Börsenflaute verantwortlich für mangelndes Interesse
Xetra Best legt einen Fehlstart hin

Jetzt können die Banken Aufträge von Kleinanlegern intern abwickeln. Umsätze gab es auf dem Handelssystem Xetra Best zunächst zwar noch keine. Commerzbank und HVB wollen aber in den nächsten Tagen an den Start gehen. Den großen Schub erwartet die Deutsche Börse zum Jahreswechsel.

FRANKFURT/M. Das neue Handelssystem Xetra Best der Deutschen Börse AG, Frankfurt, erlebte einen Fehlstart. Nach Angaben der Börse lief bis zum Nachmittag kein einziges Geschäft über die speziell auf Kleinanleger zugeschnittene Plattform, die offiziell frei geschaltet wurde. Noch vor wenigen Monaten war von 13 potenziellen Teilnehmern die Rede.

Dennoch ist die Börse weiter vom Erfolg von Xetra Best überzeugt. "Wir gehen davon aus, dass bereits morgen der erste und Anfang nächster Woche der zweite Teilnehmer mitmacht", sagt Marcus Zickwolff, der als Chef von Xetra Products bei der Börse für das neue System verantwortlich ist. Bei diesen Banken handelt es sich offenbar um die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank (HVB), die ihren Kunden eigenen Angaben zu Folge Xetra Best "in den nächsten Tagen" anbieten wollen.

Das neue System ermöglicht den Banken die so genannte Internalisierung des Handels: Sie können Aufträge von Kleinanleger nunmehr entweder gegen die eigenen Bestände ausführen oder Kauf- und Verkaufsaufträge ihrer Kunden gegeneinander abwicklen. Dank dieses hausinternen Handels müssen die Banken künftig nicht mehr alle Kleinanleger-Aufträge - wie bisher üblich - an die Börsen leiten. Für die Kreditinstitute hat dieses Modell, das der Handelsform in Großbritannien und den USA ähnelt, den Charme, dass sie an der Spanne zwischen An- und Verkaufspreis (Spread) verdienen können. Die Deutsche Börse wiederum verspricht den Kleinanlegern beim Handel über Xetra Best vor allem zwei Vorteile. Erstens werden ihre Aufträge sofort ausgeführt. Zweitens muss die Bank ihren Kunden einen zumindest minimal besseren Preis gewähren als er im normalen Xetra-Handel zu erhalten wäre.

Die geringe Resonanz des neuen Systems überrascht insofern, als dass die Börse Xetra Best vor allem auf Drängen der Banken einführte. Diverse Institute, allen voran die Deutsche Bank, basteln seit längerem an Internaliserungs-Systemen oder denken zumindest darüber nach. Um dem Abwandern von Geschäft vorzubeugen, hatte sich die Börse Anfang diesen Jahres zum Aufbau einer eigenen Internalisierungsplattform entschlossen.

Schub erst im nächsten Jahr?

Dass die Euphorie der Banken längst verrauscht ist, liegt an der anhaltenden Börsenflaute. Kleinanleger handeln heute viel weniger als während des Börsenbooms Ende der neunziger Jahre. "In der derzeitigen Marktlage macht Xetra Best nur eingeschränkt Sinn", so ein führender Mitarbeiter eines Handelshauses. Dazu kommt neben technischen Problemen, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken nach Meinung von Fachleuten in vielen Fällen an das neue System angepasst werden müssen. Nach Angaben aus Finanzkreisen wollen einige Institute abwarten, bis das Kartellamt die entsprechenden Änderungen der Paragraphen abgesegnet hat. Dies dürfte spätestens Ende des Jahres der Fall sein. Die Deutsche Börse ist optimistisch, dass sich dann weitere Teilnehmer Xetra Best anschließen. "Wir erwarten einen großen Schub im neuen Jahr", so Zickwolff. Bis dahin würden sich voraussichtlich noch einige kleinere Häuser an das System andocken.

So lange wollen Commerzbank und HVB nicht warten. Man wolle den Kunden den besseren Service anbieten, begründet ein HVB-Sprecher die schnelle Teilnahme. Die Bank selbst profitiere von den geringeren Kosten bei der Abwicklung der Aufträge. Anders als die Commerzbank wird die HVB die Aufträge ihrer Kunden nicht selbst abwickeln. Diesen Part, im Fachjargon "Best Executor" genannt, werden zwei Maklerhäuser im Auftrag der HVB übernehmen. Bei einem der beiden soll es nach Informationen aus Finanzkreisen um den Frankfurter Makler Fleischhacker handeln.

Auch andere Börsenmakler hoffen, als Best Executor zum Zuge zu kommen. Dazu zählt etwa der Düsseldorfer Makler Lang & Schwarz. Allerdings fand das Unternehmen bisher keine Bank, für das es tätig werden könnte. Sobald sich dies ändere, wolle man bei Xetra Best mitmachen, sagte Lang & Schwarz-Vorstand Günter Soubusta auf Anfrage. Allerdings sei wegen der aktuellen Marktlage eine schneller Einstieg bei Xetra Best "eher unwahrscheinlich". Grundsätzlich hält er aber Internalisierungsplattformen für äußerst zukunftsträchtig, weil die Anleger die sofortige Ausführung ihrer Aufträge wünschten, die im normalen Xetra-Handel nicht gewährleistet ist.

Betont zurückhaltend gibt sich auch die Deutsche Bank, die in Finanzkreisen lange Zeit als treibende Kraft hinter der Entwicklung von Xetra Best angesehen wurde. Grundsätzlich stehe die Bank als Best Executor zur Verfügung, erklärte ein Sprecher. "Zurzeit ist aber nicht damit zu rechnen, dass wir Aufträge bekommen." Auch den eigenen Kunden bietet die Deutschlands größte Bank den Handel über Xetra Best derzeit nicht an.

Mit großem Interesse dürfte der Start von Xetra Best von der Nasdaq Deutschland verfolgt werden. Unter diesem Namen will die US-Börse gemeinsam mit der Commerzbank und der Dresdner Bank sowie den Börsen in Berlin und Bremen ab Anfang 2003 ebenfalls eine Internalisierungsplattform anbieten. Sollte Xetra Best nicht in Schwung kommen, wäre dies für die Erfolgschancen der Nasdaq in Deutschland ein empfindlicher Dämpfer.

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