Börsengang in spätestens drei Jahren
Bundesdruckerei expandiert nach England

Die Bundesdruckerei GmbH, Berlin, bekommt eine englische Schwester. Seit gestern gehört die Security Printing and Systems Ltd (SPS)., Chadderton, zu der Gruppe des deutschen Monopolisten für Sicherheitsdokumente, der seit Januar in die Holding Authentos GmbH, Berlin, eingegliedert ist.

hb DÜSSELDORF. Damit wird der ursprüngliche Geld- und Passdrucker Deutschlands internationaler. Mit der SPS soll Authentos schon 2001 ein Drittel ihres Umsatzes in England verdienen. Längst erwirtschaftet die Bundesdruckerei-Gruppe nicht mehr das meiste Geld mit Pässen und Geldscheinen, verbucht sie doch heute über die Orga Kartensysteme GmbH etwa die Hälfte ihres Umsatzes mit dem Chipkarten-Geschäft.

Die Gruppe der Bundesdruckerei setzt immer mehr auf Alternativen zum Drucken von Geld und Pässen. Man habe alle Produkte rund um das Geschäft mit der "Echtheit" im Visier, sagte Renate Krümmer, Partnerin bei Apax, Partners und Co., München, zu der die heute 3 500 Mitarbeiter zählende Bundesdruckerei seit Dezember 2000 gehört. Um besser international agieren zu können, trage die Gruppe der Bundesdruckerei seit seit Januar den Namen Authentos. Die neue Holding leiten vier Geschäftsführer.

In England ist die neu erworbene Authentos-Tochter SPS mit 300 Mitarbeitern laut Krümmer der alleiniger Hersteller von Pässen und Sicherheitsdokumenten im öffentlichen Bereich. SPS erwirtschaftete einen Umsatz von 135 Mill. DM und sei ähnlich profitabel wie die Bundesdruckerei. Ernst-Theodor Menke, einer der beiden Bundesdruckerei-Geschäftsführer, sagte, die deutsche Schwester habe im Jahr 2000 bei einem Umsatz von 1,1 Mrd. DM ein operatives Ergebnis vor Steuern von 180 Mill. DM erwirtschaftet. Der Gewinn nach Steuern habe "deutlich im zweistelligen Bereich" gelegen. Der Kaufpreis für die SPS liegt nach Angaben von Menke gegenüber dem Handelsblatt zwischen 120 und 160 Míll. DM. Den Kauf habe die Apax durch zusätzliche Eigenkapital-Einlagen finanziert.

Umsatz soll auf 1,6 Mrd. ansteigen

Die Authentos-Gruppe soll kräftig weiterwachsen. Der Umsatz solle im laufenden Geschäftsjahr auf 1,6 Mrd. ansteigen, für 2004 seien 2,4 Mrd. DM geplant. Bereits im Jahr 2001 sollen es 4 000 Mitarbeiter werden. Die Gruppe geht von einem kräftigen organischen Wachstum aus, insbesondere bei der Tochter Orga. In ganz Europa befände sich der Markt für authentische Produkte in einer Konsolidierungsphase. So habe das Management eine lange Liste von Kandidaten im Blick, die es noch zusätzlich erwerben wolle. Dabei könne es sich um reife Technologien ebenso handeln wie um Hochtechnologien, um Wasserzeichen ebenso wie um digitale Unterschriften oder um Chipcards.

Ein Börsengang sei spätestens in drei Jahren vorgesehen, sagte Krümmer, und zwar sowohl auf das deutsche als auch auf das englische Parkett. "Hier wird aber nichts rausgeschmissen", betonte sie. Authentos-Aktien sollten in "homeopathischen Dosen" verkauft werden. Bisher ist geplant, Aktien erst im Zuge einer Kapitalerhöhung von 25 % des Eigenkapitals an neue Anteilseigner zu verkaufen. Die Apax will sich nach Worten von Krümmer mit dem Verkauf ihrer Anteile Zeit lassen.

Euro-Druck soll bis September beendet sein

Für das Drucken von Geld wird sich die Bundesdruckerei schon bald nach neuen Kunden umsehen müssen. Den Großauftrag - das Drucken von 2,3 Milliarden Euroscheinen, und damit etwa einem Siebtel des gesamten europaweiten Eurobedarfs für 2001 - will sie bis zum September beendet haben. Heute macht das Drucken von Geld weniger als ein Zehntel des Umsatzes der Druckerei aus. Einen großen Wachstumsmarkt sieht die Gruppe im Geschäft mit digitalen Unterschriften.

Der Eigner der Authentos, die Apax-Gruppe, ist einer der weltweit führenden Gesellschaften für privates Beteiligungskapital (Private Equity). Sie beteiligt sich sowohl an jungen Technologiefirmen als auch an etablierten Unternehmen. Nach ein paar Jahren steigt Apax bei den Unternehmen wieder aus und verkauft die Beteiligungen mit Gewinn an der Börse oder an Investoren. Nach Angaben von Krümmer geht die Apax davon aus, dass mit Unternehmen wie Authentos Börsenerlöse um das 15 bis 25fachen des Unternehmensgewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebidta) erzielt werden können. Bundesdruckerei-Geschäftsführer Menke zufolge sei bei einem Börsengang der Authentos ein Erlös vom 22fachen des Ebitdas zu erwarten. Dies entspräche rund 4,4 Mrd. DM.

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