Börsenhandel am Neuen Markt im Sommerloch
Discountbroker stecken in der Strategiekrise

Die von Börsianern erwartete drastische Verschlechterung der Quartalsergebnisse der am Neuen Markt notierten Discountbroker kommt nicht von ungefähr. Denn: Der Börsenhandel mit den ehemals heißgeliebten über 330 Wachstumsaktien am Neuen Markt fiel ins Sommerloch. Nun droht den Discountbroker nach Analystenmeinung eine Strategiekrise.

dpa-afx FRANKFURT. Die Aktienumsätze schrumpften im ersten Quartal diesen Jahres um 66 % gegenüber dem Vorjahr. Der Handel mit Auslandswerten an deutschen Börsen, eine weitere Spezialität der Discounter, hinkte um 42 % hinterher.

Die Folge: Tiefrote Zahlenreihen werden die Quartalsergebnisse von Comdirect, Consors und der Direkt Anlage Bank beherrschen, meinen viele Analysten übereinstimmend. Eine Studie der durch Online-Geschäfte weitgehend unbelasteten BHF-Bank sieht die Internet-Anbieter und deren Muttergesellschaften sogar in der Strategiekrise.

Die Krise der Internet-Banken geht anscheinend tiefer, als es die aktuellen Zahlen zeigen. Volker von Krüchten und Philipp Häßler, Analysten der BHF-Bank, sehen die Discount-Anbieter in einem klassischen Zielkonflikt mit ihren Großbank-Müttern. Ohne zusätzliche Beratungsleistungen und ein breiteres Produktangebot "kehren die Töchter kaum zu den hohen Kundenwachstumsraten der Vergangenheit und zur Profitabilität zurück".

Verstärkt Kunden der "zweiten Welle"

Bei dem Bemühen um Wachstum und Profit sprächen die Discountbroker verstärkt Kunden der "zweiten Welle" an: Diese wertpapier- und internetunerfahrenen Aktiensparer sind derzeit die Geschäftspartner der Filialbanken und Sparkassen. Damit wäre der Konkurrenzkampf mit den Muttergesellschaften Commerzbank (Comdirect) und HypoVereinsbank (Direkt Anlage Bank) entfacht.

Consors, eine Tochter der kleinen Schmidt-Bank, habe im ersten Quartal für jeden Neukunden Marketingkosten von 785 Euro gehabt, zählte die BHF-Bank vor. Damit liegen die Nürnberger an einsamer Spitze gegenüber den am Neuen Markt notierten Mitbewerbern. Bei Comdirect kostete jeder neue Aktienfan 598 Euro und bei der Direkt Anlage Bank 350 Euro.

Doch auch die hohen Marketingaufwendungen bewegten die Kunden in diesem Börsenumfeld nicht zum Kauf. "Da sind die Träume geplatzt", sagte Volker von Krüchten. Er rechnet für das laufende Jahr nur noch mit 11,9 Handelstransaktionen pro Comdirekt-Kunde. Im Börsenboomjahr 2000 waren dies noch 27.

Broker-Mütter im Entscheidungsdilemma

Die Analysten sehen Handlungsbedarf bei den Großbanken, für die es mehrere Optionen gibt, aber anscheinend auch ein Dilemma: Die Kosten von Beratungsdienstleistungen in Anlagecentern, die jetzt nötig wären, um neue Kunden zu gewinnen, drücken auf die Margen. Gleichzeitig treten diese so in Konkurrenz zu dem herkömmlichen Filialgeschäft. Bei reinen Discountbrokern sei auf absehbare Zeit allerdings kaum mit dauerhaften Gewinnen zu rechnen, so die Analyse.

Die Optionen, die die Vorstände der Großbanken nun hätten, reichen von dem Erhalt der Discountbroker - einhergehend mit weiteren Verlusten - bis hin zur vollständigen Integration in den Filialbetrieb der Mutter, schreiben von Krüchten und Häßler. Eine Fortsetzung der bisherigen Strategie halten beide für unwahrscheinlich. Ein eigenständiges Überleben ohne Eingriff der Mütter würde ihrer Meinung nach auf einen weitgehenden Verzicht auf weitere Expansion, gerade ins Ausland, hinauslaufen.

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