Börsenflaute zwingt Firmen zur Abschreibung eigener Aktien-Bestände
Aktienrückkauf kann teuer werden

Die Börsenschwäche trifft einige Firmen hart. Sie müssen den Wert ihrer eigenen zurückgekauften Aktien abschreiben. Für die Kritiker solcher Rückkaufprogramme ist das Wasser auf ihre Mühlen.

FRANKFURT/M. Auf den ersten Blick klingt die Nachricht gut: Der Bodenbelag-Hersteller Rinol wird nach roten Zahlen in 2001 in diesem Jahr wieder ein positives Ergebnis schreiben. Doch Freude will darüber bei den Aktionären nicht so recht aufkommen. Der Grund: Das Ergebnis könnte noch besser sein, bekäme Rinol nicht die Folgen seines Aktienrückkaufprogramms zu spüren. Nun drücken Abschreibungen auf eigene Aktien den Ertrag.

10,5 Mill. Euro hatte das Rinol-Management ursprünglich als Vorsteuerergebnis im Jahr 2002 geplant. Herauskommen werden am Jahresende wohl zwischen 7 und 8 Mill. Euro. Ursache sind Kosten für Abschreibungen auf eigene Aktien, die sich zusammen mit Währungseffekten allein bis Ende September zu einem Aufwand von 1,9 Mill. Euro summierten.

Rinol ist kein Einzelfall. Betroffen sind Unternehmen, die eigene Aktien zurückgekauft haben, um diese als Akquisitionswährung oder im Rahmen von Optionsprogrammen für Mitarbeiter einzusetzen (siehe Stichwort) und deren Papiere seitdem deutlich verloren haben. Besonders bitter: Da erst bei einer dauerhaften Wertminderung abgeschrieben werden muss, ist das Signal an die Investoren überdeutlich. Denn das Management räumt ein, nicht mit einer Erholung der eigenen Aktie zu rechnen. Diesen Schritt musste zum Beispiel die BHW Holding AG in Hameln gehen. 159,4 Mill. Euro schrieb die Bausparkasse in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf eigene Aktien ab. Nicht ganz so hart trifft es den High-Tech-Konzern Jenoptik. Dort musste das Management Abschreibungen von 6 Mill. Euro auf eigene Papiere in die Bilanz aufnehmen.

Experten rechnen mit ähnlichen Schritten bei weiteren Firmen. "Vor allem Unternehmen, deren Programme sich dem Ende der gesetzlichen Frist von 18 Monaten nähern, müssen prüfen, ob abgeschrieben werden muss", sagt Anne Schurbohm von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Die bitteren Schritte der Finanzchefs sind Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Aktienrückkauf sei doch nur die zweitbeste Möglichkeit, zu investieren, sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Zwar hätten die Firmen die Kursentwicklung nicht absehen können. "Aber es stellt sich die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, das Geld unternehmerisch einzusetzen", sagte Hocker.

Freilich gibt es auch positivere Gegenbeispiele: So hat die Schering AG in diesem Jahr bereits zwei Programme in einem Gesamtwert von 250 Mill. Euro aufgelegt und damit einen deutlichen Kursverfall verhindern können. Auch bei der Deutschen Bank läuft ein umfangreiches Programm, BASF hat seinen Aktienrückkauf ebenfalls positiv beenden können.

Dennoch, die Kritiker bleiben wachsam: "Wir schauen uns die Rückkaufprogramme ganz genau an. Es ist an den Unternehmen zu belegen, dass ein solcher Schritt sinnvoll ist", sagt Rolf Drees, Sprecher der Union-Investment. Vor allem Firmen, die den Kauf eigener Aktien zur Kurspflege einsetzen, müssen besonders gute Argumente haben. Denn die positive Wirkung der teuren Programme auf den Kurs ist in der Regel schnell verpufft.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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