Börsen-Talfahrt
Die Panik fordert ihren Tribut

Der Ausverkauf gilt als letzte Phase einer Baisse. Doch das heißt noch nicht, dass danach die Kurse gleich wieder steigen.

An den Börsen tobt der Ausverkauf: Klares Signal sind die Kurseinbrüche in allen Branchen, ohne dass es Nachrichten aus den Unternehmen oder von der Konjunktur gibt. Selbst positive Indikatoren, die auf einen raschen Aufschwung hindeuten, werden ignoriert. Stattdessen wenden sich Investoren aus Sorge vor noch größeren Verlusten von der Börse ab und sehnen den Ausverkauf sogar herbei. Denn damit endet üblicherweise eine lange Talfahrt. Doch die Panik als rasches Ende der schwersten Baisse in Europa zu deuten ist voreilig. Denn aus Tagen der Verzweiflung können Wochen oder gar Monate werden.

Schon immer haben sich in der Börsengeschichte Phasen der Übertreibung stark geähnelt. Im Frühjahr 2000 widersprach kaum jemand, wenn die High-Tech-Börsen als überbewertet bezeichnet wurden. Dennoch stiegen die Kurse weiter und immer schneller. Bei 5000 Punkten war der Neue Markt nach allen Bewertungskennzahlen viel zu teuer. Dennoch gab es über 8000 Punkte. Spiegelbildlich bedeutet das für 2002: Die Meinungen, dass der Markt nach unten übertreibt und Aktien unterbewertet sind, können noch so eindeutig sein - ein Ende des Einbruchs bedeuten solche Signale nicht. Im Gegenteil: Die letzte Phase einer Hausse und Baisse ist die irrationalste und im Falle des Abschwungs die schmerzlichste. Denn zum Schluss steigen oder fallen die Kurse ohne fundamentale Berechtigung. Der Gier nach noch mehr Reichtum folgt 2002 Panik und Angst vor noch größeren Verlusten.

Tröstlich ist allein, dass der Ausverkauf die letzte Phase einer Baisse ist. Damit ist leider nicht ausgemacht, dass die Kurse anschließend wieder steigen. Je nach konjunkturellem Umfeld - Wirtschaftswachstum, Inflation, Verhältnis der Währungen - kann die Baisse anstatt in die erhoffte Hausse auch in eine Seitwärtsbewegung mit dauerhaft niedrigeren Kursen münden.

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