Börsen trotzen Deflationsgefahr
Aktien gewinnen den Preiskampf gegen Anleihen

Wohin mit all dem Zaster? Diese Frage quält die Money-Manager rund um den Globus täglich aufs Neue. Für immer mehr Investoren lautet die Antwort auf diese Frage: Aktien kaufen. Auch wenn es vor dem Hintergrund der weltweiten Konjunkturschwäche und der Deflations-Diskussionen unlogisch erscheinen mag: Die Aktie hat unter den bedeutenden Anlageformen derzeit nur wenig Konkurrenz zu fürchten.

FRANKFURT. Die international vagabundierende Liquidität fließt auch deshalb verstärkt in Aktien, weil es traditionell denkenden Akteuren an wirklichen Anlage-Alternativen fehlt. Denn die größte Konkurrenz für Aktien sind und bleiben zinsbringende Anlageformen wie Geldmarktpapiere und Anleihen.

Richtig ist zwar, dass gerade alternative Investments wie Hedge Funds, Private Equity und Rohstoffe einen Boom erleben. Richtig ist aber auch, dass das in diesen Sektoren angelegte Geld nur einen geringen Bruchteil - noch nicht einmal 5 % - des in den traditionellen Anlageformen Anleihen und Aktien investierten Geldes ausmacht.

Und im Vergleich mit Anleihen sind Aktien derzeit konkurrenzlos billig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in den USA - dem wichtigten Markt der Welt - liegt für alle im Dow-Jones-Index vertretenen 30 Aktien zwischen 23 und 25. Im Vergleich dazu sind Dollar-Anleihen teuer: Denn das KGV zehnjähriger Dollar-Staatsanleihen liegt auf Basis der aktuellen Rendite von 3,10 % bei über 32. Mit anderen Worten: Aktien sind billiger als Anleihen. Diese Aussage gilt auch, wenn ein solcher KGV-Vergleich mit den im S&P 500 enthaltenen Aktien angestellt wird. Hier liegt das Aktien-KGV auf Basis der Gewinnprognosen für 2003 bei 28 bis 30. Vergleicht man europäische Aktien und Anleihen, so stellt sich heraus, dass Aktien hier im Vergleich zu Anleihen noch billiger sind als in den USA.

So überrascht kaum, dass die üppig verfügbare Liquidität nicht nur in Anleihen fließt, die läppische Renditen bieten, sondern in wieder mehr Aktien investiert wird. Das Volumen der Geldmarktanlagen ist in den USA ständig gestiegen. Allein von Ende 2000 bis Ende 2002 gab es in dieser Anlageform einen Anstieg um 18 % auf 4,6 Billionen Dollar. Im ersten Halbjahr 2003 hat sich dieser Trend weiter fortgesetzt.

Zugegeben: Selten schien eine solch simple Betrachtungsweise mit so hohen Risiken verbunden zu sein wie im aktuellen Umfeld. Zum einen könnte sich das derzeitige Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien bei anhaltend labiler Weltwirtschaft als überzogen erweisen. Zum anderen sprechen einige Anzeichen dafür, dass sich am Anleihenmarkt eine Spekulationsblase aufgebaut hat und noch weiter aufbaut. Platzt diese Blase und sinken die Kurse und steigen die Renditen dann kräftig in die Höhe, so verringert sich automatisch auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Anleihen. Festverzinsliche Wertpapiere würden in diesem absehbaren Fall gegenüber Aktien also an Attraktivität gewinnen. Einem weiteren nachhaltigen Anstieg der Aktienkurse dürften von dieser Seite her also enge Grenzen gesetzt sein.

Den Beweis für das auch auf Seiten privater Anleger weltweit wieder stark zunehmende Interesse an der Aktien-Anlage liefern aktuelle Zahlen. So berichtete die Börse Tokio am Freitag davon, dass die Umsätze mit Aktien im laufenden Monat auf ein Niveau gestiegen sind, wie es seit den Boomzeiten von Anfang der 90er-Jahre nicht mehr gesehen wurde. Mike Viciquerra, Ak- tien-Analyst von Raymond James & Associates weist darauf hin, dass die jüngst von den Internetbrokern in den USA vorgelegten Umsatzzahlen ein stark zunehmendes Interesse privater Anleger an der Aktie signalisieren. Doch damit nicht genug: Noch immer sei bis zu 25 % des Anlegervermögens bei Internetbrokern in Geldmarkttiteln angelegt. "Die Anleger halten eine Menge Pulver trocken", sagt Vinciquerra.

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