Börsenexperten geben Grundsätze für die Zuteilung von Aktien vor
Neue Regeln für neue Aktienemissionen

Bei Aktienemissionen häufen sich Klagen die Zuteilungsmethoden. Das Finanzministerium will für Transparenz sorgen. Allerdings sind die neuen Regeln weich formuliert.

FRANKFURT/M. Die Bundesregierung reagiert auf die Kritik vieler Privatanleger. Die Zuteilung bei Börsengängen soll künftig durchsichtiger werden und weniger Anlass für Verärgerung bieten. Heute legen Börsenexperten in Frankfurt Leitlinien für den Umgang mit Neuemissionen vor. Erarbeitet wurden die "Grundsätze für die Zuteilung von Aktienemissionen an Privatanleger" durch eine vom Finanzministerium eingesetzte Börsensachverständigenkommission.

Wie aus den Verhaltensrichtlinien hervorgeht, die dem Handelsblatt vorliegen, werden die Emittenten, Kreditinstitute und andere Wertpapierdienstleister ab dem 1. Juli verpflichtet, in einer Pressemitteilung und im Internet die wichtigsten Merkmale der Zuteilung vor und nach einer Emission bekannt zu geben. Die Zulassungsstellen an den deutschen Börsen und das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel überwachen die Einhaltung der Grundsätze. Ihre Sanktionsmöglichkeiten bei einem Fehlverhalten sind jedoch eingeschränkt. Sie können nur durch das Schaffen von Öffentlichkeit Druck auf Banken und Unternehmen machen. Allerdings haben die Banken einen Ruf zu verlieren. Zudem gehören die Spitzen wichtiger Emissionshäuser wie Rolf-E. Breuer, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, und Uwe E. Flach, Vorstand der DG Bank, der Börsensachverständigenkommission an. Das Gremium berät Berlin in Kapital- und Börsenfragen.

Die "Pflichten des Emittenten" sind jedoch weich formuliert. So sollen von den Unternehmen bereits vor dem Beginn der Zeichnungsfrist nur "Einzelheiten über das Zuteilungsverfahren veröffentlicht werden, soweit sie bis zu diesem Zeitpunkt zwischen Emittent und Konsortialführer vereinbart wurden". Das gelte insbesondere für das Zuteilungsverfahren, das bei einer Überzeichnung für Privatanleger zum Zuge komme. Erwähnt wird auch der Anteil der so genannten "Friends and Family-Programme", der etwa für Mitarbeiter und Geschäftsfreunde reserviert wird. Er liegt nach den Erfahrungen der DG Bank bei 6 bis 7 Prozent. Nach Abschluss der Zuteilung fordert die Kommission, eine genaue Aufsplittung des Emissionsvolumens in einzelne Anlegergruppen vorzunehmen. Zudem sollen verbindliche Vorgaben für die Zuteilung an Privatanleger bei einer Überzeichnung getroffen werden, etwa per Los oder anhand einer bestimmten Quote.

Angesichts von massiven Überzeichnungen wie beim Halbleiter-Hersteller Infineon hatten Aktionärsschützer wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz immer wieder transparentere Regeln gefordert. Bisher ist die DG Bank Vorreiter auf diesem Gebiet. Seit dem Börsengang von Ifao im Januar 1999 legt sie den Verteilungsschlüssel bei den von ihr geführten Emissionen offen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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