Börsen-Ausblick
Aktienmärkte weiter nervös

vwd FRANKFURT. Die Erwartungen, mit denen Händler und Analysten in die kommende Woche blicken, sind sehr unterschiedlich. Während einige unerschütterliche Optimisten immer noch auf eine Jahresendrally hoffen und Silberstreif nach Silberstreif am Horizont ausmachen wollen, überwiegen im Markt gegenläufige Meinungen, die von weiter fallenden Notierungen ausgehen. Dabei verspielt derzeit nach Ansicht der Pessimisten die letzte Weltmacht USA sehr viel Kredit. "Durch das Hickhack um die Wahl könnte das politische System dauerhaft beschädigt werden", warnt ein Händler. Zudem leide das Ansehen des Landes bei den europäischen Partnern.

Das wird nach Ansicht von Experten nicht ohne Auswirkungen auf Wall Street bleiben. Und da liegt dann auch die Gefahr für den Dax: Wenn die Vorgaben von den US-Handelsplätzen so schlecht bleiben wie in den vergangenen Tagen, ist nach Ansicht von Händlern nicht damit zu rechnen, dass die deutschen Standardwerte aus eigener Kraft gegen den starken Sog nach unten steigen können. "Die Orientierungslosigkeit über die weitere Entwicklung könnte noch einige Zeit anhalten", meinen dementsprechend auch die Analysten der Commerzbank.

Anders sieht es bei den Markttechnikern aus. Lediglich vertagt haben technische Analysten die Hoffnung auf eine Jahresendrally. Der Rückschlag der vergangenen Tage sei bei den Dax-Werten zwar dynamischer verlaufen als gedacht, heißt es übereinstimmend. Trotzdem sehen zumindest Klaus Tafferner von Concord Effecten und Markus Drengner vom Bankhaus Delbrück gute Chancen dafür, dass die Marke von 6 500 Punkten im Dax nach unten hält. Sandra Schiller von Commerzbank Securities sieht hier ebenfalls zunächst einmal eine gute Unterstützung.

Drengner verweist darauf, dass auch die Intermarket-Analyse derzeit für deutsche Aktien spricht. Der Euro sollte seine Tiefststände gesehen haben, meint Drengner. Das spreche für Kapitalströme in europäische Aktien und auch in europäische Anleihen. Tafferner sieht den Dax ebenfalls positiv. Außerhalb der Technologie seien alle anderen Werte haltens- oder kaufenswert. So könnte der Dax doch noch zur Jahresendrally starten und bis zum Jahresende 7 400 Punkte erreichen. Daneben bleibt Tafferner bei seiner Langfrist-Prognose, nach der der Dax bis zum Frühjahr 2002 die Marke von 13 000 Punkte sehen könnte.

Schiller rät dagegen beim Dax zu einer defensiven Haltung. Sie rechnet zunächst mit einer Seitwärtsbewegung oberhalb von 6 500 Punkten. Als Widerstände hat sie die Zehn-Tage-Linie bei 6 985 und die 100-Tage-Linie bei 7 036 Punkten ausgemacht. Es seien derzeit keine Anzeichen für ein aggressives Umschlagen nach oben zu sehen. Damit sieht Schiller auch keine Indizien für eine Jahresendrally. Da der Markt weder eine Bodenbildung vollziehe noch einen Sell-Out aufweise, seien aus derzeitiger Sicht neue Jahrestiefststände sogar wahrscheinlicher als eine Rally.

Dazu passt die Warnung einiger Händler, die auf den Kalender verweisen. "Wir haben bereits Mitte November. In einem Monat schließen die Banken ihre Bücher, da bleibt kaum Zeit für eine Rally", sagt ein Händler. Zudem sei fraglich, woher die Impulse kommen sollten. Ein abgeschwächter Konjunkturausblick für Euroland für das kommende Jahr und eine ebenfalls langsamer fahrende Konjunkturlokomotive USA seien nicht dazu angetan, den Optimismus zu schüren.

Zerstörte Hoffnung auf Leitzins-Senkung

Die Statistik legt eine Steigerung der Kerninflationsrate - ohne Energiepreise - auf 1,6 % von 1,5 % in Europa offen. Dies zerstört die Hoffnung vieler Analysten auf eine Senkung des Leitzinses - ein positives Signal, das die Aktienmärkte momentan dringend benötigt hätten. "Die künftigen Aussichten bleiben eng mit der konjunkturellen Entwicklung in dne USA verknüpft", meint auch die Commerzbank. Zuletzt veröffentlichte Daten ließen eine Stabilisierung des Wachstums auf hohem Niveau erwarten.

Genaueren Aufschluss könnten zwei Termine bringen. Am Dienstag wird die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einen Ausblick zur Entwicklung der französischen Wirtschaft veröffentlichen und am Mittwoch folgt die EU-Kommission, die ihre Konjunkturprognosen für 2001 und 2002 veröffentlichen wird. Erwartet werden dabei etwas niedrigere Wachstumsraten von um die drei Prozent in der Eurozone. Gleichzeitig wird mit einer Inflationsrate von über zwei Prozent in diesme Jahr gerechnet. Am Donnerstag dann wird der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, vor dem Wirtschaftsausschuss des Europaparlamentes reden.

Der "Liquiditätsdruck", den die Propheten steigender Notierungen bei Anlegern und Fondsgesellschaften ausmachen, wird von einigen kritischen Beobachtern revidiert. "Da stehen viele in den Startlöchern, um vor Jahresende noch ihre Depots aufzustocken", glaubt ein bullish gestimmter Händler. Skeptiker allerdings weisen darauf hin, dass diese Mittel von den vielen Neuemissionen aufgesogen werden. Bereits am Montag wird beispielsweise die Deutsche Post zum ersten Mal gelistet. Dann wird sich zeigen, ob es der Aktie gelingt, zu einer neuen Volksaktie zu werden. Nach dem Kursverfall der Telekom scheint die Position derzeit ja vakant.

Am Dienstag kommt RWE mit Zahlen zum ersten Quartal ihres Geschäftsjahres, am Mittwoch folgt Epcos mit Neunmonatszahlen und am Donnerstag kommt dann die Allianz. Dabei erwarten Analysten, dass der Versicherungskonzern seine Prognosen zumindest teilweise nach oben revidieren könnte. Anders bei Epcos, wo sich das Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr auf rund 25 bis 30 % halbieren wird. Das zumindest hat der Epcos-Vorstandsvorsitzende Klaus Ziegler bereits vorab in Interviews gesagt.

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