Börsenforum des DAI
Aktieninstitut kritisiert die Mitbestimmung

Auf dem DAI-Börsenforum in Frankfurt formulierte Kley dazu am Dienstag gestern drei Thesen: Europäisches Gesellschaftsrecht müsse sich an den Interessen der Unternehmen ausrichten, allen Zielgruppen ausreichend Flexibilität bieten und sich an den Anforderungen des Kapitalmarktes orientieren, ohne allerdings seinem Diktat zu gehorchen.

vwd FRANKFURT/M. Das "Herzstück" seien dabei die Unternehmen, sagte Kley. Angesichts der derzeitigen weltwirtschaftlichen Lage und der Konjunkturprognosen für das kommende Jahr sei eine rasche Kehrtwende der Weltwirtschaft nicht in Sicht. Dringend notwendig seien daher Reformen, die in allen Bereichen - nicht nur im Gesellschaftsrecht - Anstöße für Investitionen geben. "Die Risikobereitschaft aller Marktteilnehmer muss gesteigert werden", betonte der BASF-Chef. Dies werde jedoch keinesfalls durch Überregulierungen erreicht.

Mit Blick auf das Projekt einer "Europäische Aktiengesellschaft" kritisierte Kley vor allem die deutsche Mitbestimmung. Dieses System sei für das übrige Europa unattraktiv. Deutschland wäre gut beraten darüber nachzudenken, ob das, was vor 30 Jahren auf nationaler Ebene gut war, heute in Europa nicht entscheidender Standortnachteil sei.

Zum Durchbruch beim Corporate Governance sagte Kley, hier zeige sich die immer noch vorherrschende Pluralität der Gesellschaftsrechtssysteme. Der deutsche Kodex sehe vor, dass die Vergütung der Vorstandsmitglieder individualisiert ausgewiesen werden soll.

Tatsächlich sei es für den Anleger eine wichtige Information und gegebenenfalls ein Investitionskriterium, in welchem Umfang und in welcher Zusammensetzung leistungs- und aktienkursabhängige Zahlungen an das Management geleistet werden. Ob es aus finanzanalytischer Sicht von Interesse ist, die Bezüge jedes einzelnen Vorstandsmitglied offenzulegen, dürfe bezweifelt werden. Menschliche Neugier reiche nicht aus, um neue Publizitätsvorschriften zu etablieren.

Vor dem Hintergrund des Verbraucher- und Anlegerschutzgedankens tendiert der europäische Gesetzgeber nach Meinung von Kley zu einem "zu viel" an Regulierungen. Dies sei ebenso schädlich für den Investitionsstandort wie ein großes Regulierungsgefälle. Kley sprach sich für eine "Mindestharmonisierung" in dem Sinne aus, dass sich Spielräume für nationale Besonderheiten in einem hohen Maße ergeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%