Börsenaufsicht stellt Untersuchungen ein
US-Investmentbanken zahlen Milliardenstrafe

Nach monatelangen Verhandlungen wollte die US-Börsenaufsicht (SEC) nach Angaben aus Kreisen am Freitag die Ergebnisse eines Vergleichs mit mehreren Banken im Zusammenhang mit angeblich irreführenden Analysten-Empfehlungen bekannt geben.

rtr/dpa WASHINGTON/NEW YORK. Rund ein Dutzend Investmentbanken und Börsenmakler stimmten voraussichtlich der Zahlung von insgesamt 900 Mill. bis über eine Milliarde Dollar zu, hieß es aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen. Im Gegenzug beende die SEC ihre Untersuchungen gegen die Institute. Die Firmen sollen zusätzlich in den kommenden fünf Jahren insgesamt 500 Mill. Dollar für den Zukauf von Aktienanalysen unabhängiger Analysten zahlen.

Den Banken war vorgeworfen worden, Branchenexperten aus ihren Reihen hätten gegen besseres Wissen geschönte Analysen von Unternehmen verfasst, um den Firmen und ihren Managern gefällig zu sein. Einen Teil des Geldes sollen die Banken den Angaben zufolge in einen Entschädigungsfonds für Anleger einzahlen.

Die höchste Zahlung mit rund 350 Mill. Dollar leistet den Angaben aus den Kreisen zufolge die Konzernmutter der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB), der weltweit größte Finanzkonzern Citigroup Inc.. Die Mutter von Credit Suisse First Boston (CSFB), die Credit-Suisse-Gruppe , solle etwa 150 Mill. Dollar zahlen.

Bear Stearns, die Deutsche Bank, Goldman Sachs, J.P. Morgan Chase, Lehman Brothers, Morgan Stanley und UBS Warburg sollen mit jeweils rund 50 Mill. Dollar zur Kasse gebeten werden. Die U.S. Bancorp Piper Jaffray und Thomas Weisel Partners sollen insgesamt 50 Mill. Dollar zahlen. Somit kämen die Strafen auf 975 Mill. Dollar, berichtet die "New York Times" in ihrer Online-Ausgabe. Die Firmen nahmen keine Stellung.

Wie aus den Kreisen weiter verlautete, sieht der Vergleich zudem vor, dass die Institute ihren Research-Bereich deutlicher vom Investmentbanking-Geschäft trennen. In Zukunft sollten die Banken auch mehr Klarheit schaffen über ihre Beziehungen zu Unternehmen, die von ihren Analysten abgedeckt werden.

Rund drei Monate lang hatte die SEC in Zusammenarbeit mit Vertretern der betroffenen Banken einen so genannten "umfassenden Vergleich" ausgearbeitet. Vor gut einem halben Jahr hatte bereits die Investmentbank Merrill Lynch der Zahlung von 100 Mill. Dollar zur Beilegung ähnlicher Vorwürfe zugestimmt.

Mit dem Vergleich, der noch formal abgeschlossen werden muss, erreicht die eineinhalb Jahre lange Untersuchung des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer und anderer Aufsichtsbehörden über die Vorgänge an der Wall Street ihren vorläufigen Abschluss.

"Hoffentlich werden die Regeln des potenziellen Vergleichs das Vertrauen der Investoren wiederherstellen, indem die Integrität des Marktes wiederhergestellt wird", erklärte Spitzer der "New York Times". Er wollte mit der Untersuchung die kleinen Anleger schützen.

Die Interessenkonflikte waren während der langen Hausse gegen Ende der neunziger Jahre nicht ans Licht gekommen, weil die Anleger den euphorischen Empfehlungen der Analysten bedenkenlos glaubten. Diese machten aber teilweise intern die Aktien schlecht, die sie den eigenen Kunden zum Kauf empfahlen.

Die Wall-Street-Firmen holten sich auch in großem Stil Investmentbankaufträge herein, indem sie zu positive Aktienbewertungen machten. Sie teilten vielen Bossen von Firmen, deren Aktien und Anleihen sie an die Börse bringen wollten, zu sehr niedrigen Kursen Wertpapiere bei Erstemissionen zu.

Seit März 2000 hat die dramatische Baisse die Investoren acht Billionen Dollar gekostet, und die Interessenkonflikte der Wall - Street-Firmen wurden durch die Untersuchung Spitzers offenkundig. Inzwischen laufen auch zahlreiche Aktionärsklagen.

In Zukunft dürfen Analysten ihren Firmen nicht mehr helfen, Investmentbankaufträge zu gewinnen. Die Investmentbanker dürfen Analysten nicht mehr beeinflussen und auch nicht mehr über die Bezahlung der Analysten mitentscheiden. Die Einhaltung der Vorschriften muss firmenintern überwacht werden.

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