Börsengang von VWR verschoben
Merck KGaA baut auf Cholesterin-Senker

Mit dem Kauf von Vermarktungsrechten an zwei neuen Cholesterin-Medikamenten will die Darmstädter Merck KGaA die Schwäche in ihrem Pharmageschäft überwinden

shf FRANKFURT/M. . Von der US- Pharmafirma Kos Pharmaceuticals hat Merck die Vertriebsrechte für die Medikamente Niaspan und Advicor außerhalb der USA und Japans erworben.

Die beiden Produkte zur Verbesserung von Blutfettwerten sind in den USA bereits auf dem Markt und befinden sich in Europa im Zulassungsverfahren. Merck zahlt für die Rechte bis zu 61 Mill. $ und räumt Kos eine 25-prozentige Beteiligung an den Nettoumsätzen mit den Medikamenten ein. Die US-Firma erzielte im ersten Halbjahr gut 70 Mill. $ Umsatz, doppelt so viel wie im Vorjahr

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Medikamente gegen erhöhte Cholesterinwerte sind seit einigen Jahren bereits ein besonders wachstumsstarkes und lukratives Geschäft für die Pharmabranche. Dominiert wird das Segment vor allem von Wirkstoffen aus der Gruppe der Statine, darunter zum Beispiel Lipitor, das Spitzenprodukt von Pfizer.

Allerdings versuchen Pharmafirmen weiterhin Präparate mit anderen Wirkmechanismen zu entwickeln. Der US-Konzern Merck & Co, der mit der deutschen Merck KGaA keine Verbindung hat, brachte vor wenigen Tagen zum Beispiel das Medikament Ezterol auf den Markt, das vor allem als Ergänzung zu den etablierten Statinen eingesetzt werden soll.

In eine ähnliche Richtung zielt die Partnerschaft von Merck KGaA und Kos. Das Präparat Advicor von Kos ist bereits ein Kombinationspräparat, bei dem Niaspan mit einem Statin kombiniert wird.

Ein Erfolg mit den Produkten ist für Merck von enormer Bedeutung, um die akute Schwächephase im Pharmageschäft zu kompensieren. Denn das wichtigste Produkt der Darmstädter, das Diabetesmedikament Glucophage hatte im vorigen Jahr den Patentschutz in den USA verloren, was bei Merck und beim US-Vertriebspartner Bristol-Myers Squibb tiefe Spuren in der Ertragsrechnung hinterließ.

Bei Merck ist das Geschäft mit Originalmedikamenten im dritten Quartal um fast ein Viertel auf 418 Mill. Euro geschrumpft. Kräftige Zuwächse bei Nachahmerprodukten (Generika) sowie Flüssigkristallen konnten das nur teilweise ausgleichen, so dass der Konzernumsatz um 5 % zurückging.

Noch drastischer ist der Einfluss auf den Gewinn. So hat sich das operative Ergebnis gegenüber dem Rekordwert des Vorjahres auf 143 Mill. Euro halbiert. Hinzu kommen ungünstige Sondereffekte. Konnte Merck im Vorjahr noch einen hohen Sonderertrag aus dem Verkauf der US-Firma Pharmaceutical Ressources verbuchen, musste der Konzern in diesem Jahr 58 Mill. Rückstellungen für Schadensersatz im Vitamin-Kartellverfahren verkraften. Per Saldo lag der Nettogewinn im dritten Quartal nur noch knapp über der Null-Linie, gegenüber einem Rekordgewinn von 364 Mill. Euro im Vorjahr.

Analysten hatten mit einem Einbruch gerechnet. Die Tatsache, dass trotzdem in der Pharmasparte noch eine Umsatzrendite von 8 % verbucht wurde, stelle eine positive Überraschung dar, heißt es in einer Stellungnahme der WestLB.

Merck reagiert auf die Schwäche mit dem Abbau von 300 Arbeitsplätzen in Darmstadt und Gernsheim und einer Neuordnung der Pharmaproduktion. Das vierte Quartal soll bereits wieder eine Verbesserung beim operativen Ertrag bringen. Für das Gesamtjahr rechnet Firmenchef Bernhard Scheuble weiterhin mit einem Rückgang von bis zu einem Drittel. Sondererträge aus Desinvestitionen sind dabei nicht in Sicht. Der geplante Börsengang der Laborhandelstochter VWR wurde angesichts der schwachen Börsenverfassung verschoben.

Quelle: Handelsblatt

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