Börsen- und Branchenkreise sehen Rabatt-Spirale kritisch
Rabatt-Schlacht geht in die nächste Runde

Der Rabatt-Krieg auf dem amerikanischen Automarkt trägt immer absurdere Züge - doch die drei großen US-Autokonzerne verteidigen auf der IAA in Frankfurt ihre großzügigen Vermarktungshilfen auf dem Heimatmarkt. "Wenn wir auf diese Angebote verzichteten, würden wir weniger Autos verkaufen", sagte Rick Wagoner, Vorstandschef von General Motors (GM), gestern im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auch während der US-Konjunkturkrise habe das Unternehmen Gewinne geschrieben und einen ordentlichen Cash-Flow generiert.

FRANKFURT. GM hat den Rabatt-Wettkampf in den USA zu Wochenbeginn mit einer weiteren Variante bereichert. Bei einigen Modellen wird dem Käufer jetzt kostenlos ein neuer Laptop- Computer in den Kofferraum gelegt. Auch diese neueste Runde der Kaufanreize ("Incentives") geht für den GM-Chef in Ordnung. Die Hersteller müssten dem amerikanischen Autokäufer ein "ordentliches Angebot" unterbreiten, dann werde ein Neuwagen gekauft.

Auch die Konkurrenten entdecken die Methode, die Kunden mit zusätzlichen Beigaben zu locken. So ist Chrysler seit Neuestem auf die Idee gekommen, seinen Käufern 14 kostenlose Öl-Wechsel für das neue Auto zu schenken - angesichts der hohen Werkstatt-Kosten ein zusätzlicher Anreiz für die Neuwagen-Kunden. Auch Chrysler-Chef Dieter Zetsche gibt sich optimistisch, dass die Kosten für die zusätzlichen Incentive-Programme nicht aus dem Ruder laufen. "Jetzt kommen unsere neuen Modelle", begründete er seine Haltung gegenüber dem Handelsblatt. Das sollte sich stützend auf das Neuwagen-Geschäft auswirken. Ähnliche Töne kommen von Ford. Konzern-Präsident Nick Scheele sagte auf der IAA, sein Unternehmen werde zum Jahresende im Autogeschäft wieder schwarze Zahlen schreiben. Zur Jahresmitte war noch ein Verlust von knapp 80 Mill. Euro angefallen.

Ganz anders wird die Nachlass-Politik der US-Autogiganten in Börsen- und Branchenkreisen gesehen. "Die Konzerne haben eine Rabatt-Spirale ausgelöst, aus der jetzt kaum noch jemand herauskommt", betont Chris Denove vom US-Marktforschungsunternehmen J. D. Power. Amerikanische Kunden hätten sich an die Programme gewöhnt. Es würde Jahre dauern, diese Vermarktungshilfen wieder aus dem Markt zu nehmen. Immerhin kündigte GM-Chef Wagoner gestern an, die Incentives schrittweise zu kürzen - allerdings unter der Voraussetzung, dass sich die US-Konjunktur erhole.

Im Durchschnitt geben die amerikanischen Autohersteller inzwischen 4 000 $ Rabatt für einen Neuwagen. Teilweise bekommen die Kunden das Geld bar auf die Hand. Außerdem gibt es extrem günstige Finanzierungs- und Leasing-Angebote, mit denen die US-Konzerne ihre Absatzzahlen stützen. General Motors hatte den Rabatt-Krieg vor zwei Jahren nach den Terror-Anschlägen vom 11. September begonnen. Damals war die Sorge groß, der US-Autoabsatz würde nach den Attacken auf New York und Washington zusammenbrechen.

Trotzdem ist es den amerikanischen Autoriesen nicht gelungen, den Rückgang der Verkaufszahlen komplett zu stoppen. GM verbuchte in diesem Jahr auf dem US-Markt ein Minus von 4,7 %, Ford von 5,3 % und Daimler-Chrysler von 4,6 %. Japanische und europäische Hersteller legten hingegen zu.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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