Börsengang in Zeitnot
Post holt zum Doppelschlag aus

Die Deutsche Post will ihre Marktführung ausbauen und hat den französischen Logistiker Geodis und den internationalen Expressdienst DHL ins Visier genommen. Zugleich rücken das Luftfrachtunternehmen FedEx und die französische La Poste enger zusammen.

agr/hz/wm DÜSSELDORF. Zwei Monate vor dem geplanten Börsengang holt die Deutsche Post zu einem neuen Schlag aus. Wie aus Kreisen, die dem Unternehmen nahe stehen, verlautet, hat die Post ein Auge auf das französische Transport- und Logistikunternehmen Geodis geworfen. Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel wird sich am Freitag in Paris aufhalten. Dort wird dann auch mit der Bekanntgabe der Akquisition gerechnet. Zumwinkel bezeichnete diese Informationen gestern gegenüber dem Handelsblatt als "Spekulation".



Außerdem steht der gelbe Riese nach Informationen des Handelsblatts kurz vor der Übernahme der Mehrheit am weltgrößten Expressdienstleister DHL. Die Post und die Lufthansa Cargo AG, die Frachttochter der Lufthansa, hatten erst im April gemeinsam die Führung bei dem Luftexpressdienstleister übernommen. Beide sind zu jeweils über 25 % an DHL beteiligt.



DHL International ist seit längerem ein begehrter Partner der Post. Allerdings sind die Bemühungen zur Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an DHL noch nicht abgeschlossen und können noch scheitern. Dem Vernehmen nach will die Post nicht die Anteile von Lufthansa Cargo übernehmen. In Frage kommt daher ein Kauf der Anteile von Japan Airlines sowie von Mitarbeitern oder den Familien der Unternehmensgründer.



Da DHL als überdurchschnittlich renditestarkes Logistikunternehmen gilt, käme die Übernahme Zumwinkels Strategie entgegen, das Logistikgeschäft der Post zu stärken. Zumwinkel will die Abhängigkeit der Post von den Gewinnen der Briefsparte in Zukunft schrittweise verringern. Bis spätestens 2005 soll der Anteil am Gewinn auf nur noch 50 % fallen. Bislang trägt das Briefgeschäft rund 95 % zum Konzerngewinn von knapp mehr als 1 Mrd. Euro bei. Die andere Hälfte sollen künftig die übrigen drei Geschäftsbereiche Express, Logistik und Finanzdienstleistungen (Postbank) beisteuern.



Die Geodis-Aktie reagierte auf das erneute Aufflammen der Gerüchte um die Übernahme durch die Deutsche Post mit einem Kurssprung. Größte Anteilseigner von Geodis sind die französische Staatsbahn SNCF und die französische La Poste. Das Unternehmen setzte im vergangenen Jahr rund 3,2 Mrd. Euro um und fuhr dabei einen Nettogewinn von 18,6 Mill. Euro ein.



Ende vergangener Woche hatte die im November an die Börse strebende Post kurzfristig die Vorlage ihrer Halbjahresbilanz verschoben und damit Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme genährt. In Bankenkreisen wird vermutet, dass der Börsengang in erhebliche Zeitnot gerät, wenn die Transaktion zu Stande kommt. Bisher wurde als Termin für den Gang an den Aktienmarkt der 6. November ins Auge gefasst.



Mit den geplanten Übernahmen bleibt der Logistikmarkt in Europa weiter in Bewegung. Als Reaktion auf die Expansion der Deutschen Post stricken auch die französische La Poste sowie die britische Post und UPS an einem flächendeckenden Netz in Europa. So rücken nun die französische Post und der US-Expressdienst Federal Express (FedEx) enger zusammen. Das weltweit zu den größten Express-Luftfrachtdienstleistern zählende Unternehmen und die Paket- und Logistikholding der französischen La Poste vereinbarten gestern in Paris, ihre Zusammenarbeit auf den europäischen Markt auszuweiten.



FedEx

und die Schnelldiensttochter der Franzosen, Chronopost International, wollen vor allem in der Logistik und beim Paketdienst zusammenarbeiten. So soll FedEx für den französischen Partner den internationalen Luftverkehr abwickeln, während Chronopost den FedEx-Paketdienst in Europa verstärkt.

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