Börsengang im kommenden Jahr geplant - Gehobene Zielgruppe im Visier
Holtzbrinck Networxs baut Internet-Holding auf

Die Holtzbrinck Networxs AG hat sich ein hohes Ziel gesetzt: "Wir wollen einer der ersten Ansprechpartner in Deutschland für Internet-Firmen werden", sagt Vorstandsmitglied Helmar Hipp. Die im April gegründete Beteiligungstochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck will das erreichen, in dem sie einerseits die Vorteile der Verbindung zu einer der führenden deutschen Medienhäuser betont, andererseits aber auf Distanz zur Mutter bleibt.

Als Vorteile führt Hipp den Namen, das Netzwerk und die Erfahrung der Verlagsgruppe ins Feld, die es erleichtern, für die jungen Portfoliounternehmen Top-Partner wie T-Online und den Axel Springer Verlag zu gewinnen. Außerdem erhalten die Firmengründer nicht nur frisches Kapital von Holtzbrinck Networxs, sondern auch Anzeigenkampagnen in den Produkten der Gruppe, also etwa im Handelsblatt oder der Wirtschaftwoche. Das heißt, Holtzbrinck Networxs bezahlt seine Beteiligungen zum Teil mit Kapital und zum Teil mit Media-Leistungen.

Holtzbrinck platziert mehrere Internet-Spieler

Auf der anderen Seite betont Hipp jedoch die Eigenständigkeit der Networxs AG, die sich sowohl organisatorisch als auch in der Geschäftspolitik ausdrücke. "Wir agieren autark und beteiligen uns auch an Projekten, die keine offensichtliche Entsprechung im Verlagsgeschäft haben", sagt er. Überschneidungen mit anderen Internet-Aktivitäten der Verlagsgruppe wie etwa der Economy One AG, ehemals Handelsblatt Online AG, nehme der Konzern bewusst in Kauf. "Holtzbrinck will Spieler in verschiedenen Internet-Marktsegmenten platzieren", erklärt Hipp. Das bisherige Networxs-Portfolio (siehe Kasten) lässt sich in vier Gruppen unterteilen: Information (Infoseek, Xipolis), vertikale Internet-Portale (Jobline, Immowelt, The Motley Fool), Firmenkundengeschäft - B2B (Newtron) - und elektronisches Lernen (Clickfish, Myschool, E-Fellows). Das einzige klassische E-Commerce-Projekt ist der Internet-Buchhändler Booxtra. "Wir machen keine Massenprodukte, sondern wenden uns an gehobene Zielgruppen", sagt Hipp. "Wir werden zum Beispiel kein Sport-Portal finanzieren", fügt er hinzu.

Holtzbrinck Networxs sieht sich nicht nur als Geldgeber, sondern als strategischen Partner: Die Gesellschaft strebt Beteiligungen von mehr als 25 % an und greift stärker als klassische Wagniskapitalgeber in das operative Geschäft der jungen Unternehmen ein. "Von unseren 25 Leuten sind drei reine Finanzexperten, alle anderen haben Management-Erfahrung in Funktionen wie Marketing, Vertrieb und Informationstechnologie", sagt Hipp. "Wir können mit den Beteiligungsfirmen viel besser über Inhalte diskutieren als klassische Venture-Capitalisten."

Venture-Capital-Firmen keine Konkurrenz

Die Internet-Beteiligungstöchter von Verlagen wie Springer oder Burda und auch herkömmliche Venture-Capital-Gesellschaften sieht Hipp nicht als Konkurrenz. Er beruft sich vielmehr auf große Internet-Holdings wie CMGI und ICG aus den USA und Softbank aus Japan als Vorbilder. Diese standen allerdings zuletzt an der Börse schwer unter Druck: Anstatt Synergieeffekte innerhalb der Gruppe zu honorieren, bestraften die Anleger die Holdings sogar mit einem Abschlag auf den addierten Wert aller Beteiligungen. CMGI hat sich daraufhin sogar einen radikalen Kurswechsel verordnet: von der lockeren Investment-Holding baut sich die US-Gesellschaft praktisch zu einem Konzern mit fünf Geschäftsfeldern um.

Wert des Portfolios seit April verdoppelt

Hipp glaubt trotzdem an die Synergien zwischen den Portfolio-Unternehmen. Was CMGI jetzt ändere, habe Holtzbrinck Networxs im Prinzip schon berücksichtigt. Der Wert des eigenen Portfolios habe sich seit April mehr als verdoppelt. Es komme eben auf eine sorgfältige Auswahl der Beteiligungen an. "Die Geschäftsmodelle dürfen nicht zu einfach sein, sie müssen auf mehreren Säulen ruhen", sagt er. Networxs werde sich vor allem an Unternehmen beteiligen, deren Gründer schon seit Jahren auf ihrem Markt tätig seien. "Wir haben zahlreiche B2B-Investitionsprojekte geprüft, konnten aber außer Newtron bisher keine Perlen entdecken", so Hipp. Den meisten Gründern habe eben die Markterfahrung gefehlt. Bisher hat die Gesellschaft 70 Mill. DM in zehn Beteiligungen investiert. Bis Jahresende sollen es zwölf Beteiligungen und Ende 2001 dann 30 sein. Für 2001 ist der Börsengang geplant.

"Das ist aber nur eine Möglichkeit zur Finanzierung des weiteren Wachstums", stellt Hipp klar. Schon jetzt sucht er strategische Finanzpartner, die langfristig Geld in die Holtzbrinck Networxs AG stecken wollen. Das Geld wird für die Internationalisierung gebraucht. Die Gesellschaft will sowohl Startups ins europäische Ausland begleiten als auch ausländischen Firmen auf den deutschen Markt helfen. Längerfristig sei dabei auch eine Kooperation mit einem internationalen Partner denkbar.

Das Portfolio der Holtzbrick Networxs AG

Infoseek Deutschland: Internet-Suchmaschine mit Partnern T-Online und Axel Springer Verlag, Gewinnschwelle erreicht.

Xipolis: Internet-Dienst und Wissensportal mit Brockhaus-Verlag als Partner, ist mit Xibiz auch im B2B-Bereich aktiv.

Jobline.de: Online-Jobbörse, Joint Venture mit Jobline International.

Immowelt: Einer der führenden Online-Immobilienseiten in Deutschland, europaweiter Ausbau geplant.

The Motley Fool: Deutscher Ableger der zweitgrößten Website für private Investoren der USA.

Newtron: B2B-Handelsplattform, führend z.B. in Plastik, Elektrotechnik, Maschinenbau und Telekommunikation.

Clickfish: Experten-basiertes Informationsnetzwerk.

E-Fellows: Internet-Plattform für Studenten, Partner sind McKinsey und die Deutsche Telekom.

Booxtra: Buchhandel mit T-Online, Springer, Weltbild.

Myschool:

Neues Projekt für elektronisches Lernen, im Aufbau.

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