Börsen im erbitterten Wettbewerb
Die Börse in Berlin

Die Berliner Börse war bisher vor allem für den Handel in osteuropäischen Aktien die erste Adresse. Da in Deutschland in letzter Zeit im Gegensatz zu Aktien eher Zertifikate und Optionscheine boomen, wollen sich die Berliner nun ein Stück vom Kuchen abschneiden.

Die Popularität der Zertifikate kommt nicht von ungefähr. Ihre große Vielfalt ermöglicht den Anlegern, mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz ein gut diversifiziertes und strukturiertes Portfolio aufzubauen. Außerdem entfallen bei diesen Produkten der Ausgabeaufschlag und manchmal sogar die Verwaltungsgebühren, wie sie bei herkömmlichen Fonds üblich sind.

Um in diesen Geschäftsfeldern den Marktführern Stuttgart und Frankfurt ein paar Marktanteile abzunehmen, setzen die Berliner in erster Linie auf offene Orderbücher und real-time-Kurse. Ein weiteres Bonbon: Seit dem 1. April 2001 gilt für alle Aktien und Wertpapiere, die wie Aktien behandelt werden, in allen Marktsegmenten eine einheitliche Courtage von 0,4 Promille. Dieser Rabatt wirkt sich allerdings hauptsächlich bei einem großen Ordervolumen aus.

Unter dem Namen "Zobex" startete das neue Berliner Marktsegment für Zertifikate und Optionsscheine. Seit dem 4. Oktober können Anleger rund 2600 Zertifikate in Berlin handeln, Anfang Dezember kamen etwa 28.000 Optionsscheine hinzu. Clou des Angebots ist, dass Einblick in die Orderbücher der Makler gewährt wird, in die kontinuierlich die An- und Verkaufspreise der Emittenten eingestellt werden. Auf diese Weise erfährt der Investor, wie hoch der "Spread" (die Spanne) zwischen Geld- und Briefkurs ist. Aufgrund der höheren Transparenz ist eine faire Preisfeststellung möglich.

Mit dem Angebot eines offenen Orderbuchs und kostenloser real-time-Kurse fordern die Börse Berlin und ihr Kooperationspartner, das Makler- und Investmenthaus Spütz, die Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax heraus. Die Schwaben sind zur Zeit mit rund 84 Prozent führend beim Handel mit Optionsscheinen. Der Rest läuft über den Parketthandel in Frankfurt, während sich Xetra in dieser Hinsicht als Flop erwies. Berlin hat nun ehrgeizige Ziele: "Wir wollen signifikante Marktanteile im zweistelligen Prozentbereich bei börsengehandelten Optionsscheinen erobern. Bei Zertifikaten streben wir die Marktführerschaft an", sagte Jörg Walter, Vorstand der Berliner Börse. Ein ambitionierter Plan, denn bisher entfallen von den Gesamtumsätzen bei Zertifikaten 75 Prozent auf Frankfurt und der Rest vor allem auf Stuttgart.

Nachdem die Pläne für eine enge Kooperation mit Consors im Sande verliefen, soll jetzt die Zusammenarbeit mit der Nasdaq die Berliner Börse bei Anlegern bekannter machen. Mit dem neuen Marktsegment "Nasdaq Europe" will die Berliner Börse der "erste deutsche Wertpapiermarkt mit internationaler Anbindung" sein, so Börsenvorstand Jörg Walter.

Die strategische Allianz soll die Liquidität der beiden Handelsplätze bündeln. Die Verbindung der beiden Marktmodelle werde zu besseren Preisen führen, versprachen die Kooperationspartner. Starten soll das Modell mit 230 deutschen und internationalen Werten noch in diesem Frühjahr.

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