Börsen wollen neue Kriterien für die Auswahl europäischer Indizes
Rentenindizes: Klarsicht im Informations-Dschungel

Der Rentenmarkt hat in den vergangenen Jahren weltweit an Bedeutung gewonnen. Damit stieg auch die Bedeutung von Anleihen-Indizes.

Die Transparenz der Bondmärkte in Europa ist noch ein gutes Stück von jenem Standard entfernt, der von den Aktienmärkten her bekannt ist. Echtzeit-Indizes für den Anleihemarkt sollen diesen Abstand verringern. Die scheinbar unbegrenzte Anzahl von Informationen vor allem in den Rentenmärkten kann es sehr schwierig machen, fundierte Investmententscheidungen zu treffen. Indizes können gerade im Rentenmarkt dazu beitragen, dieser Datenschwemme Herr zu werden, indem sie die Informationen zu einer beherrschbaren Anzahl von Assetklassen zusammenfassen. Dies ermöglicht es den Investoren, die Risiken und Vorzüge einer Anlage einzuschätzen und zu managen, indem sie die Indizes auf die vielfältigste Art und Weise nutzen: als Benchmarks zur Performancemessung, als Marktindikatoren, zum Messen der historischen Risiken und Renditen, als Benchmarks für die Portfoliooptimierung sowie zur strategischen Asset Allocation.

Bei der Auswahl einer Benchmark sieht sich der Portfolio-Manager aber einer verwirrenden Vielzahl von Wahlmöglichkeiten gegenüber. Denn im Gegensatz zu US-Dollar Rentenmärkten gibt es keine Euro-Benchmark, die eine allgemein anerkannte Grundlage für die Einschätzung der Performance oder der Risiken bietet.

Außerbörslicher Markt

Die Ursache für die Intransparenz dafür liegt im Rentenmarkt selbst: Der Rentenmarkt ist ein außerbörslicher Markt (OTC-Markt), so dass die bekannten Indizes auf Bid-offer-Spreads, und nicht - wie bei Aktien - auf gehandelten Kursen basieren. Es gibt daher keine öffentliche Liste von allen Transaktionen. Die zugrunde liegenden Kurse der einzelnen Wertpapiere von proprietären Rentenindizes stammen meistens von nur einer Quelle. Wenn diese Quelle auch ein Market-Maker ist, ist die Gefahr der Subjektivität beim Pricing hoch. Wenn alle Berechnungen für den Index auch unter dem gleichen Dach stattfinden, ist keine neutrale dritte Partei dabei, um die erforderlichen Qualitätskontrolle auszuüben. Diese Situation wird nur noch undurchsichtiger durch die Tatsache, dass detaillierte Informationen zu Indizes oder deren Bestandteilen oft nicht öffentlich verfügbar sind.

Viele Indexserviceanbieter auf dem Rentenmarkt sind zudem der Ansicht, dass die Lieferung von Indexdaten einen proprietären Service darstellt. Die Bereitstellung dieser Daten beruht dann oft auf der eingespielten Beziehung zwischen dem Anbieter und dem Investmentmanager. Wie im Aktienmarkt auch, sollten Indexdaten und analytische Kennzahlen der Öffentlichkeit zugänglich sein und ihre Verfügbarkeit nicht mehr von der Beziehung zwischen dem Index-Serviceanbieter und dem Investmentmanager abhängen. Diese Informationen sollten nicht nur allgemein allen Investmentprofis zur Verfügung stehen, sondern man sollte auch über die normalen Informationskanäle (Internet, Nachrichtenagenturen) Zugriff darauf haben.

Einen der wichtigsten Aspekte eines guten Indexsystems ist zudem die Gewährleistung einer qualitativ einwandfreien Preisermittlung. Die Qualität von Kursen, die aus einer einzigen Quelle stammen, kann äußerst zweifelhaft sein, da die von Händlern genannten Kurse durch die eigene Positionierung und eingegangene Positionen beeinflusst werden. Die Ermittlung von Preisen aus Kursen mehrerer führender Liquiditätsanbieter ist dieser Art der Preisermittlung eindeutig überlegen.

Der Index sollte durch verschiedene analytische Funktionen gestützt werden. Der Indexserviceanbieter sollte Renditen und aggregierte statistische Daten allen Investoren zugänglich machen. Um den Anlageprozess zu unterstützen, müssen ausgefeiltere Datenfunktionen bereitgestellt werden, wie zum Beispiel Spreads, Industrie- und Branchenklassifikationen, Rendite- und Portfolio-Attribution.

Alle Index-Bestandteile sollten liquide und investierbar sein, so dass der Index sich zukünftig für Derivate in Form von Total Return Swaps und anderen Over-the-counter Produkten, sowie z.B. an einer Börse gehandelte Derivate eignet. Beabsichtigt ein Portfoliomanager, Derivate auf der Grundlage eines Index zu handeln, muss er die Liquidität der Indexbestandteile berücksichtigen. Erstellt ein einzelner Anbieter den Index, so bedeuten die umfangreicheren Informationen, die der Firma zur Verfügung stehen, dass nur sie dazu in der Lage ist, eine geringe Geld-Briefspanne anzubieten.

Sind alle anderen Voraussetzungen gleich, würde jede andere Bank, die einen Kurs stellt, einen Zuschlag für die Unsicherheiten fordern, die die Indexbestandteile, die Preisermittlung und die Berechnung umgeben. Der Wettbewerbsaspekt beim Handel mit diesen Produkten leidet darunter naturgemäß erheblich, und dieser Effekt kann sich sogar noch weiter verstärken, wenn man versucht, Gegengeschäfte abzuschließen.

Es liegt daher auf der Hand, dass ein allgemein der Öffentlichkeit zugänglicher Echtzeit-Index zu besser gepreisten Derivaten und einer größeren Gesamtliquidität im Rentemarkt führt. Die Transparenz im europäischen Rentenmarkt wird davon erheblich profitieren.

David Mark ist Vorstandsvorsitzender der iBoxx Ltd. in Frankfurt am Main

Quelle: Handelsblatt

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