Börsengang geplant
Enro AG will eine Million Tonnen Kohlendioxid einsparen

HB ESSEN. Wenn die Klimakonferenz sich am Ende doch auf konkrete Vorgaben zur Minderung von Kohlendioxid-Emissionen einigt, ist eine kleine Firma in Essen längst darauf vorbereitet. "Insgesamt eine Million Tonnen Kohlendioxid könnten durch unsere Projekte eingespart werden", sagte der Vorstands-Vorsitzende der Enro AG, Karlheinz Bund, dem Handelsblatt. Zum Vergleich: Die Bundesregierung will nach dem im Oktober beschlossenen Klimaschutzprogramm den CO2-Ausstoß bis 2005 um bis zu 70 Mill. Tonnen reduzieren. Da zählt 1 Mill. schon viel.

Dass die Enro ihr Ziel erreicht, nimmt man dem bedächtig lächelnden Bund ohne weiteres ab: Schließlich ist er kein geringerer als der langjährige Vorstands-Chef des Ruhrkohle-Konzerns. Dort hatte er zuletzt 120 000 Beschäftigte unter sich, jetzt 45. "Ich wollte immer am Leben dran bleiben", begründet der 75-Jährige sein Engagement. Und ist wohl gleichzeitig einer der innovativsten Unternehmer in Deutschland. Die Enro hat ein Programm namens "Eos" entwickelt, das vom Namen her an die Göttin der Morgenröte erinnert, sachlich aber "Energiewirtschaft ohne Schadstoffe" meint. Bunds vor 15 Jahren gegründete Firma mit einem Umsatz von zuletzt 16,7 Mill. DM (1999) hat langjährige Erfahrungen in der Projektentwicklung dezentraler Energie-Anlagen unter Einsatz von Technologien, die insbesondere die Schadstoffe reduzieren. Angesichts der Anreize durch die ökologische Steuerreform und das Erneuerbare-Energien-Gesetz wachsen auch die Geschäftsfelder. Enro will unter anderem in Ludwigsfelde ein Bio-Heizkraftwerk bauen, im Stahlwerk Beeckerwerth sowie in der Raffinerie Scholven Abwärme nutzen und Wärmepumpen-Technologie Hausbesitzern als Komplett-Paket anbieten. "Geplant ist ein Investitionsvolumen von mehr als 100 Millionen Mark", erläutert Bund. Um die neuen Projekte zu verwirklichen, will Enro in wenigen Wochen an die Börse gehen. Das Umfeld sieht Bund, der ehemals zum kleinen Kreis der mächtigsten Wirtschaftsführer Deutschlands zählte, als gut an: "Wir sind ein solides Unternehmen." Die Bookbuilding-Spanne der Aktien werde voraussichtlich zwischen 15 und 20 Euro liegen. Die Chance der Enro-Aktie, die voraussichtlich nicht an den Neuen Markt kommt, liege auch darin, dass viele Fonds gerade im Ökologie-Bereich nach Anlagen suchten.

Doch wolle er mit seiner Firma auch nicht zu groß werden, betont Bund. Die Aufgabe, individuelle Lösungen zu suchen, werde bei dem Trend zu immer dezentralerer Energieversorgung wachsen. "Dies ist ein typischer Platz für Mittelständler." Das bedeute nicht, dass globales Denken hier nicht gefragt sei. In China hat Bund gerade einen Strom-Abnahme-Vertrag für ein Kohlekraftwerk mit hohem Wirkungsgrad unterzeichnet. Werden die Klima-Mechanismen in Den Haag verabschiedet, könnte die Enro dieses Engagement durch Emissions-Gutschriften vergütet bekommen. Mögliche Zertifikate würden laut Bund zwar auch bei den anderen Projekten noch nicht in die Kalkulation aufgenommen. Doch eines steht für den Unternehmer fest: "Wir haben das Gefühl, dass wir in die richtige Richtung arbeiten."

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