positionen schließen, was den Ölpreis weiter drücken würde.

Dagegen wird das Kirch-Thema die Börsianer diese Woche eher kalt lassen, vermutet Aktienstratege Rolf Geck von der WGZ Bank. "Die erwartete Insolvenz ist jetzt in den Kursen drin", meint er. Am Freitag gerieten indes die bei Kirch engagierten Banken nochmals unter leichten Abgabedruck.

Elgeti von der Commerzbank teilt die Ansicht, Kirch sei in den Kursen verarbeitet. Er kann der Krise sogar noch etwas Positives abgewinnen: "Das zeigt vor allem angelsächsischen Investoren, dass deutsche Banken nicht mehr alles mitmachen."

Der Blick auf den Terminkalender verheißt wenig Kursbewegendes: An wichtigen volkswirtschaftlichen Daten stechen nur am Freitag die Veröffentlichungen des US-Verbrauchervertrauens, der US-Einzelhandelsumsätze und der US-Erzeugerpreise hervor. Nachdem die höher als erwarteten US-Arbeitslosenzahlen am Freitag Zinsängste beruhigten, rechnen die Experten der DZ-Bank mit einer anhaltend positiven Tendenz am US-Rentenmarkt, bis die Freitagsdaten weiteren Aufschluss über die US-Wirtschaft geben.

Auf Unternehmensseite legen einige Dax-Unternehmen ihre Zahlenwerke vor. Heute steht die 2001er-Bilanz der Deutschen Post auf dem Programm. Analysten hoffen, dass Post-Chef Zumwinkel sich konkreter über die Aussichten für das Jahr 2002 äußert. Anleger der ersten Stunde warten indes immer noch darauf, dass die Aktie ihren Emissionspreis von 21 Euro wieder erreicht. Derzeit liegt sie bei knapp unter 17 Euro.

Nach der "Aktie Gelb" steht am Dienstag die gelbe deutsche Großbank, die Commerzbank, im Blickpunkt. Dass hier das 2001er-Ergebnis vor Steuern um rund 98 Prozent einbrach, ist bereits bekannt; auch hier blicken die Akteure vor allem auf den Ausblick und hoffen auf Neuigkeiten, wie es im Geschäftsbereich Vermögensverwaltung, einem Problemkind der Commerzbank, weitergehen soll.

Am Donnerstag präsentieren sowohl die Dresdner Bank als auch der Maschinenbauer MAN die 2001er-Bilanz. Wichtigster Umsatzträger ist bei MAN die Sparte Nutzfahrzeuge, für die der Konzern trotz Börsenflaute einen Gewinn in 2002 anstrebt.

Neue Impulse werden in den nächsten Wochen wieder verstärkt aus den USA kommen, wenn dort die Zahlen zum 1. Quartal vorgelegt werden.

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