Börse zieht an
Türkisches Programm zur Rettung der Wirtschaft

dpa ISTANBUL/ANKARA. Die türkischen Finanzmärkte haben am Montag positiv auf das Stabilisierungsprogramm zur Bewältigung der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise reagiert. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank begrüßten das Programm der Regierung in Ankara. Gewerkschaften sehen die Vorschläge dagegen kritisch. Begleitet von neuen Demonstrationen hatte Wirtschaftsminister Kemal Dervis am Samstag das Programm präsentiert: Demnach wird die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um 3 % schrumpfen. Die Inflationsrate werde bei mehr als 50 % liegen.

Aber schon 2002 könne das Wachstum plus 5 % betragen. Auch die Preissteigerungsrate werde deutlich zurückgehen. Dervis kündigte zahlreiche Reformen zur Sicherung eines freieren Wettbewerbs und eine Senkung des Staatsausgaben an. Auch das Bankensystem soll reformiert werden. "Die Türkei ist wirklich in einer schwierigen Situation", sagte Dervis. Er dämpfte Hoffnungen, dass die Krise innerhalb kurzer Zeit überwunden werden könne. Jeder müsse den Gürtel enger schnallen. Aber es gibt keinen Grund, pessimistisch zu sein, sagte der ehemalige Weltbankexperte. Positive Effekte erhofft sich Dervis vom Tourismus und vom Export.

Unklar ist noch, in welcher Höhe Ankara Finanzhilfen aus dem Ausland erhalten wird. Nach Presseberichten rechnet die Regierung mit zehn bis zwölf Mrd. Dollar. Die Verhandlungen mit dem IWF und der Weltbank gingen weiter, sagte der Wirtschaftsminister. Die Gespräche seien fortgeschritten. Es wird erwartet, dass die Türkei im Mai mit dem IWF ein Abkommen über Finanzhilfen unterzeichnen wird. Auf der Suche nach weiteren Finanzmitteln wird Dervis Berichten zufolge in Kürze nach Tokio, London, Rom und Berlin reisen.

Dervis rechnet in diesem Jahr mit einer Inflation bei den Verbraucherpreisen von 52,5 % (bei Großhandelspreisen: 57,6 %), im kommenden Jahr von 20 % (bei Großhandelspreisen: 16,6 %). Nach den Massenprotesten der vergangenen Woche gingen am Samstag wieder tausende Menschen in Istanbul und anderen Städten auf die Straße. Sie forderten sichere Arbeitsplätze und den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Bülent Ecevit. Im zentralanatolischen Corum wurden nach Ausschreitungen mehr als 110 Menschen festgenommen.

Auslöser der Finanzkrise war ein Streit zwischen Ecevit und Präsident Ahmet Necdet Sezer über die Bekämpfung der Korruption. Der eigentliche Grund der Krise sind allerdings unter anderem ein marodes Bankensystem, Korruption und Misswirtschaft. In den vergangenen Wochen hatte die Lira im Vergleich zum Dollar um mehr als 45 % an Wert verloren.

Der Index der Istanbuler Börse stieg am Montag um 4,9 % auf 9 378 Punkte an. Die Lira stabilisierte sich etwas.

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