Börsengang nach Plan - "This is a statement"
Deutsche Bank setzt Signal

Die Deutsche Bank setzt ein Signal. Trotz der Terroranschläge auf das weltgrößte Finanzzentrum wird am morgigen Mittwoch die Notierung der größten europäischen Bank an der New Yorker Börse aufgenommen.

dpa-afx FRANKFURT. Der seit geraumer Zeit feststehende Zeitpunkt war nur für einen kurzen Moment gefährdet. Das 15-köpfige Spitzenteam, das unter Hochdruck die Auflagen und Anforderungen der strengen US-Börsenaufsicht erfüllen musste, war unmittelbar neben den zusammengestürzten Zwillingstürmen des World Trade Centers untergebracht.

Nach erfolgreicher Evakuierung habe die Mannschaft aber unter "enormer psychischer Belastung das Projekt professionell weiter durchgezogen". Dies berichtete Finanzvorstand Clemens Börsig mit großem Respekt für die Leistung seiner Kollegen im geschockten New York. Nach nur kurzer Diskussion sei man aber zum Ergebnis gekommen, gegen die Angriffe der Terroristen ein Signal setzen zu müssen. "This is a statement", betonte Börsig. Auch in den USA sei es positiv aufgenommen worden, dass die größte europäische Bank das Projekt Börsennotierung ohne Abweichung vom ursprünglichen Plan vorantreibe.

Angesichts der Ereignisse wird die Notierung der Deutschen-Bank-Aktie an der nun zehnten internationalen Börse allerdings in bescheidenem Rahmen vollzogen. Keine spektakuläre Feier, kein Journalisten-Tross aus Deutschland, nur wenige Vorstandsmitglieder mit Rolf Breuer an der Spitze werden am Mittwochnachmittag auf dem Parkett der weltgrößten Börse auftreten.

Zusätzliche Reputation und Akquisationswährung

Dennoch ist der Gang an die New York Stock Exchange (NYSE) ein wichtiger strategischer Schritt für den deutschen Branchenführer. Er bringe neben dem Zugang zum größten Kapitalmarkt auch ein zusätzliches Maß an Reputation, beschreibt der Finanzvorstand die Motive seines Hauses. Darüber hinaus würden neue internationale Anleger und Kundengruppen erschlossen. Schließlich besteht die Möglichkeit, die Aktien bei Übernahmen als Zahlungsmittel einzusetzen.

Der äußerst aufwendige Prozess der Registrierung bei der amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC konnte nach Darstellung von Börsig in weniger als 15 Monaten "mit Rekordzeit" abgeschlossen werden. Bereits seit 21. September sind die Aktien bei der SEC registriert.

Einige Beteiligungen sollen verkauft werden

Als Voraussetzung mussten die beiden Konzernabschlüsse 1999 und 2000 nach den amerikanischen Bilanzrichtlinien (US-GAAP) erstellt werden. Das dazu erforderliche Dokument umfasst mehr als 370 Seiten. Über die Kosten des gesamten Projekts wollte der Finanzvorstand keine Angaben machen.

Die in den USA vorgeschriebene Bilanzierungsmethode treibt den Gewinn der Deutschen Bank deutlich in die Höhe. Im Gegensatz zum bisher angewandten IAS-Standard steigt der 2000er Jahresüberschuss im Konzern auf 13,51 (IAS: 4,949) Mrd. Euro. Dies liegt in erster Linie an der Aufhebung der Steuerpflicht beim Verkauf von Beteiligungen von 2002 an.

Im Falle der beabsichtigten Verkäufe von Industriebeteiligungen wie Daimler-Chrysler wird allerdings der Gewinn nach Steuern im Jahr der Veräußerung entsprechend gedrückt. "Das ist nicht wahnsinnig hilfreich für die Transparenz, aber die Gesetzeslage ist glasklar", kommentierte Börsig die Tücken der Bilanz-Umstellung.

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