Börsen und Banken bereiten sich auf Terroranschläge vor: Finanzmarkt-Akteure sind stark verunsichert

Börsen und Banken bereiten sich auf Terroranschläge vor
Finanzmarkt-Akteure sind stark verunsichert

Nach dem Beginn des Irak-Kriegs kehrt die Ungewissheit an die Kapitalmärkte zurück. Händler und Analysten diskutieren die Dauer des Kriegs, Banken und Börsen bereiten sich auf mögliche Terroranschläge vor. Die Notenbanken erwägen Zinssenkungen.

fer/HB FRANKFURT/M. Nach der 20-Prozent-Rally der vergangenen Tage fand der deutsche Aktienmarkt gestern keine klare Linie. Zunächst gab es weitere Kursgewinne, bevor der Dax ins Minus drehte. Eberhard Weinberger, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, sieht den Aufwärtstrend für Aktien aber zunächst nicht gefährdet. "Der positive Trend hält so lange an, wie die Marktbeobachter das Gefühl haben, die Amerikaner hätten die Situation im Griff", sagt er. Kritisch könne es aber werden, wenn die US-Armee auch nach "zehn bis 15 Tagen" keine militärischen Erfolge melden könnten. "Dann wird der eine oder andere Investor nervös und flüchtet wieder aus Aktien."

Der Großteil der Kapitalmarktexperten rechnet allerdings mit einem kurzen Krieg. So geht die Deutsche Bank von einem Sturz des irakischen Regimes innerhalb von vier bis sechs Wochen aus. Für diesen Fall erwarten die Strategen deutlich steigende Aktienkurse. In den USA könnte das schnelle Ende des Kriegs eine "Patriotenrally" auslösen, in der die Verunsicherung der Investoren - zumindest für kurze Zeit - verfliegt. Rolf Elgeti von Commerzbank Securities rechnet für diesen Fall damit, dass der Dax bis auf 3 000 Punkte steigt.

Noch größeres Aufwärtspotenzial sieht er nicht, denn dann dürften die Investoren bei ihren Anlageentscheidungen wieder stärker die Geschäftszahlen der Unternehmen berücksichtigen - und die sähen nach wie vor "nicht gut" aus. Ein kurzer Irak-Krieg würde hingegen die Attraktivität der Rentenmärkte als "sichere Häfen" verringern.

Die Experten rechnen mit fallenden Kursen und steigenden Renditen. Die zehnjährige Bundesanleihe könnte dann bis zu 4,50 % bringen, schätzen sie. Gestern lag die Rendite bei 4,18 %.

Allerdings hat US-Präsident George W. Bush bereits gewarnt, der Krieg könne länger dauern. Für diesen Fall sehen die Analysten den Dax bereits unter 2 000 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe könnte dann laut Experten auf 3,80 % fallen. Für den Goldpreis ist Weinberger langfristig optimistisch. Die weltweite Rekordverschuldung begünstige die positive Entwicklung.

Bei den Banken und den Börsen wächst hingegen die Furcht vor möglichen Terroranschlägen. Am angespanntesten ist die Lage in New York und London. Die Terroranschläge am 11. September 2001 hatten das Finanzsystem schwer belastet. So standen damals Kreditlinien zum Teil tagelang offen. Nun schreibt die US-Aufsichtsbehörde vor, dass jedes Finanzinstitut über einen Ausweichstandort verfügt, der mindestens 300 Meilen von New York entfernt liegt. Die Banken haben Ersatz-Computersysteme und alternative Handelsräume eingerichtet. Laut der britischen Aufsichtsbehörde FSA haben die Banken in London im vergangenen Jahr deutlich in Sicherheitssysteme investiert. Es sei möglich, den Handel bei jeder Form eines Terrorangriffs aufrecht zu erhalten.

Auch die Notenbanken in den Finanzmetropolen der Welt erörtern die schwierige geopolitische Lage. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat erklärt, im Ernstfall die eventuell erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen: Die Finanzmärkte könnten davon ausgehen, dass auch "unter außergewöhnlichen Umständen ausreichend Liquidität bereit gestellt wird." Nach Auffassung der Deka-Bank wird der Krieg zu vorgezogenen und kräftigeren Zinssenkungen der Zentralbanken führen als bislang angenommen.

Das Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut DIW fordert derweil von der EZB eine möglichst rasche Leitzinssenkung um 50 Basispunkte. Die japanische Notenbank gab am Mittwoch bereits rund 1 Bill. Yen (8,3 Mrd. ) zusätzliche Liquidität in den Markt.

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