Börsen honorieren Führungswechsel
Der Tag danach bei der Telekom

Weniger Schulden, weniger Kosten, weniger Personal - die Hoffnungen der Märkte auf einen Kurswechsel bei der Telekom beflügeln die T-Aktie. Unklar ist, ob die neue Führung die Erwartungen erfüllt.

huh/slo/som/dri DÜSSELDORF/BERLIN. Mit einem Kursfeuerwerk hat die Aktie der Deutschen Telekom am Mittwoch auf den Führungswechsel reagiert. Der Kurs stieg zeitweise um mehr als 13 Prozent. Nach Ansicht von Marktexperten feierten Investoren weniger die Übergangslösung mit dem bisherigen Aufsichtsrat Helmut Sihler, sondern die Hoffnung auf bessere Zeiten nach einem erneuten Wechsel in spätestens sechs Monaten. "Der Markt gibt Vorschusslorbeeren", sagte Oliver Opgen-Rhein von der Großbank HSBC.

Käufer sind nach Händlerangaben vor allem Fonds. Gewaltige Stückzahlen seien gehandelt worden. So wechselten in den vergangenen Tagen allein an der Frankfurter Börse gut 40 Mill. T-Aktien täglich den Besitzer. An schwachen Tagen werden im gesamten Dax weniger als 40 Mill. Aktien gehandelt. Vor allem Hedge-Fonds sollen aktiv sein. Sie haben auf fallende Kurse gesetzt und sehen nun die Gefahr, dass die T-Aktie dauerhaft nach oben dreht. Denn seit Tagen schwankt der Kurs bei hohen Umsätzen stark - bislang immer ein Zeichen für das Ende der Baisse. Hinzu kommt, dass sich auch Telekommunikationsfonds mit der T-Aktie eindecken. "Wer Telekomaktien braucht, kommt an der Deutschen Telekom kaum vorbei", sagt Gottfried Heller von der Fiduka-Vermögensverwaltung.

Nach dem von der Bundesregierung betriebenen Rücktritt von Vorstandschef Ron Sommer rechnen die Investoren überdies mit einem Kurswechsel, mit Schulden- und Personalabbau. Zunächst sieht der 72-jährige Nachfolger Sihler seine Aufgabe aber darin, das Unternehmen zu beruhigen. Denn der Aufsichtsrat war über den Sommer-Rücktritt tief gespalten.

Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus sagte, Sihler sei nicht daran gelegen, den Konzern auf den Kopf zu stellen. So stehe die Vier-Säulen-Strategie aus Festnetz, Mobilfunk, IT-Services und Internet nicht zur Disposition. Das gelte auch für das US-Geschäft mit dem Mobilfunker Voicestream. Nach Ansicht von Analysten könnte Sihler aber bei Investitionen und Personal bremsen. Im Festnetzgeschäft könnten bis zu 20 000 Mitarbeiter entlassen werden.

Nach Informationen des Handelsblatts erhält Sommer keine Abfindung. Ihm werden aber die Bezüge für die Restlaufzeit des Vertrages bis Mai 2005 weitergezahlt. Dies dürften ohne Optionen bis zu 9 Mill. Euro sein. Aktionärsschützer kritisierten die Regelung als "verschleierte Abfindung". Unterdessen ging der Streit um die Sommer-Ablösung weiter. Der Chef des BDI, Michael Rogowski, kritisierte sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch seinen Herausforderer Edmund Stoiber: "Das Einmischen der Politik ist grottenfalsch."

Quelle: Handelsblatt

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