Börsen buhlen um die privaten Anleger
Börse Düsseldorf erweitert ihr Angebot

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Die Düsseldorfer Börse wird ihr Angebot für den privaten Anleger um eine elektronische Handelsplattform erweitern. Nach Informationen des Handelsblatts wird die neue Handelsplattform auf dem bestehenden außerbörslichen Handelssystem Trade-Link der Vereinigten Wirtschaftsdienste VWD aufbauen. Zurzeit bietet die Düsseldorfer Börse den maklergestützten Handel und die Abwicklung über Xetra an.

Bisher hat VWD IS, eine 100-prozentige VWD-Tochter, Trade-Link betrieben. An dieser Gesellschaft werden sich die Börse und der Broker Lang & Schwarz nach einigen gesellschaftsrechtlichen Änderungen beteiligen. Wie aus Düsseldorfer Börsenkreisen verlautet, werden VWD und die Börse aus Neutralitätsgründen die Mehrheit an der gemeinsamen Gesellschaft halten. Das Vorhaben soll weiteren Market-Makern, die für die Liquidität sorgen, und weiteren Gesellschaftern offen stehen.

Vor dem Start der Handelsplattform, der noch im zweiten Quartal 2001 erfolgen könnte, dürften einige Erweiterungen des Systems erforderlich sein, um den Qualitätsanforderungen der Börse zu genügen. Denn aus dem seit Anfang 1999 bestehenden außerbörslichen System wird durch den Einstieg der Börse ein börsliches System. Notwendig werden dürfte zum Beispiel ein neues Regelwerk für den Handel. Dieses dürfte auch die heutige Selbstverpflichtung von Lang & Schwarz, dem Anleger beste Preise zu garantieren, in feste Qualitätsbahnen lenken. Geplant sein soll u.a. die Koppelung an bestimmte Referenzen. Bei Dax-Werten würde sich dazu der Xetra-Handel anbieten. Details wird die Börse am Montag auf einer Pressekonferenz bekannt geben.

Lang & Schwarz sind zurzeit der größte Market-Maker in Trade-Link, macht also dort die Aktienkurse. Daneben werden bislang über Trade-Link vor allem Optionsscheine gehandelt. Der Einstieg in das System könnte zudem ein erster Schritt in Richtung auf einen Handel am Samstag und Sonntag sein, der außerbörslich schon heute von Lang & Schwarz angeboten wird.

Privatanleger können sich nun vor Angeboten kaum retten. Die Berliner Börse hat seit dem 1. Februar das Orderbuch im Internet für Privatkunden leicht geöffnet und listet die jeweils letzten fünf Kauf- und Verkaufkurse auf. Doch direkt mit einem Mausklick können bislang nur die wenigsten ordern. Außerdem kam die eigentliche Erweiterung zu einem Finanzportal, als großer Wurf und "Leitbörse für Privatanleger" mit dem Direktbroker Consors angekündigt, bislang nicht über das Entwicklungsstadium hinaus.

Die Deutsche Börse selbst will privaten Kunden noch im ersten Quartal einen eingeschränkten Zugriff auf Xetra ermöglichen. Der Bildschirm wird die fünf besten Kauf- und Verkaufkurse einzelner Aktien in Echtzeit anzeigen, auch hier ist die direkte Verbindung zu Bank oder Broker geplant.

In Stuttgart hält man von solchen Aktivitäten nichts. Ein offenes Orderbuch bedeute keineswegs echte Transparenz, argumentiert der Geschäftsführer der Börse, Peter Ladwig. Stuttgart, das sich mit dem Titel "Beste Börse für Privatanleger" schmückt, hat im vergangenen Jahr das "best-price-Prinzip" für Auslandsaktien des Euro-Stoxx 50 eingeführt. Die Börse garantiert Kunden den Preis, zu dem Aktien am Heimatmarkt gehandelt werden.

Und schließlich buhlen noch andere Konkurrenten um die Gunst der Privaten. Die im November 2000 gestartete Handelsplattform Jiway, eine Kooperation zwischen der schwedischen OM Gruppen und der US-Investment-Bank Morgan Stanley, handelt 6 000 europäische und US-Aktien. Mit Privatkunden direkt kommt Jiway nicht in Kontakt, wohl aber mit deren Banken und Brokern. Auch diese Initiative startete eher verhalten.

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