Börsengang der südafrikanischen Telefongesellschaft hat Signalcharakter
Wenig Interesse an Südafrikas Telkom

Südafrika hat 25 Prozent seiner Telefongesellschaft Telkom an die Börse gebracht. Doch ausländische Anleger sind wegen möglicher Währungsschwankungen zurückhaltend.

KAPSTADT. Trotz Börsenbaisse hat Südafrika gestern 25 % seiner staatlichen Telefongesellschaft Telkom in Johannesburg und New York an die Börse gebracht. Insgesamt erhielt der Staat für die von ihm zum Verkauf angebotenen 139 Mill. Aktien eine Summe von etwa 3,9 Mrd. Rand (451 Mill. Euro). Bei der Emission handelt es sich um den bislang größten IPO eines südafrikanischen Staatsunternehmens.

1,5 Mill. Südafrikaner haben sich für Aktien der Telkom registrieren lassen. Der schwarzen Bevölkerung hat Südafrikas Regierung 20 % Nachlass gewährt. Der Preis der Telkom-Aktie lag mit 28 Rand mehr als 10 % unter dem Ende Januar zunächst angestrebten Ausgabepreis. Im ersten Handel fiel der Kurs nach anfänglichen Gewinnen auf 27,80 Rand. "Es gab kein allzu großes Interesse an den Aktien", sagt Meloy Horn, Telekom-Analystin bei Merrill Lynch.

Mehrmalige Verzögerungen bei der Telkom-Privatisierung haben den südafrikanischen Staat viel Geld gekostet: Erst vor 18 Monaten hatten Analysten den Marktwert des Unternehmens von 110 Mrd. auf 25 Mrd. Rand reduziert.

Ausländische Anleger waren bei der Privatisierung eher zurückhaltend. Grund dafür ist der starke Anstieg der südafrikanischen Währung gegenüber dem Dollar. "Der starke Rand und die Unsicherheit über seine Zukunft werden ausländische Investoren, deren Gewinne in Dollar berechnet werden, abschrecken", befürchtet Horn.

Dabei befindet sich die südafrikanische Telkom in guter Verfassung: Abgesehen vom Festnetz, das mit rund 5 Mill. Anschlüssen kaum mehr wachsen wird, besitzt Telkom 50 % an dem lukrativen Mobilfunkbetreiber Vodacom, der den südafrikanischen Markt mit einem Anteil von fast 60 % dominiert. Rund 13 Mill. Südafrikaner benutzen bereits Mobiltelefone - knapp ein Drittel der Bevölkerung Südafrikas. Außerdem expandiert der Konzern auf dem afrikanischen Kontinent.

Im letzten Geschäftsjahr (bis 31. März 2002) wies die Telkom einen Reingewinn von 1,22 Mrd. Rand aus; im folgenden Halbjahr per 30. September waren es 644 Mio. Rand. Weiteren Aufwind erhielt das Unternehmen zuletzt auch dadurch, dass die beiden Bewerber für eine zweite Festnetz-Lizenz Ende Januar von der Regulierungsbehörde wegen ihrer finanziell unzureichenden Offerten abgelehnt wurden. Insofern bleibt die Telkom zumindest für die nächsten 18 Monate dort Monopolist.

Gerade für ausländische Fondsmanager gilt der Telkom-IPO als Testballon: "Wenn das ein Flopp wird, dürften ausländische Investoren für weitere Erstemissionen kaum zu begeistern sein", kommentiert Rodger Walters, Fondsmanager bei Abvest Associates. Mit weiteren Privatisierungen will die Regierung die Effizienz der südafrikanischen Wirtschaft steigern, die seit Jahren nicht über Wachstumsraten von durchschnittlich etwa 3 % hinauskommt. Bislang ist das Privatisierungsprogramm am Kap indes nur im Schneckentempo vorangekommen und hat sich, wie jetzt auch bei der Telkom, auf den Verkauf von Minderheitsbeteiligungen an staatlichen Unternehmen beschränkt.

Südafrika besitzt rund 300 staatliche Firmen. Die meisten von ihnen sind jedoch wie die Freizeitkette Aventura klein und wenig bekannt. Andere gehören zu den größten Arbeitgebern im Land. Insgesamt werden die 12 größten Staatsunternehmen mit rund 250 Mrd. Rand bewertet. Etwa 90 % davon stellen die so genannten "Big four" - die Telkom, der Versorger Eskom, die Transportgruppe Transnet und der Waffenproduzent Denel.

Symptomatisch für die schleppende Privatisierung stehen der Börsengang des nationalen Carriers South African Airways (SAA) und der Airports Company, die einstweilen auf unbestimmte Zeit verschoben wurden. Schlimmer noch: Nach dem Bankrott der Swissair hat der südafrikanische Staat seinen erst im Juni 1999 an die Schweizer Airline verkauften 20%-Anteil an der SAA inzwischen zurückgekauft und damit die südafrikanische Fluggesellschaft zumindest zeitweilig wieder in den Besitz des Staates überführt. Allerdings lag der Rückkaufpreis um über 70% unter dem Betrag, den die Swissair drei Jahre zuvor gezahlt hatte.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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