Börsenaspiranten warten alle ab
Emissionen am Neuen Markt 2001 bislang Mangelware

Die anhaltende Unsicherheit an den Finanzmärkten sorge für Zurückhaltung bei den Börsenaspiranten, sagten Emissions-Spezialisten verschiedener Bankhäuser und Börsenexperten.

Reuters FRANKFURT. Möglichweise werde die Zahl der Börsengänge erst nach dem Ende der Berichtssaison zum Geschäftsjahr 2000 wieder steigen, hieß es. Nach der starken Konsolidierung des Neuen Marktes vor allem im vierten Quartal 2000 konzentrierten sich die Anleger verstärkt auf Qualitätstitel mit erfolgsversprechendem Geschäftsmodell.

Chancen auf eine erfolgreiche Emission geben die Experten derzeit vor allem Unternehmen aus den Sektoren Erneuerbare Energien, Biotech und Medizintechnik.



Verunsicherung im Markt

Waren im ersten Quartal 2000 noch knapp 50 Unternehmen aus den Bereichen Internet, Software und IT-Services an den Neuen Markt der Frankfurter Börse gegangen, so haben sich in den ersten sechs Wochen des Jahres 2001 lediglich der Solarzellenhersteller Sunways und der UV-Technologie-Spezialist Dr. Hönle an den Neuen Markt getraut.

Die Aktien von Sunways notierten am Dienstag rund 74 %, die Papiere von Dr. Hönle rund zwölf Prozent über ihrem Ausgabepreis. Die Biopharmazeutik Co.don-Firma wird ihre Aktien am Mittwoch erstmals am Frankfurter Wachstumssegment notieren lassen. Konkrete Termine für weitere Börsengänge sind bislang nicht bekannt.

"Da der Markt nach wie vor verunsichert ist, bleibt einiges in der Pipeline", sagte Aktienstratege Bernd Meyer von der Deutschen Bank. Die erfolgreichen Börsengänge von Sunways und Dr. Hönle sollten jedoch einigen Börsenkandidaten Mut für den Schritt an den Kapitalmarkt machen. Seiner Ansicht nach dürften speziell Unternehmen aus den Bereichen Medizintechnik, Biotech, Opto-Electronic und hochpräzise Entwicklung (High-Precision-Engineering) einen Börsengang in naher Zukunft anvisieren.



Für 2001 wird mit 80 bis 100 IPO´s gerechnet

Von den mehr als 50 Firmen, die im vergangenen Jahr ihren Börsengang auf 2001 verschoben haben, werden seiner Ansicht nach nur rund die Hälfte den Gang an den Kapitalmarkt tatsächlich auch noch realisieren. "Viele IPOs sind durch Übernahme oder einer geänderten Perspektive ihres Geschäftsmodells hinfällig geworden", sagte Meyer. Einen Zeitraum, wann die Anzahl der Neuemissionen wieder anziehen werde, wollte Meyer nicht nennen. Nach 134 Börsengänge im Vorjahr rechnet der Aktienstratege für 2001 mit 80 bis 100 Neuemissionen am Neuen Markt.

Auch Alf Niezold, Leiter Emissionsgeschäft der Hypo Vereinsbank, sieht die Zurückhaltung der Börsenkandidaten in den anhaltenden enttäuschenden Geschäftszahlen vieler High-Tech-Werte begründet. Nachdem die Investoren Anfang 2000 noch alles gekauft hätten, müssten inzwichen die Gewinne der Börsenkandidaten in greifbare Nähe rücken, wollten sie die Anleger überzeugen, sagte Niezold. Gefragt sind seiner Ansicht nach Börsenaspiranten aus den Sektoren Medizin- und Umwelttechnik sowie Erneuerbare Energien.

Mit dem Ende der Veröffentlichungssaison der Geschäftszahlen für 2000 werde die Zahl der Neuemissionen ab dem zweiten Quartal "deutlich anziehen". Ein Emissionsberater, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte: "Die Börsenaspiranten warten alle ab, bis die Berichtssaison vorbei ist. Niemand will riskieren, nach schlechten Meldungen aus seiner Branche erstmals börslich zu notieren." Niezold geht davon aus, dass "deutlich unter 100 Unternehmen" im Jahr 2001 den Gang an den Neuen Markt anstreben.

Norbert Empting, Händler bei der auf den vorbörslichen Handel spezialisierten Börsenmakler Schnigge AG, rechnet fest damit, dass nach dem "dünnen Beginn" die Zahl der Neuemissionen Ende Februar Anfang März deutlich zunehmen werde. "Viele, die in den Startlöchern stehen, warten lediglich auf ein besseres Börsenumfeld", sagte Empting. Den verhaltenen Start wertet Empting als ersten Erfolg auf den Weg zu mehr "Klasse statt Masse". "Lieber nur zwei, drei erfolgreiche Unternehmen am Markt, als sieben oder acht, von denen einige gleich wieder unter ihren Ausgabepreis rutschen", sagte Empting.

Der Händler rechnet mit 35 bis 40 Neuemissionen im ersten Quartal 2001. Gefragt sind seiner Ansicht nach Firmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien. Bei der für Mittwoch anstehenden Erstnotiz von Co.don erwartet er einen ersten Kurs knapp über dem Ausgabepreis von 15,00 Euro.

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