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Börsen-ABC: Deflation und Inflation

In diesen Tagen kursiert auf dem Frankfurter Börsenparkett beim Anblick der deutlichen Kurseinbrüche die Angst vor einer Deflation. Deflation und Inflation sind Schreckgespenster für jeden Börsianer.

ddp/vwd BERLIN. Inflation bedeutet, dass die Preise innerhalb einer Volkswirtschaft schneller steigen als das Gütervolumen - meist, weil die Geldmenge zu stark aufgebläht wird. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Staat seine Notenpresse anwirft und mehr Banknoten in Umlauf bringt, als auf Grund des Wirtschaftswachstums gerechtfertigt ist. Folge: Die Kaufkraft des Geldes sinkt.

Die Unternehmen zögern bei hoher Inflation ihre Investitionen hinaus, weil sie nicht wissen, wie sich die Löhne und die Preise für Rohstoffe, beispielsweise für Energie, entwickeln werden. Das normale Wirtschaftsleben gerät mehr und mehr aus dem Gleichgewicht. In solchen Fällen treten die Notenbanken auf die Zinsbremse und dämmen das Geldmengenwachstum ein, wenn die Preissteigerungsraten über den kritischen Wert von 2,0 Prozent klettern.

Die Notenbanken können den Hebel allerdings auch zu stark ansetzen - mit der Folge, dass sich die Preisspirale in die andere Richtung dreht. Das heißt, Güter und Dienstleistungen sind für das gleiche, oft sogar aber für weniger Geld zu haben als zum Beispiel vor einem Jahr. Ein nachhaltiger Rückgang des allgemeinen Preisniveaus, von Fachleuten Deflation genannt, hat weit unangenehmere Folgen als eine Inflation.

Die Unternehmen können die Preise für ihre Produkte nämlich nicht beliebig nach unten kalkulieren. Schließlich drücken auf der anderen Seite feste Lohn- und Kapitalkosten. Irgendwann wird die Produktion unrentabel. Folge: Arbeitsplätze werden abgebaut, Produktionsanlagen stillgelegt oder ins billigere Ausland verlagert, Löhne - wenn möglich - gekürzt. Die Folge: Vielen Firmen droht das Aus.

An Neuinvestitionen ist in dieser Phase auf Grund der schlechten Geschäftsaussichten erst recht nicht zu denken. Fataler Effekt: Höhere Arbeitslosigkeit infolge gedrosselter Produktion, kaum Investitionen und niedrigere Löhne senken die zur Verfügung stehende Kaufkraft der privaten Haushalte weiter. Der Druck auf die Preise hält an, ein Teufelskreis beginnt.

Deflation darf übrigens nicht mit zurückgehenden Preissteigerungsraten für einzelne Güter oder auf einzelne Teilmärkten verwechselt werden. Dies bezeichnet man als Desinflation.

(Quelle: Thomas Luther, "Handbuch Wertpapiere", Berlin 2002)

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